Beim 47. SPÖ-Bundesparteitag wird Vizekanzler Andreas Babler als Chef bestätigt. Doch der Vergleich mit anderen Parteikollegen spricht eine klare Sprache.
Wiederwahl ohne Gegner – und trotzdem kein Jubelergebnis
Am 7. März 2026 versammelte die SPÖ rund 600 Delegierte in der Messe Wien. Unter dem Motto „Ordnen statt Spalten“ stellte sich Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler seiner Wiederwahl. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht – das „einfache Parteimitglied“ Berthold Felber kam auf lediglich drei der 600 abgegebenen Stimmen. VOL.AT
Das Ergebnis: 81,51 Prozent der Delegiertenstimmen. SPÖ Babler selbst gab sich danach zufrieden – „über vier Fünftel Zustimmung, ein starkes Zeichen“, sagte er laut der offiziellen SPÖ-Aussendung. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.
Ein Rückschritt gegenüber 2023
Wer den Vergleich zum letzten Parteitag zieht, sieht das Ergebnis in anderem Licht. Beim außerordentlichen Parteitag 2023 in Graz hatte Babler noch 88,8 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten. Meinbezirk Der Rückgang um mehr als sieben Prozentpunkte – ohne Gegenkandidat – ist für SPÖ-Verhältnisse ungewöhnlich. Als historische Vergleichsgröße gilt das Ergebnis von Pamela Rendi-Wagner, die 2021 auf 75 Prozent kam – das bisher schwächste Parteitagsergebnis in der jüngeren SPÖ-Geschichte. KLiCK Kärnten
Der Kontrast: Parteifreunde mit fast 100 Prozent
Was das Ergebnis noch auffälliger macht, sind die Abstimmungen zu den übrigen Parteigremien. Wie vienna.at und ORF berichten, erzielte Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt 98,5 Prozent, der Tiroler Landesvorsitzende Philip Wohlgemuth 98,8 Prozent. VIENNA.AT
Besonders deutlich stach Finanzminister Markus Marterbauer hervor: Der 62-Jährige kandidierte erstmals für ein Parteigremium und erhielt beim Parteivorstand 99,66 Prozent – den besten Wert aller prominenten Parteimitglieder. exxpress
Babler war bei den Gremienwahlen der einzige Vertreter, der weit unter 90 Prozent blieb. Im Vorstand überwanden sämtliche anderen Kandidaten diese Marke, im Präsidium blieb einzig Kassier Christoph Matznetter mit 88,6 Prozent darunter. VOL.AT
Babler gesteht Fehler ein – und fordert Geschlossenheit
In seiner gut einstündigen Rede appellierte Babler an die Einheit der Partei. Er räumte ein, dass die SPÖ in Umfragen nicht dort sei, „wo wir gerne wären“, und dass dies nicht nur an der allgemeinen Regierungsmüdigkeit liege: „Es liegt auch an uns selbst.“ VOL.AT Auch er selbst habe Fehler gemacht: „Niemand, der führt, ist fehlerfrei.“
Inhaltlich bekannte er sich zur Vermögenssteuer und kündigte an, der FPÖ das Migrationsthema „wegnehmen“ zu wollen. Unterstützung erhielt er von Finanzminister Marterbauer, der laut vienna.at sagte: „Ein starker Parteivorsitzender stärkt mir den Rücken.“
Bestätigt, aber unter Druck
Babler bleibt Parteichef – das ist die formale Wahrheit dieses Parteitags. Die politische Wahrheit lautet: Trotz Wiederwahl wird deutlich, dass Babler innerhalb der Partei weiterhin unter Druck steht. Mehrere Redner appellierten an die Delegierten, interne Konflikte zu beenden. Weekend Die Zahlen sprechen für sich – und der Vergleich mit seinen Parteifreunden macht das Bild vollständig.
Quellen: SPÖ-Pressedienst (spoe.at), vienna.at, vol.at, weekend.at, ORF.at, meinbezirk.at, exxpress.at
Credits: APA
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