Der Konflikt zwischen Budapest und Kiew eskaliert. Im Mittelpunkt: eine beschädigte Ölpipeline, eine umstrittene Delegation und ein Vorwurf, der es in sich hat.
Eine Pipeline namens „Freundschaft“ – und gar nichts davon
Seit dem 27. Jänner ist der Öltransport über die „Druschba“-Pipeline unterbrochen. Die Leitung war nach ukrainischen Angaben bei einem russischen Drohnenangriff auf das Ölzentrum Brody in der Westukraine beschädigt worden. Salzburger Nachrichten Seitdem fließt kein russisches Öl mehr nach Ungarn – und der Ton zwischen Budapest und Kiew wird von Woche zu Woche rauer.
Kiew erklärte, wie das österreichische Nachrichtenportal news.at berichtet, die Schäden seien so gravierend, dass eine Wiederinbetriebnahme frühestens in anderthalb Monaten möglich sei. Budapest zweifelt genau das an – und schickte kurzerhand eine Delegation in die Ukraine, um sich selbst ein Bild zu machen.
Selenskyj sagt, er weiß von nichts – Szijjártó schlägt zurück
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte öffentlich, von einem solchen Besuch keine Kenntnis zu haben. Das ließ Ungarns Außenminister Péter Szijjártó nicht auf sich sitzen. „Der ukrainische Präsident lügt“, schrieb Szijjártó auf Facebook – die ukrainische Seite sei bereits per offizieller diplomatischer Notiz über den geplanten Besuch informiert worden. ORF
Kiew konterte prompt. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn erklärte gegenüber dem ukrainischen Portal „Ukrajinska Prawda“, offizielle Besuche seien eine Vereinbarung zwischen Staaten – und keine „hingeworfene Notiz“. Salzburger Nachrichten
Auch der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, legte nach: Die Gruppe habe „keinen offiziellen Status“ und es seien keine offiziellen Treffen geplant – die Bezeichnung „Delegation“ sei daher schlicht falsch. WEB.DE
Orbán blockiert Milliardenkredite – Selenskyj droht
Der Pipeline-Streit ist längst mehr als ein technischer Disput. Orbán hat ein EU-Hilfspaket von 90 Milliarden Euro für die Ukraine blockiert, solange die Druschba-Pipeline nicht fließt – und sperrt sich auch gegen neue EU-Sanktionen gegen Russland. WEB.DE
Selenskyj schlug zurück und drohte Orbán gar mit dem Entsenden ukrainischer Soldaten nach Ungarn – ein verbaler Ausrutscher, der die Lage weiter anheizte. Selenskyj erklärte, er brauche einen „Plan B“ für die blockierten EU-Mittel – Orbán stehe auf der Seite Putins und blockiere alles, was die Ukraine betreffe: Geld, Waffen und den Weg in die EU. taz.de
Wahlkampf als Treibstoff
In Ungarn finden am 12. April Parlamentswahlen statt. Erstmals seit Jahren sehen Experten die Möglichkeit, dass Orbán und seine Partei Fidesz diese verlieren könnten – als Hoffnungsträger gilt der Oppositionspolitiker Péter Magyar von der Tisza-Partei. WEB.DE
Wie die Süddeutsche Zeitung analysiert, kommt Orbán der Pipeline-Streit politisch gelegen: Auf Wahlplakaten konstruiert Fidesz die Ukraine und Selenskyj gezielt als Feindbild – mit Slogans wie „Wir zahlen nicht!“ zu den EU-Ukrainehilfen. Joyn
Fest steht: Die Ölversorgung Ungarns und der Slowakei ist laut EU-Kommission trotz der beschädigten Pipeline derzeit nicht gefährdet. WEB.DE Der Streit hat also weniger mit echter Versorgungsnot zu tun – als mit Innenpolitik, Wahlkampftaktik und dem großen geopolitischen Schachbrett, auf dem Budapest und Kiew gerade ihre Züge machen.
Quellen:
- ORF.at: Kiew und Budapest streiten weiter um „Druschba“-Pipeline (12. März 2026)
- news.at / vol.at / sn.at: Kiew und Budapest streiten über Besuch der Pipeline-Prüfer (12. März 2026)
- taz.de: Konflikt zwischen Ungarn und der Ukraine (12. März 2026)
- web.de / Joyn Newstime: Zwischen Kiew und Budapest fliegen die Fetzen (12. März 2026)
- Ukrajinska Prawda (Primärquelle, zit. nach mehreren Medien)
- Szijjártós Facebook-Statement (Primärquelle, zit. nach ORF, taz, news.at)
Credits: APA
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