Zwei Wochen nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann werden neue Details öffentlich. Die Zeitung „Die Presse“ konnte Teile der brisanten Chatprotokolle einsehen – und zeichnet ein klares Bild des Konflikts.
Was in den Chats steht
Wie die Presse berichtet, konnte die Zeitung Teile eines Chatverlaufs sowie Mitschriften von Telefonaten zwischen Weißmann und der betroffenen Mitarbeiterin einsehen. Auf mehreren Seiten sei nachzulesen, wie Weißmann wiederholt darauf gedrängt habe, eine sexuelle Komponente in die Beziehung einzubringen. Die Frau habe ihm unmissverständlich mitgeteilt, dass sie verheiratet sei, ein Kind habe und keine Affäre wolle – und das, wie aus den Protokollen hervorgehen soll, nicht nur einmal.
Der Kontakt sei laut dem Presse-Bericht zwar von beiden Seiten gepflegt worden – die Frau meldete sich aktiv bei ihm, die beiden gingen gemeinsam Laufen – doch Weißmann habe, so das Bild der Transkripte, „immer wieder auf mehr“ gedrängt und sie als „Freundin in einer sexuellen Beziehung“ gewollt. Sie habe sich immer wieder erklären müssen, „wieso sie das nicht wolle, das habe sie ‚eh schon tausend Mal‘ erklärt“.
Ablehnung, Fotos, wechselnde Reaktionen
Laut dem Presse-Bericht schwankten Weißmanns Reaktionen auf die wiederholte Ablehnung zwischen „betrübt und traurig“, „verständnisvoll“, „frustriert“ und „tendenziell aggressiv“. Ihn habe gestört, dass sie ihm keine Fotos von sich schickte – obwohl er sie mehrfach darum bat. Sie selbst habe hingegen unaufgefordert Bilder von ihm erhalten. Bereits der Falter hatte zuvor berichtet, dass Weißmann der Mitarbeiterin explizite Fotos zugesandt habe. Die Frau selbst hatte im Falter und per Anwaltsaussendung klargestellt: Es habe keine Liebesbeziehung, keine Affäre und keinen Sex gegeben.
Weißmanns Anwalt: „Selektiv und aus dem Zusammenhang gerissen“
Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum weist die Darstellung scharf zurück. Wie die Presse zitiert, seien die Kommunikationsauszüge „in keiner Weise geeignet, ein zutreffendes Bild der langjährigen Beziehung in den Jahren 2019 bis 2023 zu vermitteln“. Es handle sich um selektiv zusammengestellte Fragmente aus einem rein privaten Austausch, „die aus dem Zusammenhang gerissen sind und deren Zustandekommen teilweise gezielt provoziert worden sein dürfte – mutmaßlich mit dem Ziel, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verwenden“. Weißmann bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Strafanzeige und ORF-Neubesetzung
Die Auseinandersetzung hat mittlerweile eine juristische Dimension: Wie die Staatsanwaltschaft Wien gegenüber der APA bestätigt hat, ließ Weißmann eine Sachverhaltsdarstellung gegen zwei Personen einbringen. Um wen es sich handelt und welcher Tatbestand vermutet wird, ist bislang nicht öffentlich bestätigt.
Parallel dazu läuft die Nachfolgesuche auf Hochtouren. Wie oe24 berichtet, hat ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer den Generaldirektorenposten bis Ende 2026 ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 17. April möglich, die Bestellung soll am 23. April erfolgen. Als Favoritin gilt die aktuelle Interimsleiterin Ingrid Thurnher.
Quellen:
- oe24.at: ORF-Skandal – Das steht in den Weißmann-Chats (21.03.2026)
- Die Presse: Weißmann-Chats und Telefonmitschriften (21.03.2026), zit. nach oe24
- ORF.at: Weißmann zurückgetreten (09.03.2026)
- Falter: ORF-Mitarbeiterin schildert Belästigungsvorwürfe (18.03.2026), zit. nach BVZ
- nachrichten.at: Weißmann äußert sich zu Vorwürfen – Aussendung im Wortlaut (13.03.2026)
- APA / StA Wien: Bestätigung Strafanzeige, zit. nach oe24
Credits: APA
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