Es war ein Verbrechen, das ganz Österreich erschütterte: Weil seine 14-jährige Schwester Bakthi ein westliches Leben führen wollte, stach Hikmatullah S. brutal auf sie ein. Das Urteil lautete lebenslang. Doch nun sorgt der „Killer-Bruder“ für den nächsten Schock. Er will raus aus der österreichischen Zelle – und zurück in seine Heimat Afghanistan.
Der Fall lässt niemanden kalt. Im September 2017 wurde der Innenhof eines Gemeindebaus in Wien-Favoriten zum Schauplatz einer entsetzlichen Bluttat. Hikmatullah S. tötete seine eigene Schwester mit über zwanzig Messerstichen. Sein Motiv: gekränkte Familienehre. Bakthi habe „keinerlei Respekt“ gezeigt. Dafür sitzt der Afghane in der Justizanstalt Krems-Stein eine lebenslange Haftstrafe ab. Doch wie heute.at berichtet, schmiedet der verurteilte Mörder nun offenbar Pläne, um seine Strafe drastisch zu verkürzen.
Der dreiste Weg in die Freiheit?
Kurz vor Weihnachten machen brisante Gerüchte die Runde. Der verurteilte Mörder will weg aus Österreich. Wie heute.at unter Berufung auf den Anwalt des Häftlings schreibt, wird derzeit aktiv an einer Überstellung gearbeitet. Der renommierte Wiener Jurist Philipp Springer bestätigte gegenüber der „Kronen Zeitung“, dass er dabei sei, für einen seiner Klienten eine Überstellung in dessen Geburtsland anzuregen.
Der Plan wirkt auf den ersten Blick absurd – freiwillig zurück in ein von den Taliban regiertes Land? Doch dahinter steckt wohl kühles Kalkül.
In Afghanistan droht ihm kaum Strafe
Der Wunsch nach Abschiebung ist kein Akt der Reue oder des Heimwehs, sondern könnte der Schlüssel zur sofortigen Freiheit sein. Wie die Afghanistan-Expertin Petra Ramsauer gegenüber heute.at analysiert, würde Hikmatullah S. in seiner Heimat vermutlich mit Samthandschuhen angefasst werden.
Die schockierende Realität unter der Herrschaft der Taliban: Gewalt gegen Frauen ist dort an der Tagesordnung. Sogenannte „Ehrenmorde“ werden oft wie Kavaliersdelikte behandelt. Laut dem Bericht müsse man davon ausgehen, dass der Mörder in Afghanistan nur eine sehr geringe oder vielleicht sogar gar keine Haftstrafe mehr verbüßen müsste. Ein Mord aus Gründen der Familienehre galt dort bereits vor der Machtergreifung der Radikalislamisten als strafmildernd.
Rückblick auf eine feige Tat
Die Hintergründe der Tat machen den aktuellen Vorstoß des Täters umso zynischer. Die Familie war 2013 nach Österreich geflüchtet. Während die erst 14-jährige Bakthi davon träumte, eine Lehre als Verkäuferin zu machen und sich gut integrierte, herrschte zu Hause ein Regime der Unterdrückung. Wie heute.at berichtet, wurde das Mädchen zum Kopftuch gezwungen, soziale Kontakte wurden unterbunden. Der grausame Plan der Familie: Bakthi sollte, wie ihre Schwestern, im Ausland zwangsverheiratet werden.
Als sich das Mädchen wehrte und Schutz suchte, lauerte ihr Bruder ihr auf. Er lockte sie in den Hinterhof, zückte ein Jagdmesser und stach zu, bis sie sich nicht mehr regte. Vor Gericht zeigte er sich geständig: Er sei „extrem wütend“ gewesen, weil sie keinen Respekt hatte.
Justiz vor schwieriger Entscheidung
Das Oberlandesgericht Wien bestätigte im Februar 2019 das Urteil: Lebenslang. Die Richterinnen stellten damals klar, dass solche patriarchalischen Strukturen in Österreich keinen Platz haben. Nun versucht der Täter offenbar, genau diese Strukturen in seiner Heimat zu nutzen, um der österreichischen Justiz ein Schnippchen zu schlagen. Ob sein Antrag auf Verlegung Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Für die Angehörigen von Opfern patriarchaler Gewalt dürfte allein der Versuch ein Schlag ins Gesicht sein.
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