Stellen Sie sich vor, Ihnen entgehen im Laufe Ihres Lebens weit über eine Million Euro. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist für viele Frauen in Österreich die nackte Realität. Trotz jahrelanger Diskussionen über Gleichberechtigung klafft beim Gehalt noch immer ein riesiger Abgrund zwischen den Geschlechtern. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Der Weg zur echten finanziellen Fairness ist noch extrem weit.
Der schockierende Millionen-Verlust
Es geht nicht nur um ein paar Euro weniger am Monatsende. Wie eine aktuelle Allianz-Studie mit dem Titel „Closing the Gender Income Gap“ zeigt, wird eine heute 26-jährige Frau in ihrem gesamten Berufsleben durchschnittlich rund 1,24 Millionen Euro weniger verdienen als ein gleichaltriger Mann. In diese gewaltige Summe rechnet Ludovic Subran, der Chefvolkswirt der Allianz, nicht nur das reine Gehalt ein, sondern auch entgangene Sparzinsen, Kapitalerträge und die daraus resultierenden geringeren Pensionsansprüche.
Das Ergebnis ist eine gefährliche Kettenreaktion. Wer weniger verdient, kann weniger sparen und investieren. Das führt am Ende des Lebens unweigerlich zu deutlich niedrigeren Pensionen und erhöht das Risiko für Altersarmut drastisch.
Österreich blamiert sich im internationalen Vergleich
Besonders bitter ist die Lage, wenn man über die Landesgrenzen hinausblickt. Während andere Länder das Problem aktiv lösen, dümpelt Österreich im internationalen Vergleich im Schlussfeld herum. Die Allianz-Studie analysiert 14 OECD-Länder, und Österreich landet dabei auf einem enttäuschenden 11. Platz. Schweden macht es vor: Dort könnten Frauen des Jahrgangs 2025 über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg sogar leicht mehr verdienen als Männer. Das absolute Schlusslicht bildet übrigens die Schweiz.
Auch aktuelle Daten aus Europa belegen den Rückstand. Wie Eurostat berichtet, lag der unbereinigte Gender Pay Gap in der Europäischen Union im Jahr 2024 im Schnitt bei 11,1 Prozent. In Österreich ist diese Lücke weitaus dramatischer. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gibt an, dass der Einkommensunterschied hierzulande bei stolzen 17,6 Prozent liegt. Österreich gehört damit zu den EU-Ländern mit dem größten Lohnunterschied.
Die Teilzeit-Falle als Hauptursache
Doch woran liegt diese extreme finanzielle Schieflage? Ein enormer Treiber für die Einkommensunterschiede ist die hohe Teilzeitquote. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 52 Prozent der Frauen zwischen 25 und 49 Jahren arbeiten in Österreich in Teilzeit. Bei den Männern im selben Alter sind es gerade einmal 11 Prozent.
Weniger Arbeitsstunden bedeuten logischerweise weniger Gehalt. Das Bundesministerium macht zudem deutlich, dass sich nur etwa ein Drittel dieses Lohnunterschieds durch klare Faktoren wie Branche, Alter oder Berufserfahrung erklären lässt. Stolze zwei Drittel der Gehaltslücke können statistisch nicht durch diese Merkmale begründet werden. Das bedeutet: Auch bei gleichen Voraussetzungen ziehen Frauen finanziell oft den Kürzeren.
Was jetzt passieren muss
Wenn alles in diesem Tempo weitergeht, wird die Lücke beim Einkommen selbst im Jahr 2100 noch immer bei 17 Prozent liegen. Um diesen Stillstand endlich zu beenden, fordert Katharina Utermöhl, Forschungsexpertin bei der Allianz, konkrete und harte Reformen.
Ein zentraler Punkt ist der massive Ausbau von bezahlbarer Kinderbetreuung. Nur wenn Kinder gut versorgt sind, haben Mütter überhaupt die Chance, in Vollzeit zu arbeiten. Ebenso wichtig ist der Abbau von steuerlichen Nachteilen für Zweitverdiener in einer Familie. Zudem müssen die Bedingungen für Vollzeitjobs attraktiver gestaltet werden. Auch eine bessere Finanzbildung und das frühzeitige Investieren am Kapitalmarkt werden als entscheidende Werkzeuge genannt, um langfristig Vermögen aufzubauen.
Es reicht längst nicht mehr aus, nur den Stundenlohn anzupassen. Die gesamten Rahmenbedingungen müssen endlich so verändert werden, dass Frauen ihr volles finanzielles Potenzial ausschöpfen können. Vom ersten Gehaltszettel bis zum wohlverdienten Ruhestand.
Quellen: oe24, Allianz-Studie Closing the Gender Income Gap, Eurostat, Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung
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