Ein deutliches Plus bei Einwanderungsanträgen, Einbürgerungen und Staatsbürgerschaftsverfahren. Der aktuelle Jahresbericht 2025 der Wiener Magistratsabteilung 35 (MA 35) zeigt einen spürbaren Ansturm auf die zuständige Behörde – und liefert der Opposition neue Munition gegen die Wiener Stadtregierung.
Die Zahlen im Detail
Wie aus dem der „Krone“ vorliegenden Jahresbericht der Behörde hervorgeht, gingen im Fachbereich Einwanderung 2025 insgesamt 143.420 Anträge ein – um 11.850 mehr als im Vorjahr, als es noch 131.570 waren. Zum Jahresende waren noch 22.030 Akten offen. Auch bei den Einbürgerungen zeigt sich ein deutlicher Anstieg: Nach 12.507 im Jahr 2024 stieg die Zahl 2025 um 17 Prozent auf 14.648. Bei den eigentlichen Staatsbürgerschaftsverfahren wuchs die Zahl der eingelangten Anträge von 19.960 auf 23.650 – ein Plus von 18,5 Prozent.
Wartezeiten sinken trotz höherer Auslastung
Trotz des gestiegenen Andrangs verkürzten sich einzelne Wartezeiten laut dem Bericht: Auf einen Termin zur Inlandseinbürgerung mussten Betroffene im Schnitt 310 Tage warten, nach zuvor 318 Tagen. Bis zu einem endgültigen Entschluss dauerte es 2025 durchschnittlich 247 Tage, verglichen mit 301 Tagen im Jahr davor. Zur Einordnung: Ein früherer Zwischenbericht der MA 35 vom Juni hatte für die reinen Einbürgerungsanträge sogar einen noch stärkeren Anstieg von 56,9 Prozent sowie eine im Vergleich niedrigere Wartezeit von 186 Tagen auf den ersten Termin genannt – ein Hinweis darauf, dass sich unterschiedliche Zwischenmeldungen und der finale Jahresbericht in Details unterscheiden können. Auch die Informationsveranstaltungen der MA 35 zu Einbürgerungen waren 2025 gut besucht: 12.465 Reservierungen und rund 15.000 registrierte Teilnehmer wurden verzeichnet.
Woher die neuen Staatsbürger kommen
Der Jahresbericht weist dabei nur die Top-5-Herkunftsländer gesondert aus. Die meisten Einbürgerungen entfallen demnach auf NS-Verfolgte und deren Nachkommen, die überwiegend aus Israel (13,5 Prozent) und den USA (13,3 Prozent) stammen. Danach folgen Personen aus Syrien (8,3 Prozent), Afghanistan (6,5 Prozent) und der Türkei (5,4 Prozent).
Die Verbindung zur Sozialhilfe-Debatte
Der Bericht fällt zeitlich mit einer weiteren, kontrovers diskutierten Auswertung von Statistik Austria im Auftrag des Integrationsministeriums zusammen. Diese zeigt, dass ein Großteil der Haushalte aus den Top-Herkunftsländern in Wien ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten kann: 72 Prozent der Haushalte mit Bezug zu Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Somalia und Russland sind demnach auf Unterstützung angewiesen – österreichweit liegt dieser Durchschnitt bei 47 Prozent. Zum Vergleich: Bei Wiener Haushalten ohne Zuwanderungsbezug kommen 86 Prozent ohne staatliche Hilfe aus, bundesweit sind es 93 Prozent. Als möglichen Ansatzpunkt nennt der Bericht die Streichung der Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte, nach der deren Arbeitslosigkeit gesunken sei.
Scharfe Kritik von ÖVP und FPÖ
Die aktuellen Zahlen sorgen bei der Wiener Opposition für deutliche Kritik an der rot-pinken Stadtregierung. Wiens ÖVP-Obmann Markus Figl wirft der Stadt vor, jahrelang „falsche Anreize“ gesetzt zu haben, und fordert eine Reform der Wiener Mindestsicherung samt „stärkeren Sanktionen bei mangelnder Arbeitsbereitschaft“. Noch deutlicher wird Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp: Er wirft Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vor, die Bundeshauptstadt mit „Milliarden an Mindestsicherung zum Sozialmagneten für Asylmigration“ gemacht zu haben. Laut Nepp habe die Stadt 2025 „fast eine Milliarde Euro für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte“ ausgegeben, weshalb die Mindestsicherung künftig ausschließlich an österreichische Staatsbürger ausbezahlt werden solle.
Die Sicht der Stadt
Auf städtischer Seite hatte Integrationsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) den gestiegenen Andrang zuletzt vor allem mit gezielten Investitionen in die Digitalisierung der Behörde begegnet. Seit 2021 werde diese kontinuierlich vorangetrieben, um Verfahren trotz steigender Antragszahlen zu beschleunigen, wie sie in einer früheren Aussendung betonte.
Credits: Stadt Wien, Christian Jobst
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