Orbán ist abgewählt, die Ära vorbei. Doch ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeigt: Trotz allem blieb Ungarn in internationalen Rankings überraschend weit oben.
Abgewählt – aber nicht abgeschrieben
Am 12. April 2026 war es so weit: Wie die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet, gewann Péter Magyar mit seiner konservativen Tisza-Partei die ungarischen Parlamentswahlen mit 53,1 Prozent der Stimmen und einer klaren Zweidrittelmehrheit. Viktor Orbán räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein. 16 Jahre Fidesz-Herrschaft, 16 Jahre „illiberale Demokratie“ – Geschichte. Doch was hinterlässt Orbán wirklich?
Die Zahlen, die niemand erwartet hat
Wie die Wiener Tageszeitung Die Presse unter Berufung auf internationale Indizes berichtet, rangierte Ungarn im Democracy-Index des Economist zuletzt auf Platz 55 – während die Ukraine auf Rang 92 lag. Auch im Freiheitsindex von Freedom House, beim Index für Wirtschaftsfreiheit des Fraser-Instituts sowie im Korruptionsranking von Transparency International schnitt Ungarn besser ab als das von westlichen Regierungen massiv unterstützte Nachbarland. Ein Befund, der so manchen politischen Kommentar der vergangenen Jahre in ein anderes Licht rückt.
Illiberal, aber funktional?
Wie die Österreichische Akademie der Wissenschaften in einer Analyse festhält, hat Orbán Ungarn systematisch umgebaut: Medien wurden gleichgeschaltet, die Justiz unter Kontrolle gebracht, demokratische Institutionen geschwächt. Das Europäische Parlament bezeichnete Ungarn bereits als „hybrides Regime einer Wahlautokratie“. Und dennoch: Wie die Friedrich-Naumann-Stiftung analysiert, verlor Orbán nicht, weil Ungarn plötzlich liberal geworden wäre, sondern weil viele Wähler zu dem Schluss kamen, sein Modell liefere nicht mehr Wohlstand, Fairness und funktionierende Institutionen.
Was jetzt kommt
Der Wahlsieg Magyars ist ein historischer Einschnitt – doch die eigentliche Arbeit beginnt erst. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung festhält, wurden viele Gesetze mit Zweidrittelmehrheit verabschiedet und können nur so wieder geändert werden. Schlüsselpositionen in Justiz und Verwaltung sind mit Orbán-treuen Personen besetzt. Die Friedrich-Naumann-Stiftung bringt es auf den Punkt: Der zentrale Test für das Ungarn nach Orbán wird nicht nur sein, ob es das alte System rückgängig machen kann – sondern ob es ein pluralistischeres aufbauen kann.
Credits: APA
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