„Das ist nicht unser Krieg“ — Meinl-Reisinger warnt vor dem europäischen Preis des Iran-Konflikts

„Das ist nicht unser Krieg“ — Meinl-Reisinger warnt vor dem europäischen Preis des Iran-Konflikts

Der Iran-Krieg ist seit dem 28. Februar Realität — und Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger zieht daraus klare Schlüsse. In Interviews mit der Tageszeitung Die Presse und den Oberösterreichischen Nachrichten zeichnet sie ein düsteres Bild: Europa werde den Preis für diesen Krieg zahlen — in Form von Energiekosten und, im schlimmsten Szenario, einer neuen Migrationswelle.

Migrationswelle als Worst-Case-Szenario

Meinl-Reisinger spricht es offen an: „Im Fall einer kompletten Destabilisierung des Irans — bei einem Szenario, das Richtung Bürgerkrieg geht — droht wieder eine Migrationswelle. Das alles sage ich ohne einen Funken Sympathie für das iranische Regime.“ Wie exxpress.at und vienna.at berichten, warnt die Außenministerin davor, dass Europa einmal mehr die Zeche eines Konflikts zahlt, den es nicht selbst ausgelöst hat. Bereits jetzt spüre man die Folgen in Form explodierender Energiepreise — bei einer vollständigen Destabilisierung der Region könnte Migration als zweiter Schockwellen folgen.

Eine Wiederholung von 2015 schließt sie dennoch aus. Wie meinbezirk.at auf Basis einer Pressekonferenz berichtet, betont Meinl-Reisinger, dass man mit dem EU-Asylpakt, der Mitte Juni in Kraft tritt, nun über ein schärferes Migrationsmanagement verfüge. Derzeit sei im Iran vor allem Binnenmigration zu beobachten. Wie belastbar dieses neue Regelwerk im Ernstfall tatsächlich ist, lässt sie offen.

Regimewechsel? „Naives Wunschdenken“

Die zentrale außenpolitische Botschaft ist unmissverständlich. Wie Puls 24, vol.at und oe24.at übereinstimmend auf Basis des Presse-Interviews berichten, hält Meinl-Reisinger einen Regimewechsel im Iran „von außen mit militärischen Mitteln“ für „naives Wunschdenken.“ Die Worte sind deutlich: „Das ist nicht unser Krieg.“ Europa dürfe sich nicht in den Konflikt hineinziehen lassen — auch wenn eine freie Straße von Hormuz im massiven Interesse des Kontinents liege. Eine militärische Beteiligung Österreichs komme daher aktuell nicht in Frage.

Wie das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) auf seiner offiziellen Website bestätigt, drängte Meinl-Reisinger bereits beim EU-Außenministerrat am 16. März in Brüssel auf rasche Deeskalation und eine Rückkehr zur Diplomatie. Österreich stehe als Verhandlungsort jederzeit zur Verfügung.

Putin als stiller Profiteur

Eine besonders pointierte Analyse liefert die Außenministerin zur Rolle Russlands. Wie vienna.at und sn.at aus dem Presse-Interview zitieren, erklärt Meinl-Reisinger: „Wladimir Putin sitzt wahrscheinlich gerade im Kreml und isst Popcorn.“ Die Sanktionen hätten zuletzt massiv gewirkt — doch die steigenden Energiepreise infolge der Hormuz-Blockade bescherten Russland nun wieder Einnahmen wie schon lange nicht. Das bedeute: Putin kann den Krieg gegen die Ukraine länger weiterfinanzieren, als es ohne die Nahost-Eskalation möglich gewesen wäre. Ein indirekter Zusammenhang, der in der öffentlichen Debatte kaum thematisiert wird.

Dialog mit Russland nicht ausschließen

Gleichzeitig spricht sich Meinl-Reisinger im OÖN-Interview für neue diplomatische Initiativen im Ukraine-Krieg aus. Es gebe nur einen einzigen Akteur, der diesen Krieg beenden könne, so die Außenministerin — und das sei Russland. Beim Erwartungsmanagement müsse man realistisch sein: Bisher zeige Putin keine echte Gesprächsbereitschaft. Den Dialog aber komplett auszuschließen hält sie für falsch.


Quellen:

  • exxpress.at: Neue Krise? Meinl-Reisinger warnt: „Dann droht wieder eine Migrationswelle“ (23.03.2026)
  • Die Presse: Interview mit Beate Meinl-Reisinger (19./20.03.2026)
  • Oberösterreichische Nachrichten (OÖN): Interview mit Beate Meinl-Reisinger (März 2026)
  • vienna.at: Meinl-Reisinger: Iran-Regimewechsel „naives Wunschdenken“ (19.03.2026)
  • puls24.at: Meinl-Reisinger: „Regimewechsel von außen naives Wunschdenken“ (19.03.2026)
  • sn.at / vol.at / oe24.at: Übereinstimmende Berichterstattung auf Basis des Presse-Interviews (19.03.2026)
  • meinbezirk.at: „2015 wiederholt sich nicht“: Meinl-Reisinger kontert FPÖ-Warnung vor Iran-Fluchtwelle (6.03.2026)
  • BMEIA (bmeia.gv.at): Meinl-Reisinger drängt beim Rat für Auswärtige Angelegenheiten auf Rückkehr zur Diplomatie (16.03.2026)

Credits: APA

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