Historische Zeugenaussage vor dem US-Kongress: Ex-Präsident Bill Clinton schildert ein Gespräch mit Donald Trump über Jeffrey Epstein – und entlastet dabei seinen politischen Erzfeind. Die Videoaufnahmen sorgen für Aufsehen.
Premiere mit Sprengkraft
Es ist ein bislang einmaliger Vorgang in der amerikanischen Geschichte. Die Befragung Bills Clintons in der Heimatstadt der Clintons, Chappaqua im Bundesstaat New York, markierte das erste Mal, dass ein ehemaliger US-Präsident vor einem Kongressausschuss aussagen musste. PBS
Dazu kam es nicht freiwillig. Wie NPR berichtet, hatten sich die Clintons zunächst gegen die Vorladungen gewehrt – erst nachdem die republikanisch geführte House Oversight Committee mit einer Anklage wegen Missachtung des Kongresses drohte, stimmten beide einer mehrstündigen Befragung zu. NPR Nun veröffentlichte der Ausschuss die Videoaufnahmen beider Einvernahmen.
Das Gespräch auf dem Golfplatz
Der politisch brisanteste Moment der Aussage: Clinton schildert ein Gespräch mit Trump über Epstein, das rund 20 Jahre zurückliegt. Wie NBC News berichtet, sagte Clinton vor dem Ausschuss, das Gespräch habe auf Trumps Golfplatz stattgefunden, bei einem Charity-Turnier. Trump habe damals von sich aus erwähnt, er habe gewusst, dass Clinton in Epsteins Flugzeug mitgeflogen sei, und gesagt: „Wir hatten über die Jahre tolle Zeiten zusammen, aber wir haben uns wegen eines Immobiliendeals zerstritten.“ NBC News
Und dann der entscheidende Satz: „Die einzige Unterhaltung, die ich mit Präsident Trump über dieses Thema hatte, war Anfang der 2000er Jahre. Ich habe keine Informationen, dass er irgendetwas Falsches getan hat. Ich will, dass alles auf den Tisch kommt“, sagte Clinton unter Eid. ABC News
Clinton zu sich selbst: „Ich habe nichts falsch gemacht“
Zur eigenen Rolle gab sich Clinton klar. In seinem Eröffnungsstatement erklärte er: „Ich habe nichts gesehen und ich habe nichts falsch gemacht.“ Er betonte, dass er den Kontakt zu Epstein bereits lange vor dessen Verurteilung im Jahr 2008 beendet hatte. NPR
Auf Fotos aus den vom Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten angesprochen – darunter ein Bild, das Clinton mit einer unbekannten Frau in einem Pool zeigt – beteuerte er, bei keiner dieser Begegnungen in sexuelle Handlungen verwickelt gewesen zu sein. Clinton verneinte auch, von der Anwesenheit minderjähriger Mädchen auf einem Afrikatrip gewusst zu haben. CNN
Hillary Clinton sagte ihrerseits, sie habe Epstein nie gekannt. „Er war nicht auf meinem Radar. Er war jemand, zu dem ich keinerlei Verbindung hatte“, erklärte sie unter Eid. NPR
Politisches Gezänk inklusive
Ganz ohne Eklat verlief der Tag nicht. Hillary Clinton wurde sichtlich aufgebracht, als eine republikanische Abgeordnete ein Foto aus der laufenden Anhörung veröffentlichte – was gegen die Hausregeln verstößt. CNN Und als sie auf die Verschwörungstheorie „Pizzagate“ angesprochen wurde, reagierte sie mit deutlicher Verärgerung.
Die Demokraten nutzen die Aussagen ihrerseits als Hebel: Da Clinton nun vor dem Kongress ausgesagt hat, fordern sie, dass Trump dasselbe tue – und hören nicht auf zu betonen, dass auch der aktuelle Präsident eine dokumentierte Beziehung zu Epstein hatte. NPR Trump hat jegliches Fehlverhalten stets bestritten und ist von Strafverfolgungsbehörden nie angeklagt worden.
Hintergrund: Wer war Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Financier, der 2008 wegen der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution in Florida verurteilt wurde. 2019 wurde er erneut verhaftet und wegen umfangreichen Menschenhandels angeklagt. Er starb noch vor dem Prozess in seiner Gefängniszelle – offiziell durch Suizid, was bis heute Gegenstand von Spekulationen ist. Mehr als drei Millionen Seiten Dokumente aus dem Epstein-Komplex wurden nach der Unterzeichnung des Epstein Files Transparency Act durch Präsident Trump im November 2025 vom Justizministerium veröffentlicht. Newsweek
Quellen: oe24.at, CNN, NPR, NBC News, ABC News, Newsweek
Credits: Ali Shaker/VOA – Wikipedia
Neueste Kommentare