Wie kam der verurteilte Sexualstraftäter und Multimillionär Jeffrey Epstein an einen österreichischen Reisepass? Diese Frage wirft bis heute tiefe Schatten auf. Obwohl brisante Details ans Licht kommen, hüllen sich die heimischen Behörden in Schweigen.
Ein falscher Name und Stempel aus aller Welt
Bei einer Razzia im New Yorker Stadtpalais von Jeffrey Epstein im Jahr 2019 machte die US-Bundespolizei FBI einen brisanten Fund. Die Ermittler entdeckten einen abgelaufenen österreichischen Reisepass mit einem Foto von Epstein. Das Dokument war auf den Namen Marius Robert Fortelni ausgestellt. Als Wohnort gab der Pass die saudische Hafenstadt Dammam an.
Epsteins Anwälte behaupteten damals, ein Freund habe ihm das Dokument besorgt. Es sollte ihn bei Reisen in den Nahen Osten vor Entführungen schützen. Doch der Pass lag offenbar nicht nur in der Schublade. Er wies Ein- und Ausreisestempel aus Frankreich, Großbritannien und Saudi-Arabien auf. Ob diese Stempel echt oder ebenfalls gefälscht sind, bleibt bisher unklar.
Heimlicher Blitzbesuch in Wien
Der falsche Pass ist nicht die einzige Verbindung des Multimillionärs nach Österreich. Kurz vor seiner Verhaftung reiste Epstein heimlich nach Wien. Am 22. März 2019 landete sein Privatjet in der Hauptstadt. Begleitet wurde er von drei Frauen. Die Gruppe besuchte ein bekanntes Kaffeehaus in der Innenstadt. Nach nur fünf Stunden verließ der Jet den österreichischen Boden wieder.
Besonders pikant: Epstein fragte im Vorfeld den Rechtsaußen-Strategen und Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Bannon, ob er ihn in Wien treffen wolle.
Österreichische Behörden stellen sich taub
Trotz dieser erdrückenden Details gibt es in Österreich aktuell keine Ermittlungen in der Causa. Das geht aus parlamentarischen Anfragen hervor. Die grüne Justizsprecherin Alma Zadic wollte von den zuständigen Ministern wissen, was die Regierung unternimmt. Die Antworten fielen ernüchternd aus.
Die Justizministerin stellte fest, dass ein polizeiliches Verfahren eingestellt wurde, da Epstein nicht mehr lebt. Innenminister Gerhard Karner berief sich auf den Persönlichkeitsschutz und gab an, dass keine verwaltungsrechtlichen Ermittlungen laufen. Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ließ die zentralen Fragen unbeantwortet.
Alma Zadic zeigt sich empört. Die Öffentlichkeit hat das Recht zu wissen, wofür Epstein den Pass genutzt hat. Doch während andere Länder die Netzwerke des Straftäters genau durchleuchten, scheint man in Österreich die Akte lieber geschlossen zu halten.
Quellen: oe24, Der Spiegel, Bild, Parlament
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