Cyber-Angriff auf Medium: Vermutlich tausende Nius-Daten abgesaugt

Cyber-Angriff auf Medium: Vermutlich tausende Nius-Daten abgesaugt

Web-Angreifer haben am Samstag die Nachrichtenseite Nius des früheren „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt gehackt, die Startseite verunstaltet und eine Datei mit sensiblen Kundendaten ins Netz gestellt. Betroffen sein könnten bis zu 5 700 Abonnentinnen und Abonnenten.

Vom „Defacement“ zum Datenabfluss

Gegen 10 Uhr ersetzten am Samstag die Eindringlinge sämtliche Überschriften der Seite durch einen einzigen Link. Über die verlinkte Datei, abgelegt auf einer externen Domain, konnten Besucher eine 5 MB große JSON‑Datei herunterladen. Darin: Vor‑ und Nachnamen, E‑Mail‑Adressen sowie teilweise gekürzte Kreditkarten‑ und Kontodetails. Auch der jeweils gebuchte Abo‑Typ findet sich in dem Datensatz. Ob die Informationen authentisch sind, prüfen derzeit externe Sicherheitsexperten; ein Plausibilitäts‑Check deutet darauf hin, dass es sich um reale Datensätze handelt.

Einfallstor offenbar Swagger‑Schnittstelle

Aus forensischen Spuren geht hervor, dass die Angreifer eine offen zugängliche Swagger‑API missbrauchten, um auf das von Nius eingesetzte Squidex‑Content‑Management‑System zuzugreifen. Über unzureichend gesicherte Endpunkte verschafften sie sich Administratorrechte, spielten das Defacement ein und kopierten die Datenbank.

Schweigen aus der Redaktion

Die Redaktion von Nius stellte die Seite noch am selben Tag wieder her. Auf Anfragen zu Umfang, Authentizität der geleakten Daten und möglicher Meldung an Datenschutzbehörden reagierte das Portal bislang nicht. Auch auf den Social‑Media‑Kanälen findet sich kein Hinweis auf den Vorfall.

Experten warnen vor Phishing und Erpressung

Sollten sich die Daten als echt erweisen, müssen Betroffene mit Phishing‑Mails oder Erpressungsversuchen rechnen. Die Berliner IT‑Juristin Dr. Laura König rät, Bank‑ und Kreditkartenabrechnungen „in den nächsten Monaten besonders aufmerksam“ zu prüfen und verdächtige Kontakte sofort dem Kreditinstitut zu melden.

Seltene, aber folgenschwere Angriffe

Defacement‑Attacken galten lange als „Graffiti des Internets“, treten zuletzt jedoch seltener auf. „Statt bunter Startseiten sehen wir heute meist Erpressungstrojaner“, sagt Tim Rabe vom Cybersecurity‑Dienstleister Arktis Labs. Zuletzt traf es Ende 2024 das Non‑Profit‑Projekt archive.org; dort wurden Daten von 31 Millionen Nutzerkonten gestohlen.

Ob hinter dem Angriff auf das rechte Portal Nius politische Motive, finanzielles Interesse oder interne Mithilfe stecken, ist offen. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen Ausspähens von Daten und Computersabotage.

Credit: Screenshot Website

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