BBC unter Druck: Regierungsbeamte schrieben in der Nachrichtenredaktion mit

BBC unter Druck: Regierungsbeamte schrieben in der Nachrichtenredaktion mit

Die BBC gilt weltweit als Maßstab für unabhängigen öffentlich-rechtlichen Journalismus. Jetzt muss sie erklären, warum Beamte aus britischen Ministerien jahrelang in ihrer Nachrichtenredaktion mitgearbeitet haben – und das für das Publikum nicht erkennbar war. Nach Enthüllungen des “Telegraph” hat der Sender das Programm inzwischen gestoppt.

39 Beamte in acht Jahren

Wie der “Telegraph” berichtet, wurden seit 2018 insgesamt 39 Beamte für drei oder sechs Monate in die BBC-Nachrichtenredaktion entsandt, darunter Nachwuchskräfte aus dem sogenannten Fast Stream und Führungskräfte. Organisiert wurde das Programm vom staatlichen Statistikdienst (Government Statistical Service), die Teilnehmer kamen laut GB News unter anderem aus dem Innenministerium, dem Justizministerium, der Steuerbehörde HMRC und dem Sozialministerium. Ihre Gehälter zahlten weiterhin die Ministerien. Vier weitere Teilnehmer waren bereits für 2027 rekrutiert.

Kleine Boote, Corona, Starmer

Brisant sind die Themen. Die Beamten arbeiteten laut “Telegraph” an Beiträgen zu “hochrelevanten, sensiblen Themen” wie den Überfahrten von Migranten in kleinen Booten über den Ärmelkanal und der Corona-Pandemie. Zu den veröffentlichten Artikeln gehörten ein Faktencheck zu Aussagen von Premierminister Keir Starmer über die Rückzahlung von Studienkrediten, ein Text über den Rückgang der Gewaltkriminalität in England und Wales sowie eine Analyse zu den Auswirkungen von Covid auf die Lebenserwartung. Erschienen sind die Beiträge unter Autorenzeilen, die die Verfasser als Mitglieder von “BBC News” oder dem Faktencheck-Team “BBC Verify” auswiesen – ohne Hinweis auf ihre Tätigkeit im Staatsdienst.

“Durch die Hintertür”

In der britischen Politik sorgt das für Empörung. Der konservative Schattenminister Mike Wood warnte laut “Daily Mail”, die BBC dürfe nicht zulassen, dass eine politische Agenda “durch die Hintertür” in die Berichterstattung gelange. Danny Kruger von Reform UK sprach von einem schwerwiegenden Interessenkonflikt, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Auch der Oxford-Mediziner Carl Heneghan kritisierte, die Praxis untergrabe das Vertrauen.

BBC: Keine redaktionelle Kontrolle

Die BBC weist zurück, dass die Beamten Einfluss auf die Berichterstattung hatten. Alle redaktionellen Entscheidungen seien von BBC-Journalisten getroffen worden, erklärte ein Sprecher gegenüber dem “Telegraph”. Das Programm biete seit 2018 bis zu zwei Statistikern aus dem Staatsdienst die Möglichkeit, sechs Monate lang mit dem Statistik-Chef der BBC zu arbeiten. Der staatliche Statistikdienst nannte es eine wertvolle Weiterbildung. Die Autorenzeilen sollen nun angepasst werden, damit die tatsächlichen Funktionen erkennbar sind. Inzwischen geht der Sender noch weiter: Laut “Telegraph” hat die BBC das Programm ausgesetzt. Beamte, die sich gerade in der Redaktion befinden, sollen nicht mehr an Veröffentlichungen mitarbeiten, die Rekrutierung für das kommende Jahr ist bis zum Abschluss einer Prüfung gestoppt.

Nicht die erste Krise

Für die BBC kommt die Affäre zur Unzeit. Erst im November 2025 waren Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass eine Rede Donald Trumps in der Sendung “Panorama” irreführend zusammengeschnitten worden war. Die Frage nach der Unabhängigkeit des Senders stellt sich damit erneut – diesmal nicht wegen eines Schnitts, sondern wegen der Frage, wer überhaupt an den Texten mitgeschrieben hat.

Credits: Panhard – Own work, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6814671

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