“Der Grund ist der Krieg”: Vance stellt die Weichen für die Zeit nach Trump

“Der Grund ist der Krieg”: Vance stellt die Weichen für die Zeit nach Trump

Wenn ein Vizepräsident die Politik seines eigenen Präsidenten für eine Wahlniederlage verantwortlich macht, ist das bemerkenswert. JD Vance hat genau das getan – und Donald Trump stimmt ihm offenbar zu. Nach dem Verlust beider Kongresskammern beginnt in der Republikanischen Partei die Richtungsdebatte, und Vance positioniert sich mitten darin.

Die Analyse auf X

In einem ausführlichen Beitrag auf der Plattform X schrieb Vance am Mittwoch: “Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg.” Darüber berichtete die US-Zeitung “Politico”, wie die Weltwoche schreibt. Gemeint ist der Krieg gegen den Iran. Die Niederlage führt Vance nicht darauf zurück, dass zu wenige republikanische Wähler zur Urne gegangen seien. Vielmehr hätten viele Amerikaner, die 2024 noch Trump gewählt hatten, diesmal für die Demokraten gestimmt.

Vier Bedingungen der Abtrünnigen

Als Beleg verweist Vance auf die Befragung eines Meinungsforschers. Frühere Trump-Wähler hätten darin vier Bedingungen für eine Rückkehr zu den Republikanern genannt: ein Ende des Iran-Kriegs, niedrigere Lebenshaltungskosten, eine konsequente “America first”-Politik und ein verändertes Verhältnis zu Israel. Wer die Umfrage durchgeführt hat, nennt Vance laut den Berichten nicht.

Trump stimmt zu – und verteidigt den Krieg

Bemerkenswert ist Trumps Reaktion. Der Präsident billigte die Analyse seines Vize und räumte laut “Politico” ein, der Krieg habe die Benzinpreise erhöht und zum Wahlergebnis beigetragen. Seine Entscheidung verteidigte er aber: Er würde sie wieder so treffen. Auch weitere Angriffe auf den Iran schloss er nicht aus. Unterstützung erhielt Vance zudem von Trumps Sohn Donald Trump Jr., der dessen Analyse auf X weiterverbreitete und ihr vorbehaltlos zustimmte.

Ein Kritiker von Beginn an

Ganz überraschend kommt Vances Position nicht. Er hatte den Krieg laut Weltwoche zunächst kritisch beurteilt, später aber selbst an den erfolglosen Friedensverhandlungen mitgewirkt. Mit seiner Analyse nimmt er nun eine Linie wieder auf, die viele Anhänger der “America first”-Bewegung teilen: Skepsis gegenüber militärischen Einsätzen im Ausland.

Keine Amnestie

In einem Punkt zieht Vance allerdings eine klare Grenze. Stimmen in der Partei, die nach der Niederlage eine Lockerung der Einwanderungspolitik fordern könnten, erteilte er eine Absage. Änderungen bei der Durchsetzung der Gesetze seien denkbar, eine Amnestie für Menschen ohne gültige Papiere lehne er jedoch ab. Damit signalisiert er: Die harte Linie bei der Migration, ein Kernthema der Trump-Wähler, soll bleiben.

Der Blick auf 2028

Für Vance geht es um mehr als die Analyse einer Wahl. Er gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat für 2028. Ex-Parlamentspräsident Newt Gingrich hatte am Mittwoch allerdings erklärt, das Rennen um die Nachfolge Trumps sei nach der Niederlage “völlig offen”, und Außenminister Marco Rubio als Alternative ins Spiel gebracht. Vance muss nun einen schwierigen Weg finden: Die Partei von den Folgen des Iran-Kriegs lösen, ohne mit dem Präsidenten zu brechen. Die neuen Mehrheiten der Demokraten im Kongress beruhen auf Projektionen von US-Medien und gelten ab 3. Jänner.

Credits: https://www.flickr.com/people/126057486@N04 – https://www.flickr.com/photos/dhsgov/53989848647/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=153857353

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