Nächste Eskalation in Österreichs großem Medienskandal: Der Kurier und seine Ex-Autorin Elisabeth Sereda behaupteten, dass das Fake-Interview aus bereits getätigten Sätzen von Clint Eastwood „zusammengebastelt“ worden ist. Das dürfte aber auch nicht stimmen, meint nun der bekannte Plagiatsjäger Stefan Weber.
Weltweit wurde und wird über den Medien-Skandal in Österreichs alter Print-Branche berichtet: Dass eine Reporterin des Kurier ein Interview mit Clint Eastwood fälscht, ist ja auch eine Ungeheuerlichkeit, ein Betrug am Leser – exxtra24 hat berichtet.
Die Chefredaktion des Kurier versuchte dann, die ganze Affäre zu verharmlosen: Es seien „nur“ bereits vorhandene Aussagen des Hollywood-Stars zusammengesetzt und als neues Interview veröffentlicht worden. Es sei also alles nicht so dramatisch: Das Interview sei ja nicht komplett erlogen.
Diese Ausrede-Konstruktion bringt nun aber vermutlich Dozent Dr. Stefan Weber, der bekannte Salzburger Plagiatsjäger, zum Einsturz. Er schreibt dazu aktuell auf X: „Ständig wird behauptet, das inkriminierte Clint Eastwood-Interview sei ein „BEST-OF“ von vergangenen Zitaten von Herrn Eastwood. Nun, wenn dem so wäre, so müsste doch die Plagiatssoftware Turnitin die Zitate schon in älteren Quellen irgendwo finden, oder nicht? Wenn die Zitate auf bis zu 18 Round Tables vor vielen Journalisten gefallen sind, müssten sie doch schon früher zitiert worden sein.“
Das Statement von Stefan Weber ist logisch, nachvollziehbar: Wenn schon das ohnehin schon gesagte Sätze Eastwoods waren, die im Kurier-„Interview“ verwendet worden sind, dann müssen diese ja auch irgendwo zu finden sein.
Verwendete „Zitate“ weltweit nicht im Web zu finden …
Der Plagiatsjäger weiter: „Hier das Ergebnis von Turnitin: Ein Screenshot das Interview auf Deutsch: Keine Funde bis auf aktuelle Zitate aus dem Sereda-„Interview“. Rechter Screenshot das „Interview“ auf Englisch übersetzt: Alle Zitate aus aktuellen Berichten, die den „Kurier“ zitieren. Kein einziger älterer Fund vor Juni 2025. Mit Turnitin lässt sich auch schön zeigen, wie die englischsprachigen Zitate weltweit zirkuliert sind. Stimmt die Version mit dem „Best-of“-der Zitate also? Zitate, die niemals irgendwo vorher abgedruckt wurden, auch nicht auf Englisch?“
Die Meinung des Kommunikationswissenschaftlers dazu: „Meiner Erfahrung nach ist das … ähem … extrem ungewöhnlich. Und das schreibt jemand, der seit zehn Jahren fast jeden Tag Turnitin-Protokolle liest …“
Die Chferedaktion des Kurier und die Mehrheitseigentümer des Blatts sollten sich nun überlegen, ob sie bei der aktuellen Version eines Erklärungsversuches bleibt – es könnte nämlich wissenschaftlich bewiesen werden, dass die Ausrede für das Veröffentlichen des Fake-Interviews auch nicht stimmen könnte.

Credits: APA, Screenshot
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