Drogen, Vandalismus und das Gefühl, alleingelassen zu werden: Im Matzleinsdorfer Hochhaus in Wien-Margareten, einst ein Vorzeigeprojekt des sozialen Wohnbaus, eskaliert die Situation. Anrainer schlagen Alarm und berichten von Zuständen, die ihnen das Leben zur Hölle machen. Die Angst ist mittlerweile ein ständiger Begleiter im Alltag der Bewohner.
Vom Vorzeigeprojekt zum Drogen-Hotspot
Was als Reportage über einen mutwillig herbeigeführten Stromausfall begann, legte schnell tiefere Wunden offen. Wie der exxpress berichtet, sind es nicht nur technische Gebrechen, die den Menschen zu schaffen machen. Das eigentliche Problem liegt viel tiefer: Das Hochhaus hat sich zu einem Treffpunkt für Drogensüchtige entwickelt. „Es sind Tag und Nacht die Giftler da. Spritzen, alles Mögliche“, zitiert der exxpress einen Bewohner. Eine andere Anrainerin, die anonym bleiben möchte, bestätigt die dramatische Lage: „Es gibt natürlich auch sehr viele Junkies, die einfach reinkommen, die sich Spritzen nehmen, die Spritzen liegen lassen, die koksen, kiffen.“
Die Spuren des Verfalls sind unübersehbar. Herumliegende Drogenspritzen im Stiegenhaus und sogar im Lift gehören ebenso zum traurigen Alltag wie beschmierte Wände und illegal entsorgter Sperrmüll. Eine Bewohnerin berichtet, dass sie sich nicht einmal mehr zu den Mistkübeln traue, weil dort Jugendliche sitzen, die Drogen konsumieren.
Vandalismus legt ganzes Haus lahm
Die Probleme gipfelten Anfang Jänner in einem Vorfall, der das Ausmaß der aktuellen Zustände in der Wohnanlage deutlich macht. Ein absichtlich herbeigeführter Stromausfall legte das 20-stöckige Gebäude für Stunden lahm. Wie meinbezirk.at schildert, wurden in einer Zählernische sämtliche Sicherungen entfernt und Vandalismus verübt. Für die Bewohner hatte das gravierende Folgen: Kein Licht, kein Warmwasser und vor allem keine funktionierenden Aufzüge – für ältere und gebrechliche Menschen eine Katastrophe. Ein Pensionist erzählte gegenüber meinbezirk.at, dass er deswegen einen wichtigen Arzttermin absagen musste. Obwohl die Polizei verständigt wurde, mussten die Ermittlungen laut dem Bericht eingestellt werden, da der Akt selbst keinen Strafbestand darstelle.
Wiener Wohnen unter Druck
Von der zuständigen Hausverwaltung Wiener Wohnen fühlen sich viele Bewohner im Stich gelassen. Auf Anfrage des exxpress teilte eine Sprecherin mit, dass man die Berichte „sehr ernst“ nehme. Es habe bereits eine Sicherheitsbegehung mit der Grätzlpolizei gegeben und die Ordnungsberater von Wiener Wohnen seien eingebunden. Aktuell werde an einem Verbesserungskonzept gearbeitet, um den Zutritt für hausfremde Personen zu erschweren.
Währenddessen wächst in der Politik die Kritik. Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp bezeichnete die Ordnungsberatung als „Placebo“ und sieht die Ursache für die „katastrophalen und chaotischen Zustände“ in einer verfehlten Zuwanderungspolitik, wie die Floridsdorfer Zeitung berichtet. Er fordert eine „Österreich-Hausordnung“ und die Vergabe von Gemeindewohnungen ausschließlich an Staatsbürger. Für die verängstigten Bewohner des Matzleinsdorfer Hochhauses sind das politische Debatten, die an ihrer täglichen Realität wenig ändern. Sie wollen nur eines: sich in ihrem Zuhause wieder sicher fühlen.
Quellen: exxpress.at, meinbezirk.at, dfz21.at
Credits: Wikipedia Stadt Wien – Wiener Wohnen
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