Klarer Sieger? Fehlanzeige. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Dänemark am Dienstag ist Ministerpräsidentin Mette Frederiksen zwar erneut als stärkste Kraft durchs Ziel gegangen — doch die erhoffte klare Mehrheit blieb aus. Was folgt, sind komplizierte Koalitionsverhandlungen in einem politisch zersplitterten Land.
Historisch schlechtes Ergebnis für die Sozialdemokraten
Die Sozialdemokraten holten laut dem offiziellen Ergebnis 21,8 Prozent der Stimmen — ihr schlechtestes Ergebnis seit 1903, wie die Nachrichtenagentur Ritzau berichtet. Damit verloren sie gegenüber der Wahl 2022, bei der sie noch 27,5 Prozent erreicht hatten, erheblich an Boden. Ihr linkes Bündnis kam insgesamt auf 84 Sitze im 179 Sitze umfassenden Folketing und verfehlte damit die für eine Mehrheit nötigen 90 Mandate deutlich, wie oe24.at unter Berufung auf das offizielle Ergebnis meldet.
Frederiksen ließ sich davon nach außen hin wenig anmerken. Sie erklärte vor jubelnden Anhängern, sie sei bereit, erneut die Verantwortung als Regierungschefin zu übernehmen — räumte aber ein, wie t-online.de berichtet, dass „wenig darauf hindeutet, dass die Regierungsbildung einfach werden wird.“
Warum Frederiksen überhaupt Neuwahlen ausrief
Den Anstoß zu den vorgezogenen Wahlen gab ausgerechnet Donald Trump. Wie ZDF heute berichtet, rief Frederiksen am 26. Februar 2026 die Neuwahl aus — in der Hoffnung, von einem Beliebtheitsschub zu profitieren, den ihr die entschlossene Ablehnung von Trumps Grönland-Ambitionen eingebracht hatte. Der US-Präsident hatte wiederholt gefordert, das dänische Autonomiegebiet unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Frederiksens klare Haltung dagegen machte sie zeitweise zur beliebtesten Regierungschefin seit Jahren.
Doch wie SRF berichtet, wurden viele Dänen im Laufe des Wahlkampfs der internationalen Fokussierung überdrüssig und warfen Frederiksen vor, innenpolitische Probleme zu vernachlässigen. Themen wie eine geplante Vermögensteuer, Umweltschutz, hohe Nitratwerte in Gewässern durch intensive Landwirtschaft und der Sozialstaat rückten in den Vordergrund.
Der Zünglein-an-der-Waage-Effekt: Rasmussens Moderaterne
Das rechte Bündnis kam laut dem offiziellen Ergebnis auf 77 Sitze — ebenfalls weit von einer Mehrheit entfernt. Zur entscheidenden Kraft avancierte damit die Mitte-Partei Moderaterne von Außenminister Lars Løkke Rasmussen mit 14 Sitzen, wie oe24.at berichtet. Rasmussen erklärte, er wolle eine Koalition sehen, die über die traditionellen Blockgrenzen hinwegreiche: „Wir dürfen nicht gespalten sein — wir müssen zusammenarbeiten.“ Die rechtsliberale Venstre schloss jedoch aus, erneut mit den Sozialdemokraten zu regieren.
Dänische Volkspartei verdreifacht ihr Ergebnis
Bemerkenswert: Die rechtsgerichtete und einwanderungskritische Dänische Volkspartei legte massiv zu und erreichte 9,1 Prozent — mehr als dreimal so viel wie bei der Wahl 2022. Parteichef Morten Messerschmidt sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „bemerkenswerten Ausdruck der Unterstützung des dänischen Volkes.“
Die Grünen verbesserten sich ebenfalls und wurden zur zweitstärksten linksgerichteten Partei, wie oe24.at berichtet. Parteichefin Pia Olsen Dyhr erklärte, das Ergebnis zeige, dass die Dänen ihrer Partei ein Mandat erteilt hätten — machte aber Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung: „Wenn wir den Sozialstaat und die grüne Transformation nicht priorisieren können, gehen wir nicht in die Regierung.“
Grönland könnte noch entscheidend werden
Ein offener Faktor bleibt: Die vier Sitze der Autonomiegebiete Färöer-Inseln und Grönland. Auf den Färöern ging je ein Sitz an jedes Lager. Die Grönland-Stimmen waren bei Redaktionsschluss noch nicht vollständig ausgezählt. Bei den hauchdünnen Mehrheitsverhältnissen könnten ausgerechnet die Stimmen jenes Gebiets den Ausschlag geben, das den Wahlkampf überhaupt erst ausgelöst hat.
Quellen:
- oe24.at: Links-Bündnis verpasst Mehrheit in Dänemark
- t-online.de: Wahl in Dänemark: Siegreiche Sozialdemokraten verfehlen Mehrheit
- SRF: Wahlen in Dänemark – Sozialdemokraten bleiben trotz Verlusten stärkste Kraft
- Euronews: Dänemark nach der Wahl: Frederiksen vorn, stabile Mehrheit bleibt aus
- ZDF heute: Dänemark-Wahl: Sozialdemokratin Frederiksen hofft auf Rückenwind
- Wikipedia: Folketingswahl 2026
- AFP/Ritzau (zitiert über t-online.de und oe24.at)
Credits: APA
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