Die Sperrung der Straße von Hormuz hat Europa in die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten gestürzt. Die EU-Kommission reagiert mit Ankündigungen. Konkrete Maßnahmen fehlen bislang.
Gaspreise plus 70 Prozent — und kein Datum für Entlastung
Seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar 2026 und der darauf folgenden Blockade der Straße von Hormuz sind die europäischen Energiepreise explodiert. Wie Euronews unter Berufung auf EU-Schätzungen berichtet, sind Gaspreise um 70 Prozent und Ölpreise um rund 50 Prozent gestiegen. Rohöl der Sorte Brent notiert laut t-online bei 110 US-Dollar pro Barrel — vor Kriegsbeginn war es die Hälfte. Die Straße von Hormuz, über die ein Viertel bis ein Drittel des weltweiten Öls transportiert wird, ist faktisch blockiert. Tanker meiden die Route, LNG-Lieferungen werden nach Asien umgeleitet, weil dort höhere Preise erzielt werden.
Von der Leyen: „Konkrete Maßnahmen“ — ohne Datum
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumte gegenüber Reuters ein: „Der Krieg im Iran schadet der europäischen Wirtschaft.“ Gleichzeitig versprach sie, den EU-Staaten eine Liste dringender Maßnahmen vorzulegen. Wie der Atlantic Council auf Basis von Brüsseler Quellen berichtet, denkt die Kommission über Instrumente wie Power Purchase Agreements, temporäre Beihilfemechanismen und mögliche Gaspreisdeckel nach — dieselben Instrumente, die schon 2022 an internen Widerständen, vor allem aus Deutschland und den Niederlanden, gescheitert sind. Ein konkretes Datum oder ein verbindliches Maßnahmenpaket? Fehlanzeige.
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen formulierte gegenüber der Financial Times noch klarer: Die EU rechne damit, dass „Energiepreise für lange Zeit sehr hoch sein werden“. Darauf müssten sich die Regierungen jetzt einstellen. Die IEA-Direktor Fatih Birol nannte die Krise gegenüber der französischen Zeitung Le Figaro „schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen“.
Abhängigkeit als Strukturproblem
Was die aktuelle Krise so gefährlich macht, ist kein Zufall. Wie der Atlantic Council analysiert, muss Europa in der kommenden Befüllsaison allein rund 60 Milliarden Kubikmeter Gas in seine Speicher pumpen, um die gesetzlich vorgeschriebene Füllstandsgrenze von 90 Prozent zu erreichen — und das bei massiv erschwertem LNG-Marktzugang. Hinzu kommt: Ein Drohnenangriff des Iran auf die Ras-Laffan-Anlagen in Katar Anfang März hat die dortige Gasproduktion zeitweise stillgelegt.
Die CO2 Coalition verwies auf die strukturelle Ironie: 75 Prozent des EU-Primärenergieverbrauchs stammen aus fossilen Brennstoffen — und der Grünkurs der letzten Jahre hat daran wenig geändert. Von der Leyen selbst sprach inzwischen von einem „strategischen Fehler“ beim Atomausstieg.
Was Europa von Brüssel erwartet — und nicht bekommt
Die britische Regierung sprach am 1. April 2026 in einem offiziellen Kommuniqué mit von der Leyen und betonte laut GOV.UK, Verbündete müssten gemeinsam an einem „belastbaren Plan“ für die Wiederherstellung der Navigationsfreiheit arbeiten. Einen solchen Plan hat Brüssel bislang nicht präsentiert. Ob die Waffenruhe im Iran hält, ob die Hormuzstraße wieder geöffnet wird und wann Entlastung kommt — all das bleibt offen. Die Energiekrise bleibt akut. Die Antworten bleiben aus.
Ctedits: APA
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