Drohnen über Moskau: Ukraine trifft Kreml-nahe Raffinerie zum dritten Mal

Drohnen über Moskau: Ukraine trifft Kreml-nahe Raffinerie zum dritten Mal

Mit einem der massivsten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn hat die Ukraine erneut eine zentrale Ölanlage im Herzen Moskaus getroffen – und die Grenzen der russischen Luftabwehr schmerzhaft offengelegt.

Kapotnja brennt – wieder

In der Nacht auf Donnerstag griff die Ukraine Moskau mit fast 200 Drohnen an, wie Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin einräumte und ZDF und web.de berichten. Einigen Drohnen sei es gelungen, die Raffinerie im Stadtbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus zu erreichen, bestätigte Sobjanin. Er bezeichnete die Attacke als eine der schwersten ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn. Die Anlage gehört zu Gazpromneft und zählt mit einer Verarbeitungskapazität von elf Millionen Tonnen pro Jahr zu den größten Raffinerien Russlands – und deckt einen erheblichen Teil der Treibstoffversorgung Moskaus, wie ZDF berichtet. Es war bereits das dritte Mal, dass die Anlage getroffen wurde, der zweite Angriff lag dabei nur zwei Tage zurück.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut Junge Freiheit, die Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 555 ukrainische Drohnen über mehreren Regionen abgefangen und zerstört – eine Zahl, die sich nicht unabhängig verifizieren lässt. Getroffen wurden laut Moskauer Behörden neben der Raffinerie auch ein Wohnhaus sowie ein großer Gartenfachmarkt, wie news.de berichtet. Über Verletzte in Moskau gab es zunächst keine Angaben.

Luftabwehr versagt vor laufender Kamera

Besonders peinlich für den Kreml: Augenzeugenvideos, die in sozialen Netzwerken kursierten, sollen zeigen, wie Drohnen trotz andauernden Gewehrfeuers weiter auf ihr Ziel zufliegen – und wie eine Flugabwehrrakete die Drohne knapp verfehlt. Deren Echtheit war zunächst nicht unabhängig überprüfbar, mehrere Militärbeobachter halten die Darstellung jedoch für plausibel, wie L’Essentiel berichtet. „Scheiße, daneben“, schreit ein Augenzeuge auf einer der Aufnahmen, als er das Verfehlen filmt, wie web.de schildert.

Selenskyj bezeichnete die Angriffe auf russische Energieanlagen auf X als Teil seiner „Langstrecken-Sanktionen“ – die gerechte Antwort auf die ständigen russischen Schläge gegen ukrainische Städte, wie news.de zitiert.

Peinliches Timing für Putin

Die Angriffe fielen laut oe24 auf einen besonders ungünstigen Zeitpunkt für den Kreml: Sie fanden zeitgleich mit einem von Putin ausgerichteten internationalen Gipfeltreffen statt. Schon Anfang Juni hatte die Ukraine ein Tanklager in St. Petersburg in Brand geschossen, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte, wie L’Essentiel erinnert.

Experte: „Schon eine gewisse Hoffnungslosigkeit“

Der langjährige CNN-Russlandkorrespondent Fred Pleitgen sprach in einem Gespräch im Podcast „Ronzheimer“ von wachsendem Druck auf das Putin-Regime, wie oe24 berichtet. Die Drohnenangriffe auf die Energieinfrastruktur machten „den Russen enorm zu schaffen“, so Pleitgen. Besonders der Treffer auf die Kapotnja-Raffinerie sei „ein Schlag ins Kontor – vor allem, weil die Russen ja eigentlich gewarnt sind.“ Ohne einen grundlegenden Strategiewechsel sehe er nicht, wie Russland seine Kriegsziele in absehbarer Zeit erreichen wolle. „Nicht einmal die Sowjetunion ist Russland mehr, was die Bevölkerungszahl angeht“, so der Journalist. „Es ist schon eine gewisse Hoffnungslosigkeit, die sich breitmacht.“ Pleitgens Aussagen sind als Experteneinschätzung zu verstehen, nicht als verifizierte Faktenlage.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Serie der ukrainischen Raffinerie-Treffer folgt einer klaren strategischen Logik: Russlands Kriegsmaschinerie ist auf Treibstoff angewiesen, und jede beschädigte Anlage erhöht den Versorgungsdruck an der Front. Dass die Kapotnja-Raffinerie nun zum dritten Mal in wenigen Tagen getroffen wurde, zeigt, dass die Ukraine die Schwächen der russischen Luftabwehr systematisch ausnutzt. Militärisch entscheidend ist dabei weniger das Spektakel über Moskau als die kumulative Wirkung auf Russlands Kapazitäten zur Ölverarbeitung – Schätzungen zufolge hat Russland durch die anhaltenden Angriffe bereits rund ein Fünftel seiner Raffinierungskapazitäten eingebüßt, wie Yahoo News/dpa berichtet. Ob das die russische Kriegsführung mittelfristig wirklich einschränkt oder ob Russland die Lücken kompensieren kann, bleibt abzuwarten.

Credits: Von Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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