Der Zaun von Zvërnec: Wie ein Luxusresort Albanien in Flammen setzte

Der Zaun von Zvërnec: Wie ein Luxusresort Albanien in Flammen setzte

Fast 300 Verletzte, brennende Regierungsgebäude, eine Woche Straßenschlacht in Tirana: Albanien erlebt die schwersten Unruhen seit Jahren. Seit Monaten gehen die Menschen gegen die Regierung auf die Straße, seit Mitte Oktober eskaliert die Lage. Die Demonstranten sind jung, viele noch Schüler. Ihr Ziel ist der Sturz von Premierminister Edi Rama. Angefangen hat alles im Mai an einem Strand im Süden – mit einem Metallzaun und einem Namen, der weltweit Aufmerksamkeit garantiert: Jared Kushner.

Eine Woche Eskalation

Tirana kommt nicht zur Ruhe. Am Montag lieferten sich Demonstranten den siebten Tag in Folge gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Bereitschaftspolizei, seit sich Schüler und Studenten der Protestbewegung angeschlossen haben. Laut offiziellen Angaben wurden schon vor den Ausschreitungen am Montag 295 Menschen verletzt, 186 davon Polizisten, wie die BBC berichtet. Fensterscheiben gingen zu Bruch, Regierungsgebäude und eine Polizeistation wurden angegriffen. Die Polizei setzte laut AFP und AP Gummigeschosse ein, Demonstranten warfen Steine, Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die Beamten nahe Ramas Amtssitz. Längst brodelt es auch in anderen Städten.

“Dunkle Kräfte in Europa und den USA”

Rama denkt nicht an Rücktritt. Vor Polizeichefs hielt er einen Stein in die Höhe, der am Sonntag auf Beamte geworfen worden war, und sagte laut BBC: “Sobald der Staat mit so etwas verhandelt, ist der Staat gefallen.” Die jungen Demonstranten seien “von dunklen Kräften in Europa und den USA radikalisiert” worden, Albanien sei “Ziel eines gut koordinierten Angriffs”. Zuvor hatte er bereits Russland und den Iran beschuldigt. Rama, seit 13 Jahren an der Macht, beruft sich auf sein Mandat: Er habe versprochen, Albanien bis 2030 in die EU zu führen, und nur er könne das liefern. Seinen geplanten Besuch bei Bundeskanzler Christian Stocker in Wien sagte er am Wochenende kurzfristig ab. Die US-Botschaft in Tirana rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

Ein Zaun um einen Strand

Die Wut der Studenten richtet sich gegen schlechte Bedingungen an den Universitäten, hohe Gebühren, Arbeitslosigkeit und Korruption. Ihren Anfang nahm die Bewegung aber in Zvërnec bei Vlora, an der Lagune von Narta. Das Gebiet ist Lebensraum für Flamingos und andere Zugvögel, auf den Sanddünen nisten Meeresschildkröten. Schon 2021 stufte die Regierung den Schutzstatus herab und verkleinerte die geschützte Fläche um mehr als 5.000 Hektar. Im März 2024, kurz nach einer umstrittenen Änderung des Schutzgebietsgesetzes, kündigte Kushner Investitionen auf der Insel Sazan und in Zvërnec an. Ende April 2026 rückten die Bagger an. Wenige Tage später sperrte ein Metallzaun mehr als eine Million Quadratmeter ab, darunter einen Strand, an dem Generationen von Dorfbewohnern aufgewachsen sind, wie das Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) berichtet. Nach Zusammenstößen mit privatem Sicherheitspersonal am 30. Mai wurde aus dem Dorfprotest eine landesweite Bewegung.

Den ganzen Sommer über, rund 140 Abende in Folge, demonstrierten Menschen in Tirana mit rosa Flamingos und forderten Ramas Rücktritt, wie Yahoo News berichtet. Unabhängig davon hatte die Opposition um Ex-Premier Sali Berisha bereits im Jänner und Februar zu teils gewaltsamen Protesten gegen Korruption in der Regierung aufgerufen.

Damit ist klar: Die sieben Tage sind die aktuelle Eskalation, nicht die Dauer der Proteste. Soll ich dir den kompletten Artikel noch einmal mit allen Korrekturen ausgeben?

Von Amsterdam nach Doha

Wem das Projekt gehört, war lange ein Rätsel. Die im August 2024 gegründete Projektgesellschaft Zvërnec South Adriatic Development gehörte über eine Kette von Briefkastenfirmen, die das Amsterdamer Trust-Büro Dutch Trust Management verwaltete. Eine dieser Gesellschaften gehört fünf Albanern, deren Namen nicht öffentlich sind – keiner von ihnen hält mehr als 25 Prozent, ab dieser Schwelle müssten wirtschaftliche Eigentümer offengelegt werden. Laut albanischem Firmenregister wurden die Anteile am 7. Mai 2026 an die Sazan Development Holding mit Sitz in Doha übertragen, die zur katarischen Unternehmerfamilie Al-Khayyat gehört, wie das Portal Citizens.al berichtet.

Grundstücke mit Vorgeschichte

BIRN hat die Grundstücke hinter dem Projekt untersucht. Unter den Vertragspartnern finden sich demnach ein Geschäftsmann, dem Verbindungen zur italienischen Mafia vorgeworfen werden, ein früherer Richter, der im albanischen Vetting-Verfahren zurücktrat, und Personen aus dem Umfeld des Oligarchen Shefqet Kastrati. Im Zentrum steht der in den USA lebende Geschäftsmann Artur Shehu. Er ist nicht angeklagt, sein Name tauchte aber in einer RAI-Dokumentation über frühere Ermittlungen gegen die Mafiaorganisation Sacra Corona Unita auf. Sein früherer Anwalt Pëllumb Petritaj wurde erstinstanzlich wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung verurteilt, durch die die Familie Shehu ausgedehnte Küstengrundstücke erhalten haben soll. Beide bestreiten die Vorwürfe. Laut Reuters wurde zudem der Mann, der Land für das Projekt verkaufte, wegen Drogenhandels gesucht; sein Anwalt weist das zurück. Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft SPAK bestätigt Ermittlungen zur Änderung des Schutzstatus und zu den Grundstücken.

Kushner: “Private Transaktion”

Kushner weist jede Bevorzugung zurück. Das Land sei nach albanischem Recht in einer privaten Transaktion um 230 Millionen Euro erworben worden, das Projekt könne bei vollständiger Umsetzung rund vier Milliarden Euro erreichen. Auf die Gelegenheit habe ihn ursprünglich die Familie Kastrati aufmerksam gemacht. Seine Rolle bleibt dennoch unscharf: Sein Fonds Affinity Partners erklärt, nicht an der Entwicklung beteiligt zu sein, Kushner selbst bezeichnete sich im Oktober als Minderheitspartner. Reuters fand keine Belege für ein Fehlverhalten Kushners, der an den Grundstücksstreitigkeiten der Dorfbewohner nicht direkt beteiligt ist. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Symbol mit Folgen für Europa

Der Zaun von Zvërnec ist für viele junge Albaner zum Symbol geworden – für ein Land, in dem Küste, Konzessionen und Grundstücke an wenige gehen, während ihre Generation auswandert. Für Rama, der in Brüssel als Reformer gilt, wird die Affäre zur Belastung. Und sie berührt auch Europa: Die Anonymität der Eigentümer wurde über eine Struktur in einem EU-Mitgliedsland hergestellt. Die 25-Prozent-Schwelle für die Offenlegung wirtschaftlicher Eigentümer gilt in der gesamten EU, auch in Österreich.

Credits: Bild mit KI erzeugt

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