Die EU verschärft erneut ihre Verpackungsvorschriften. Diesmal geraten Pflanztöpfe aus Plastik ins Visier. Was dahinter steckt und wie die Branche reagiert.
Neue EU-Verordnung betrifft Blumentöpfe
Sie sind leicht, billig und praktisch – und in Gartencentern kaum wegzudenken: Plastik-Pflanztöpfe. Genau diese Alltagsbehälter könnten künftig strengeren Regeln unterliegen, berichtet Exxpress. Der Grund: Eine neue EU-Verordnung könnte dafür sorgen, dass bestimmte Pflanztöpfe offiziell als Verpackung gelten – mit spürbaren Folgen für Händler und Produzenten.
Im Rahmen des „Europäischen Green Deal“ hat die EU ihr Verpackungsrecht überarbeitet, wie T-Online berichtet. Das Ziel: Müllmengen reduzieren und Mehrwegverpackungen fördern. Die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) soll ab August 2026 schrittweise greifen.
Gartenbau-Verband kritisiert EU-Auslegung
Wie T-Online weiter berichtet, liegt dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) ein noch nicht veröffentlichtes Dokument der EU-Kommission vor. Demnach sollen Blumentöpfe mit Pflanzen künftig als Verpackungen im Sinne der neuen EU-Verpackungsverordnung eingestuft werden – mit einer Ausnahme: Töpfe mit Pflanzen, die im Produktionszyklus in den Gärtnereien verbleiben.
Hans Joachim Brinkjans, stellvertretender Generalsekretär des ZVG, reagiert laut Exxpress scharf: „Die Auslegung der Kommission ist überraschend sehr weit gefasst und deckt sich nicht mit der Listung von Blumentöpfen im Anhang der EU-Verpackungsverordnung.“
Kein direktes Verbot geplant
Wichtig: Der ZVG stellt gegenüber T-Online klar, dass „die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) keinesfalls Blumentöpfe aus Kunststoff künftig verbieten will und wird.“ Vielmehr geht es um die Einstufung als Verpackung, was strengere Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Material nach sich ziehen könnte.
Dennoch: Die neue Regelung bedeutet Änderungen für die Branche. Betroffen sind vor allem die dünnwandigen, meist schwarzen oder grünen Einweg-Blumentöpfe, in denen Blumen, Kräuter und Jungpflanzen in Gartencentern, Baumärkten und Supermärkten verkauft werden, berichtet Journalistenwatch. Diese Töpfe landen nach dem Umtopfen häufig direkt im Restmüll – nur ein kleiner Teil wird recycelt, da sie oft verschmutzt sind oder aus schwer recycelbarem Material bestehen.
Alternativen noch in Erprobung
Für den Verkauf sind laut T-Online künftig etwa Töpfe aus „industriell kompostierbaren“ Materialien denkbar. Die Branche erprobt derzeit noch entsprechende Plastikalternativen. Auch ein Mehrwegsystem, wie es bereits von Restaurants und Imbissen genutzt wird, wäre eine Option.
Allerdings gibt es Hürden: Bioplastik existiert bereits, gilt jedoch als schlecht kompostierbar, berichtet Exxpress. Und Pappe? Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist das nur bedingt geeignet. Die DUH sagt laut Exxpress, Papplösungen seien „keine ökologische Alternative und zudem für den Transport feuchter Pflanzen denkbar ungeeignet“.
Teil einer größeren Strategie
Die Maßnahme reiht sich ein in eine Serie von EU-Verboten. Wie Nordbayern berichtet, müssen Unternehmen ab August 2026 unter anderem nachweisen, dass ihre Verpackungen frei von schädlichen PFAS-Chemikalien sind. Endgültig Schluss mit Einweg-Plastikverpackungen für Ketchup, Mayonnaise, Öl und andere Soßen in der Gastronomie ist dann ab 1. Januar 2030.
Auch Obst und Gemüse unter 1,5 Kilogramm darf ab 2030 nicht mehr in Plastik verpackt werden, berichtet Nordbayern weiter. Mit dem Verbot von Einweg-Plastik bei Verpackungen will die EU bis 2040 mindestens 15 Prozent an Verpackungsmüll einsparen – verglichen mit dem Basiswert aus dem Jahr 2018.
Kritik an EU-Überregulation
Kritiker bemängeln laut Journalistenwatch höhere Kosten (circa 20 bis 50 Prozent teurer) und befürchten, dass kleine Betriebe überfordert werden könnten. Die Maßnahme wird als weitere unnötige EU-Überregulation kritisiert.
Befürworter sehen hingegen einen wichtigen Schritt für weniger Plastikmüll – allein in Deutschland fallen jährlich zig Millionen solcher Töpfe an, berichtet Journalistenwatch.
Quellen:
- Exxpress: „EU-Regulierungswahn: Brüssel will Plastik-Blumentöpfe verbieten“
- T-Online: „Pflanztöpfe aus Kunststoff vorerst nicht verboten“ und „EU-Kunststoff-Verbot: Auch Pflanztöpfe sind betroffen“
- Journalistenwatch: „Sonst haben wir ja keine Probleme in Europa: EU verbietet Plastik-Blumentöpfe“
- Nordbayern: „Im Kampf gegen Einweg-Plastik-Verpackungen: EU beschließt massive Änderungen in Gastronomie und Hotels“
- Zentralverband Gartenbau (ZVG): Stellungnahme zur EU-Verpackungsverordnung
- Deutsche Umwelthilfe (DUH): Stellungnahme zu Verpackungsalternativen
Credits: APA
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