Eklat im Spionage-Krimi: Ott verliert die Nerven und attackiert Ex-Boss verbal

Eklat im Spionage-Krimi: Ott verliert die Nerven und attackiert Ex-Boss verbal

Im Wiener Landesgericht spielten sich am Donnerstag unglaubliche Szenen ab. Was als nüchterne Befragung im größten Spionage-Prozess der jüngeren Geschichte geplant war, endete in einem lautstarken Ausbruch des Angeklagten. Egisto Ott, der ehemalige Verfassungsschützer, der wegen Spionage für Russland vor Gericht steht, hielt es auf der Anklagebank nicht mehr aus. Mitten in der Aussage seines früheren Vorgesetzten platzte ihm der Kragen.

„Er ist Jurist noch dazu!“

Der Zeuge war kein Geringerer als Peter Gridling, der ehemalige Direktor des mittlerweile aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Während Gridling ruhig seine Sicht der Dinge darlegte, verlor Ott plötzlich die Fassung. Wie oe24.at berichtet, sprang der Angeklagte auf, zeigte mit dem Finger auf seinen ehemaligen Chef und schrie durch den Saal: „Er ist Jurist noch dazu!“

Der Spionage-Verdächtige war kaum zu beruhigen. Er klagte lautstark darüber, dass hier „vieles falsch“ sei und Fehler gemacht würden. Ein Moment, der die Anspannung in diesem Verfahren greifbar machte. Erst nach diesem heftigen Ausbruch beruhigte sich die Situation wieder, und der Prozess konnte fortgesetzt werden.

Gridling packt aus: Verdacht schon 2017

Dabei hatte Gridling Belastendes im Gepäck. Er schilderte, wie er bereits im November 2017 die Reißleine zog. Ein „befreundeter Partnerdienst“ hatte Alarm geschlagen. Der Vorwurf: Ott habe sich geheime Dokumente von seinem Dienst-Account auf seine private Mail-Adresse geschickt. „Ich habe Strafanzeige erstattet und eine Sicherheitsüberprüfung angeregt. Es gab etwas, das beweissicher war“, protokollierte Gridling laut BVZ.

Schon Anfang 2017 gab es demnach Hinweise auf seltsame Treffen in der Türkei. Ott war dort als Verbindungsbeamter tätig und soll sich auffällig oft mit Mitarbeitern der russischen Botschaft getroffen haben. Der Verdacht stand im Raum, er könnte von den Russen „kultiviert“ – also angeworben – worden sein. Gridling beschrieb Ott zudem als „sehr selbstbewusste Persönlichkeit“, die oft Probleme mit Vorgesetzten hatte und sich als „Einzelkämpfer“ sah.

Besonders brisant war Gridlings Aussage über die Zustände im alten BVT. Auf den Vorwurf Otts, es sei mit falschen Aktenzahlen gearbeitet worden, reagierte der Ex-Direktor mit einem fast schon zynischen Vergleich. Die Dokumentation sei streng geregelt gewesen, so streng, dass laut Gridling sogar „James Bond an der Dokumentation verzweifelt wäre“, wie die BVZ zitiert.

Der Kronzeuge, der nicht kam

Während es im Gerichtssaal hoch herging, fehlte eine entscheidende Figur gänzlich. Dmitry Senin, ein ehemaliger FSB-Offizier und mutmaßliche Schlüsselfigur, erschien nicht zu seiner geplanten Aussage. Wie das Magazin profil aufdeckt, hat der Russe schlichtweg Angst um sein Leben. Er gilt als Feind Wladimir Putins und fürchtet den langen Arm des Kreml.

Senin ließ ausrichten, dass ihm die Sicherheitsgarantien der Republik Österreich nicht ausreichen würden. Ein bloßer Begleitschutz zum Gerichtstermin sei zu wenig für jemanden, der auf Putins Todesliste steht. „Wenn ich in Wien gegen Ott aussage, bedroht das mein Leben“, zitierte ihn das profil. Die österreichischen Behörden hätten ihm kein langfristiges Schutzkonzept bieten können, weshalb der Platz im Zeugenstand leer blieb.

Der Prozess gegen Ott, der alle Vorwürfe bestreitet, ist vorerst bis Anfang März anberaumt. Doch nach diesem turbulenten Tag ist klar: Das letzte Wort in diesem Krimi ist noch lange nicht gesprochen.

Quellen: oe24.at, BVZ, profil
Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x