„Die richtigen Schritte“: WKÖ-Chefin Schultz distanziert sich von Ruck

„Die richtigen Schritte“: WKÖ-Chefin Schultz distanziert sich von Ruck

Die Affäre um den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck erreicht die Spitze der Bundesorganisation. Erstmals äußert sich nun auch WKÖ-Präsidentin Martha Schultz öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihren Kollegen – und ihre Worte kommen einer Rücktrittsaufforderung nahe.

Schultz‘ deutliche Worte

In einer Stellungnahme gegenüber DER STANDARD ließ Schultz kein gutes Haar an Ruck. Dessen Aussagen entsprächen weder dem Weltbild noch der Entscheidungskultur der Kammer und seien in einer Phase des Vertrauensaufbaus besonders schädlich, betonte die WKÖ-Präsidentin gegenüber der Zeitung. Gleichzeitig zeigte sie sich überzeugt, dass sich Ruck der Folgen seiner Aussagen bewusst geworden sei und nun die notwendigen Konsequenzen ziehen werde, um weiteren Schaden von der Wirtschaftskammer abzuwenden. „Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schritte setzen wird“, so Schultz.

Kein neues Problem für die Kammerspitze

Die aktuelle Wortmeldung ist nicht die erste kritische Reaktion von Schultz auf Ruck. Bereits im Jänner hatte die WKÖ-Präsidentin, damals frisch im Amt, eine interne Untersuchung eingeleitet, nachdem „profil“ berichtet hatte, Ruck habe seinen beiden Söhnen sowie seiner Lebensgefährtin Posten in Sozialversicherungsträgern verschafft – Sohn Christoph im Landesstellenausschuss der AUVA, Sohn Alexander als Vorsitzender im Landesstellenausschuss der PVA. WKO-Generalsekretär Jochen Danninger bestätigte damals gegenüber der „Presse“, die Präsidentin lasse die Ernennungs- und Besetzungsabläufe überprüfen, zudem sollten neue Compliance-Richtlinien für mehr Transparenz bei Postenvergaben sorgen.

Wachsender Druck aus den eigenen Reihen

Wie profil.at berichtet, fordern mittlerweile auch kammerintern einflussreiche Spartenobleute Rucks Rücktritt. Auch Vertreter aus Banken- und Industriekreisen zeigten sich wenig erfreut über die jüngsten Veröffentlichungen. Der Großindustrielle und Bauunternehmer Hans-Peter Haselsteiner wurde gegenüber „profil“ deutlich: Ein solches Verhalten sei natürlich nicht tragbar, es sei bedauerlich, dass sich Menschen mit solchem Verhalten so lange in derartigen Positionen halten könnten.

Bundeskanzler weiterhin auf Tauchstation

Im Gegensatz zur Kammerspitze bleibt Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) weiterhin auffällig zurückhaltend. Zur Causa Ruck wollte er sich gegenüber dem ORF „keine Meinung“ bilden und erklärte, das betreffe „weder mich als Bundeskanzler, noch die Bundesebene“. Deutlich eindeutiger positionierte sich zuvor bereits die Wiener ÖVP, in deren Landespräsidium Ruck sitzt: Man distanziere sich klar von dem Bild, das in den Medienberichten gezeichnet werde, und stehe für ein „völlig anderes Politikverständnis“. Allfällige personelle Konsequenzen müsse aber der Wiener Wirtschaftsbund beziehungsweise die Wiener Wirtschaftskammer selbst ziehen.

Ruck selbst zeigt sich unbeeindruckt

Trotz des wachsenden Drucks von mehreren Seiten hatte Ruck einen Rücktritt zuletzt kategorisch ausgeschlossen. Bereits im Februar hatte er argumentiert, er sei für die Periode bis 2030 gewählt worden und werde diese daher „genauso zu Ende führen“.

Eine ohnehin angeschlagene Kammer

Der aktuelle Skandal trifft die Wirtschaftskammer zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Erst Ende 2025 hatte eine Debatte um überhöhte Managergehälter den damaligen WKÖ-Bundespräsidenten Harald Mahrer zum Rücktritt gezwungen – Schultz übernahm die Führung der Organisation seither mit dem erklärten Ziel, das ramponierte Image der Interessenvertretung wiederherzustellen. Ob ihr das angesichts der neuerlichen Affäre um den Wiener Kammerchef gelingt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

Credits: WKO

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