Hofburg 2028: Hans Niessl tritt an – als Überparteilicher

Hofburg 2028: Hans Niessl tritt an – als Überparteilicher

Das Rennen um die Nachfolge von Alexander Van der Bellen hat seinen ersten prominenten Bewerber. Hans Niessl, 19 Jahre lang Landeshauptmann des Burgenlands und jahrzehntelang SPÖ-Urgestein, kandidiert bei der Bundespräsidentenwahl 2028. Nicht als Kandidat seiner Partei, sondern ausdrücklich als Überparteilicher.

“Ja, ich werde antreten”

Bestätigt hat Niessl seine Pläne am Freitagabend gegenüber der APA, nachdem der “Kurier” zuerst berichtet hatte. “Ja, ich werde antreten”, sagte der 75-Jährige laut “Standard”. Ein Unterstützungsverein ist bereits gegründet, über ihn sollen Spenden für die Kampagne gesammelt werden. Dem Verein gehört unter anderem der Unternehmer Andreas Binder an, weitere Mitglieder des Präsidiums sollen laut “Heute” kommende Woche bekannt gegeben werden. Die frühe Ankündigung begründet Niessl mit dem Aufwand: Parteikandidaten könnten auf bestehende Strukturen zurückgreifen, “wenn man überparteilich antritt, hat man das Ganze nicht”.

Rechts, Mitte, links

Seine politische Positionierung beschreibt Niessl laut “Heute” so: rechts in Sicherheitsfragen, in der Mitte bei wirtschaftlichen Themen, links in gesellschaftspolitischen Fragen – um breite Bevölkerungskreise anzusprechen. In den kommenden Monaten will er sich vor allem zu Wehrpflicht, Neutralität, Wirtschaft und Arbeitsplätzen zu Wort melden. Für eine Verlängerung der Wehrpflicht hatte er sich bereits im Frühjahr ausgesprochen. Seine Überparteilichkeit begründet er mit seiner Rolle als Präsident der Bundessportorganisation Sport Austria, wo er mit allen Parteien zusammengearbeitet habe.

Seit Februar im Gespräch

Ganz überraschend kommt die Kandidatur nicht. Bereits im Februar hatte Niessl in der “Kronen Zeitung” laut über ein Antreten nachgedacht und angedeutet, notfalls “auch ohne die links-linke Babler-SPÖ, als überparteilicher Kandidat” ins Rennen zu gehen, wie weekend.at berichtete. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Niessls Nachfolger im Amt, sicherte ihm damals Unterstützung zu, egal ob für die SPÖ oder überparteilich. SPÖ-Chef Andreas Babler reagierte zurückhaltend: “Wir haben geordnete Prozesse in der SPÖ und wir werden uns sicher zeitgerecht darüber unterhalten, wer 2028 antritt.”

6.000 Unterschriften “an einem Wochenende”

Um auf dem Stimmzettel zu stehen, braucht Niessl 6.000 Unterstützungserklärungen. Sorgen macht er sich darüber keine: Die Unterschriften könne er “an einem Wochenende” sammeln, zahlreiche Bürgermeister hätten Hilfe zugesagt, sagte er dem “Kurier”. Seine Partei stellt er vor die Wahl: Die SPÖ könne ihn unterstützen “oder einen eigenen Kandidaten aufstellen”. Eine Entscheidung dürfte dort so bald nicht fallen – die Partei ist mit dem Wechsel an ihrer Spitze beschäftigt, Babler gibt den Vorsitz Anfang 2027 ab.

Vom Bürgermeister zum Landeshauptmann

Niessl war von 1987 bis 2000 Bürgermeister von Frauenkirchen, Ende 2000 wurde er Landeshauptmann des Burgenlands, Anfang 2019 übergab er an Doskozil. Bei der Wahl 2028 wird ein neues Staatsoberhaupt gesucht, weil Van der Bellen nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Weitere Kandidaturen sind bisher nicht offiziell.

Teilen:
Show Comments (0) Hide Comments (0)
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ihre Meinung? Kommentieren Sie jetzt!x