Benkos Protzbau an der MaHü: Abriss bis auf den ersten Stock!

Benkos Protzbau an der MaHü: Abriss bis auf den ersten Stock!

Die Grünen im Bezirk sind auf der Palme: In einer umweltpolitischen Katastrophe wird jetzt der Rohbau des Shopping-Tempels von René Benko wieder abgerissen – nach Jahren des Baulärms und der Umweltverschmutzung neben dem bekannten Museumsquartier und den Top-Museen.

Kaum war das traditionsreiche Leiner-Haus auf der Mariahilfer Straße Geschichte, sollte an seiner Stelle mit dem Kaufhaus Lamarr ein Prestigeprojekt entstehen. Nun sorgt der Bau erneut für Schlagzeilen: Der bereits weit fortgeschrittene Rohbau soll bis auf das Erdgeschoß zurückgebaut – und anschließend neu errichtet werden. Für die Wiener Grünen ein Paradebeispiel verfehlter Stadtentwicklung.

„Was sich hier abspielt, ist ein Sinnbild systematischen Wahnsinns in der Wiener Baupolitik“, sagt Peter Kraus, Klubobmann und Parteivorsitzender der Wiener Grünen. Besonders stört ihn die drastische Ressourcenverschwendung: „Zuerst wird ein intaktes Gebäude abgerissen, dann entsteht ein Neubau, der nun ebenfalls abgetragen werden soll – das ist in Zeiten der Klimakrise schlicht unverantwortlich.“

Kritik an der Stadtregierung und Baupraxis

Kraus sieht einen deutlichen Widerspruch zu den eigenen Umweltzielen der rot-pinken Stadtregierung. „Diese Praxis des ständigen Abrisses konterkariert alle Vorgaben der Smart City Strategie und des aktuellen ‚WienPlans‘“, so Kraus. „Wir brauchen strengere Regelungen – der Abriss eines Gebäudes muss die Ausnahme bleiben, nicht die Regel.“

Aus ökologischer Sicht sei jeder Abriss eine Katastrophe, warnt Kraus. „Ein Neubau verschlingt riesige Mengen an Energie und verursacht tonnenweise CO₂. Dieses Vorgehen ist weder nachhaltig noch zukunftsfähig.“

Auch Bezirk reagiert

Auch Markus Reiter, der grüne Bezirksvorsteher von Neubau, äußert sich kritisch zum geplanten Rückbau. „Ein nachhaltiger Umgang mit bestehenden Strukturen sieht anders aus“, so Reiter. Gleichzeitig verweist er aber auch auf die positiven Aspekte des Projekts: Mit der Errichtung eines öffentlich zugänglichen Dachparks über dem neuen Gebäude entstehe „ein echter Mehrwert für den Bezirk und die ganze Stadt“.

Der geplante Dachpark soll eine Fläche einnehmen, die mit dem Siebensternpark vergleichbar ist, und künftig Bäume, Sitzgelegenheiten und eine grüne Ruhezone mitten in der Stadt bieten.

Das Lamarr-Projekt, benannt nach der österreichischen Hollywood-Ikone Hedy Lamarr, war von Beginn an umstritten. Schon der Abriss des Leiner-Gebäudes hatte Kritik ausgelöst – sowohl aus denkmalpflegerischer als auch aus ökologischer Sicht. Mit dem neuerlichen Rückbau und Wiederaufbau geraten Investoren und Stadtpolitik erneut unter Druck, Transparenz und Nachhaltigkeit unter Beweis zu stellen.

Das neue Projekt

Eine Tochterfirma der Stumpf Gruppe des Wiener Investors Georg Stumpf hatte das unfertige Kaufhaus Lamarr im Herbst 2024 aus der Insolvenz der Signa-Gruppe von Rene Benko gekauft. Mit der Fertigstellung des neuen Projektes rechnet der Eigentümer Ende 2027 oder Anfang 2028. Auf rund 12.000 Quadratmetern sollen im 1. Untergeschoss, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss Verkaufsflächen errichtet werden, darüber sollen auf 15.500 Quadratmetern 200 Wohnungen mit Freiflächen entstehen.

Auf dem Dach soll es auf 1000 Quadratmetern einen öffentlichen Park geben. Im hinteren Gebäudeteil soll ein 4-Stern-Superior Hotel mit 220 Zimmern einziehen. Die genehmigte Gebäudehülle soll bestehen bleiben, insgesamt soll das Volumen aber „massiv“ reduziert werden und stattdessen großzügige Innenhöfe errichtet werden, heißt es in der Aussendung.

Die Handelsflächen in den unteren Etagen sind notwendig, da das Objekt in einer Geschäftszone liegt. Auch an der öffentlich zugänglichen, begrünten Dachterrasse kann im Prinzip nicht gerüttelt werden. Vereinbart wurde dort ein Nutzungsrecht (Servitut), das vor allem dem Bezirk ein großes Anliegen war. Der Rohbau liegt im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau, die Mariahilfer Straße ist eine der wichtigsten Einkaufsmeilen der Stadt.

„Mit dem Um- und Neubau setzen wir einen Akzent für eine attraktive Nutzungsmischung in der Mariahilfer Straße, die sowohl für Bewohner, für Gäste als auch für Gewerbebetriebe anziehend ist“, sagte Stefan Zöser, Geschäftsführer der Stumpf Development GmbH.

Credit: APA

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