Bomben und Diplomatie: Trump signalisiert Gesprächsbereitschaft mit dem Iran

Bomben und Diplomatie: Trump signalisiert Gesprächsbereitschaft mit dem Iran

Mitten im laufenden Krieg sendet US-Präsident Donald Trump ein überraschendes Signal: Er will mit der neuen iranischen Führung sprechen. Doch die Unterhändler von gestern sind größtenteils tot – und wer morgen verhandelt, ist noch unklar.

„Sie wollen reden, und ich habe zugestimmt“

Die Aussage kam per Telefoninterview, knapp und ohne Umschweife. Wie das US-Magazin The Atlantic berichtet, erklärte Trump: „Sie wollen reden, und ich habe zugestimmt, also werde ich mit ihnen sprechen.“ Gleichzeitig ließ er kein Mitgefühl erkennen: „Sie hätten es früher tun sollen. Sie haben zu lange gewartet.“

Einen Termin oder einen konkreten Gesprächspartner nannte Trump nicht. Die Botschaft war dennoch klar: Washington ist bereit, nach dem militärischen Schlag die Tür zu Verhandlungen zumindest einen Spalt weit offen zu lassen.

Das Problem: Die alten Unterhändler sind tot

Der entscheidende Haken liegt in der Realität des Krieges. Wie t-online berichtet, räumte Trump selbst ein, dass ein Großteil der bisherigen iranischen Gesprächspartner nicht mehr am Leben sei. „Die meisten dieser Leute sind weg. Einige der Personen, mit denen wir zu tun hatten, sind nicht mehr da, denn das war ein großer Schlag“, sagte er.

Zuletzt hatten die USA unter Vermittlung Omans mit Irans Außenminister Abbas Araghtschi verhandelt. Wer nach dem Tod Chameneis und dem Wegfall großer Teile der Führungsriege nun als Verhandlungspartner in Frage kommt, ist nach Angaben von t-online bislang unklar.

Dreiköpfiger Führungsrat übernimmt vorübergehend

Im Iran selbst herrscht derweil politische Vakanz. Wie taz und 20 Minuten berichten, hat Präsident Massud Peseschkian mitgeteilt, dass ein dreiköpfiger Führungsrat übergangsweise die Aufgaben des Obersten Führers übernommen hat. Dem Gremium gehören neben Peseschkian der Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie der Wächterrat-Jurist Alireza Arafi an. Für die Wahl eines neuen Obersten Führers ist der sogenannte Expertenrat zuständig – ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen.

Gleichzeitig erklärte Peseschkian die Tötung Chameneis zur „Kriegserklärung an die Muslime“ und bezeichnete Vergeltung als „legitimes Recht und Pflicht“. Auch der Iran-Krieg läuft unvermindert weiter.

Widersprüche in Trumps Aussagen

Bemerkenswert: Trumps Signale widersprachen sich innerhalb weniger Stunden. Während er gegenüber The Atlantic Gesprächsbereitschaft bekräftigte, sagte er der britischen Daily Mail kurz darauf, er wisse nicht, ob Gespräche „bald“ möglich seien: „Sie wollen reden, aber ich habe gesagt, dass sie vergangene Woche hätten reden sollen, nicht diese Woche.“ Einem Kreise des Weißen Hauses zufolge – wie taz berichtet – soll der Militäreinsatz vorerst unvermindert weitergehen, auch wenn grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisiert werde.

Trump gegenüber Fox News gibt sich derweil siegessicher: „Niemand kann den Erfolg glauben, den wir haben – 48 Anführer sind auf einen Schlag weg.“


Quellen: The Atlantic, t-online, taz, 20 Minuten, Weltwoche, Reuters, dpa
Credits: APA

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