Der historische Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta war offenbar keine spontane Entwicklung. Wie sich nun herausstellt, wurde der Grenzübertritt in mehreren Facebook-Gruppen mit insgesamt über 230.000 Mitgliedern minutiös vorbereitet – bis Meta die Gruppen schließlich löschte.
Fünf Gruppen, mehr als 230.000 Mitglieder
Meta bestätigte die Schließung von fünf großen Facebook-Gruppen, in denen der Grenzübertritt nach Ceuta koordiniert worden sein soll, wie exxpress.at berichtet. Die Gruppen trugen Namen wie „Hraga Ceuta“ oder „Haraga_ceuta“ – der Begriff „Hraga“ stammt aus dem maghrebinischen Arabisch und bezeichnet wörtlich „die Verbrenner“, benannt nach der Praxis vieler Migranten, ihre Ausweispapiere zu vernichten, um eine spätere Abschiebung zu erschweren. Aufmerksamkeit erregten die Gruppen zunächst durch Recherchen auf der Plattform X, unter anderem durch die Nutzerin „DataRepublican“, die am 30. Juli auf die Aktivitäten der größten Gruppe mit mehr als 124.000 Mitgliedern hinwies, wie das Portal „The European Conservative“ dokumentiert.
Logistik in Echtzeit
Nach Angaben mehrerer internationaler Medien, darunter „The European Conservative“ und das französische Portal „Barlamane“, dienten die Gruppen als umfassende Planungszentren: Mitglieder tauschten dort Karten mit Seerouten nach Ceuta und Melilla aus, organisierten Reisegruppen und boten teils kostenpflichtige Führungsdienste an. Die spanische Zeitung „El Faro de Ceuta“ zitierte Nachrichten aus einer der Gruppen, in denen unter anderem Tauchausrüstung zum Kauf angeboten wurde. Zusätzlich kursierten in den Gruppen offenbar auch Videos, in denen die erfolgreiche Ankunft auf spanischem Boden gefeiert wurde. Damit verstießen die Gruppen klar gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook, die das Anbieten oder Vermitteln von Schleuserdiensten ausdrücklich untersagen.
Verdacht gegen Marokko
Die Aufdeckung der koordinierten Facebook-Aktivitäten nährt einen Verdacht, der bereits seit den ersten Tagen der Krise im Raum steht: dass staatliche Stellen die Hand im Spiel gehabt haben könnten. Die spanische Guardia Civil soll laut mehreren Medienberichten marokkanische Geheimdienstagenten unter den Migranten identifiziert haben. Auch der frühere Chef des spanischen Auslandsgeheimdienstes CNI, Jorge Dezcallar, äußerte sich angesichts der auf zahlreichen Videos dokumentierten Zurückhaltung der marokkanischen Sicherheitskräfte skeptisch und sprach von einer möglichen Duldung des Massenansturms, wie exxpress.at berichtet.
Auch eine russische Spur wird diskutiert
Parallel dazu rückt eine zweite mögliche Verbindung in den Fokus. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha machte Russland für eine gezielte Desinformationskampagne verantwortlich, die europäische Gesellschaften spalten und die EU destabilisieren solle. Auch der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Marc Henrichmann (CDU), hält eine russische Beteiligung für möglich. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärte er, ein Zusammenhang mit den ohnehin bestehenden Spannungen zwischen Spanien und Marokko sei naheliegend – eine russische Spur aber ebenso denkbar. Eine Beteiligung Moskaus sei „plausibel“, so Henrichmann, auch wenn der endgültige Beweis dafür bislang fehle.
Ein Fall mit offenen Fragen
Klar ist damit vorerst nur: Der Massenansturm auf Ceuta wurde in erheblichem Ausmaß über soziale Medien organisiert und vorbereitet. Ob dahinter tatsächlich eine gezielte staatliche Steuerung durch Marokko, eine russische Desinformationskampagne, beides oder keines von beidem steckt, ist bislang nicht abschließend geklärt und Gegenstand laufender Untersuchungen.
Credits: screenshot_x_nexta_tv.
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