Doskozil fordert ORF-Rücktritte: „Der Sumpf gehört trockengelegt“

Doskozil fordert ORF-Rücktritte: „Der Sumpf gehört trockengelegt“

Der Küniglberg kommt nicht zur Ruhe. Nachdem ORF-Generaldirektor Roland Weißmann inmitten von Belästigungsvorwürfen seinen Rücktritt erklärt hat, eskaliert die Debatte um das Führungschaos im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter. Jetzt mischt sich Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) mit ungewöhnlich scharfen Worten ein — und trifft dabei ausgerechnet die eigene Parteilinie.

Frontalangriff auf Lederer

Wie Heute in einem großen Interview berichtet, lässt Doskozil keine Zweideutigkeiten zu: „Ich bin der Meinung, dass der Vorsitzende des Stiftungsrates – auch, wenn er der SPÖ zugeordnet wird – nicht tragbar ist. Heinz Lederer muss zurücktreten, genauso wie sein Stellvertreter und einige andere auch.“ Das ist ein bemerkenswerter Schritt — Doskozil fordert den Abgang eines SPÖ-nahen Funktionärs, obwohl Lederer laut ORF-Stiftungsratsliste als Vertreter der Bundesregierung auf Vorschlag der SPÖ im Gremium sitzt.

Den Boden für diese Forderung hatte zuvor bereits exxpress bereitet: FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler hatte dort schwere Vorwürfe gegen Lederer erhoben — dieser habe seit sechs Tagen von den Vorwürfen gegen Weißmann gewusst, ohne den Stiftungsrat zu informieren. Lederer räumte laut Ö1-Mittagsjournal indirekt ein, dass das Gremium erst informiert wurde, nachdem die Öffentlichkeit bereits davon erfahren hatte.

Compliance und Interessenkonflikte

Doskozil geht über Personalfragen hinaus und benennt gegenüber Heute ein strukturelles Problem beim Namen: „Es geht nicht, dass jemand bei einer Transaktion, bei der ORF-Immobilien betroffen sind, auf beiden Seiten sitzt. Das ist Compliance-technisch nicht tragbar.“

Wie profil berichtet, steht Lederer nicht nur wegen seiner Rolle im Fall Weißmann unter Druck — ihm werden auch heikle Nebentätigkeiten mit klaren Interessenkonflikten sowie Verbindungen in Millionen-Causen rund um ORF-Geschäfte nachgesagt.

Kein Parteieinfluss mehr — aber kein privater ORF

Im Heute-Interview formuliert Doskozil seine Kernbotschaft unmissverständlich: „Die Politik muss die Stopp-Taste drücken. Wenn der Einfluss der Parteien jetzt nicht rigoros abgestellt wird, macht sie sich selbst schuldig.“

Eine Privatisierung lehnt er dennoch strikt ab. In einem Positionspapier, das der APA und ORF Burgenland vorliegt, schlägt Doskozil vor, den Verfassungsgerichtshof unter Beiziehung eines entpolitisierten Stiftungsrats die drei besten Bewerber auswählen zu lassen — der Bundespräsident soll dann einen davon zum neuen ORF-Chef bestellen.

Gegenkritik bleibt nicht aus

Nicht alle nehmen den Vorstoß für bare Münze. Wie ORF Burgenland berichtet, bezeichnete ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits den Vorschlag als „an Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten“ — wer im eigenen Bundesland ein dichtes politisches Netzwerk bei Personalentscheidungen aufgebaut habe, solle bei Forderungen nach Entpolitisierung vorsichtiger auftreten. Auch die FPÖ sprach von einer „Nebelgranate“.

Lederer selbst zeigte sich bisher wenig beeindruckt und erklärte laut exxpress knapp: „Erstens trete ich nicht zurück.“ Wie es am Küniglberg weitergeht, ist dennoch offen — wie orf.at berichtet, soll eine Ausschreibung für den Generaldirektorenposten „unverzüglich“ aufgesetzt werden, ein Juni-Termin für die Bestellung gilt als realistisch.


Quellen:

  • exxpress.at: Beben um den ORF: Jetzt fordert Doskozil Rücktritte (22.03.2026)
  • heute.at: LH fordert Lederer-Rücktritt – Doskozil: „Der ORF-Sumpf gehört trockengelegt“ (22.03.2026)
  • orf.at: Weißmann-Rücktritt: Stiftungsräte für „umfassende Aufklärung“
  • burgenland.orf.at: Doskozil: VfGH und Bundespräsident sollen ORF-Chef bestimmen
  • exxpress.at: ORF-Skandal: Lederer wusste seit 6 Tagen Bescheid – Westenthaler fordert Rücktritt
  • profil.at: ORF-Krise: Politik will sich lieber abputzen statt auszuputzen
  • burgenland.at: Positionspapier des Burgenlandes zur Neuordnung des ORF
  • der.orf.at: Mitglieder des ORF-Stiftungsrats

Credits: APA

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