Während das Land mit Wirtschaftskrise und Teuerung kämpft, inszeniert sich der Vizekanzler in seinem neuen Format als Opfer böser Medien – und redet minutenlang über seine Haare.
Es gibt Momente in der Politik, in denen man sich fragt: Ist das noch Realsatire oder schon Realitätsverlust? Andreas Bablers neueste Episode von „Kein Blabla mit Babler“ liefert die Antwort – und sie ist ernüchternd.
Da sitzt der Vizekanzler der Republik vor der Kamera und erklärt seinem Publikum ausführlich, wo er zum Friseur geht, wie oft er sich „mobile Friseure“ bestellt und wer das bezahlt. Die Antwort: Er selbst, null Euro Steuergeld. Gratulation. Genau das wollten 9 Millionen Österreicher in dieser Woche wissen.
Ein Format zur Selbstinszenierung
„Kein Blabla mit Babler“ – der Titel ist eine Verhöhnung. Denn was ist diese Friseur-Nummer, wenn nicht BlaBla in Reinform? Während Unternehmen reihenweise zusperren, während die Inflation Familien an den Rand ihrer Möglichkeiten treibt, während die Regierung bei den großen Fragen dieser Zeit keine Antworten liefert, inszeniert sich Babler als sympathischer Typ von nebenan, der „dasselbe tut wie viele von euch“ – nämlich in der Heimat zum Friseur gehen.
Wie rührend. Wie bürgernah. Wie komplett am Thema vorbei.
Dieses Format wurde nicht für die Bürger gegründet. Es wurde für Andreas Babler gegründet. Es ist eine wöchentliche Selbstinszenierungssendung, in der der Vizekanzler sich als Opfer medialer Verschwörungen darstellen kann, während er gleichzeitig genau jene Aufmerksamkeit für Nebensächlichkeiten schürt, die er angeblich kritisiert.
Die eigentliche Frechheit
Die eigentliche Frechheit liegt nicht darin, dass Babler zum Friseur geht oder dass die FPÖ parlamentarische Anfragen stellt. Die eigentliche Frechheit liegt darin, dass ein Vizekanzler in einer Zeit multipler Krisen glaubt, die begrenzte Aufmerksamkeit der Menschen mit Friseur-Geschichten füllen zu müssen.
Babler mokiert sich über „schwachsinnige Anfragen“ der Opposition. Aber ist es nicht mindestens ebenso schwachsinn, darauf mit einem mehrminütigen Video zu antworten? Ist es nicht absurd, ein Format namens „Kein Blabla“ mit genau dem zu befüllen, was der Titel zu vermeiden verspricht?
Was wirklich fehlt
Was in diesem Video fehlt, sind Antworten auf die Fragen, die Menschen wirklich umtreiben: Wie will diese Regierung die Wirtschaft wieder in Schwung bringen? Wie sollen Pensionisten mit der Teuerung klarkommen? Wie will die SPÖ ihre historischen Tiefststände in den Umfragen erklären – derzeit bei mageren 18 Prozent, gleichauf mit einer ÖVP im freien Fall?
Stattdessen: Friseur-Content. Persönlichkeitsmarketing. Opferinszenierung.
Nach dem SPÖ-Eins-Flop der nächste Versuch
Das Format selbst ist bereits der zweite Versuch, nachdem „SPÖ Eins“ – der parteiinterne YouTube-Kanal – spektakulär gefloppt ist. Der Kanal dümpelt bei knapp 4.000 Abonnenten. „Kein Blabla mit Babler“ wirkt wie der verzweifelte Versuch, diesmal auf Facebook erfolgreicher zu sein.
Aber ein neues Format löst das Grundproblem nicht: Dass einem Politiker offenbar die Bodenhaftung abhanden gekommen ist. Dass er glaubt, Selbstdarstellung sei ein Ersatz für politische Substanz. Dass er den Unterschied zwischen Bürgernähe und Banalität nicht mehr erkennt.
Die Message ist klar
Andreas Babler schließt sein Video mit den Worten: „Überprüft den Inhalt, lasst euch nicht alles reindrücken.“ Ein guter Rat. Überprüfen wir also den Inhalt dieses Formats: Es ist eine Plattform zur Selbstinszenierung eines Vizekanzlers, der lieber über seine Frisur redet als über die Zukunft des Landes.
Das ist kein Bürgerdialog. Das ist Nabelschau. Das ist – ja, es muss so deutlich gesagt werden – politisches BlaBla in seiner reinsten Form.
Während draußen die Realität tobt, sitzt Andreas Babler vor der Kamera und erzählt Friseur-Anekdoten. Vielleicht sollte man ihm bei der nächsten Episode einen Spiegel in die Hand geben. Nicht für die Frisur. Sondern damit er endlich erkennt, wofür er sein Amt wirklich nutzt.
Credits: APA
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