Wer schnell einen Facharzttermin braucht, landet in Österreich immer öfter beim Wahlarzt – und bezahlt dafür oft deutlich mehr als beim Kassenarzt. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will das ändern. Ihr Vorstoß für Honorargrenzen löste prompt eine hitzige Debatte aus.
Schumanns Plan: Deckel und Transparenz
Im Interview mit der Kronen Zeitung und im Ö1-Frühjournal legte die Ministerin konkrete Ideen auf den Tisch. Wie orf.at berichtet, sprach sich Schumann für verbindliche Preisspannen und variable Honorardeckelungen nach deutschem Vorbild aus – wo Wahlärzte maximal das 2,5-Fache des Kassentarifs verlangen dürfen. ORF Als weiteren möglichen Schritt nannte sie die Veröffentlichung von Musterhonorarkatalogen durch die Ärztekammer, analog zur Praxis bei Rechtsanwälten.
Der Hintergrund ist nüchtern: Wie salzburg24.at berichtet, müssen Patienten beim Wahlarzt die gesamte Rechnung vorstrecken. Von der Krankenkasse bekommen sie dann 80 Prozent zurück – allerdings nicht vom tatsächlich bezahlten Betrag, sondern vom viel niedrigeren Kassentarif. Salzburg24.at Der Großteil der Kosten bleibt also beim Patienten hängen. Allein im Vorjahr wurden Honorare in Höhe von 766 Millionen Euro bei der Österreichischen Gesundheitskasse zur Rückerstattung eingereicht. ORF
Ärztekammer: „Populistische Symbolpolitik“
Die Reaktion der Standesvertretung ließ nicht lange auf sich warten. Wie exxpress.at berichtet, bezeichnete Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart die Idee einer staatlichen Preisdeckelung als „nichts weiter als populistische Symbolpolitik“ und verwies auf die eigentlichen Ursachen: Mangel an Kassenstellen, chronische Unterfinanzierung des öffentlichen Systems und ausufernde Bürokratisierung. exxpress.at
Auch regional regt sich Widerstand. Die Ärztekammer Vorarlberg warnt laut vol.at, eine Honorardeckelung würde das Gefüge weiter destabilisieren – Wahlärzte seien dort seit Langem systemrelevant und aus der flächendeckenden Versorgung nicht mehr wegzudenken. VOL.AT
FPÖ: „Kommunistischer Anschlag“
Noch schärfer formulierte es die FPÖ. Wie nachrichten.at berichtet, bezeichnete Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak Schumanns Pläne als „kommunistischen Anschlag“ auf die freie Arztwahl und forderte statt planwirtschaftlicher Eingriffe eine Stärkung des öffentlichen Gesundheitssystems. Nachrichten.at
ÖGK und Gewerkschaft stellen sich hinter Schumann
Rückendeckung erhält die Ministerin von der Österreichischen Gesundheitskasse. Wie meinbezirk.at berichtet, betonte ÖGK-Co-Obmann Andreas Huss, es gehe nicht darum, die Privatmedizin abzuschaffen, sondern „klare und faire Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Gesundheit kein Luxusgut wird.“ Meinbezirk Auch die Gewerkschaft GPA unterstützt die Initiative.
Innerhalb der Koalition ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Eine Einigung auf ein konkretes Modell steht laut übereinstimmenden Medienberichten noch aus.
Quellen: exxpress.at, orf.at, salzburg24.at, nachrichten.at, meinbezirk.at, vol.at
Credits: APA
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