Babler stellt sich hinter Festspiel-Kuratorium: Hinterhäuser vor dem Aus?

Babler stellt sich hinter Festspiel-Kuratorium: Hinterhäuser vor dem Aus?

Der Machtkampf bei den Salzburger Festspielen spitzt sich zu. Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bezieht klar Stellung – und stärkt dem Kuratorium den Rücken.

Ein Streit, der die Kulturwelt aufwühlt

Was sich seit Wochen bei den Salzburger Festspielen abspielt, klingt wie ein Theaterstück – ist aber bitterer Ernst. Im Mittelpunkt: Intendant Markus Hinterhäuser, der seit Monaten unter massivem Druck steht. Auslöser des Streits war die Neubesetzung der Schauspielleitung. Hinterhäuser soll laut Medienberichten die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin ins Spiel gebracht haben – obwohl diese weder am Ausschreibungsverfahren noch am Hearing teilgenommen hatte. Das Kuratorium, das nach dem turbulenten Abgang der letzten Schauspielchefin Marina Davydova ausdrücklich Transparenz eingefordert hatte, war empört.

Wie ORF Salzburg berichtet, hielt das Kuratorium am 26. Februar eine entscheidende Sitzung ab – die nach fast fünf Stunden unterbrochen werden musste. Die Sitzung eskalierte laut APA-Informationen, weil Hinterhäuser das Kuratorium provoziert und sogar gefordert haben soll, dass sich Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) und Bürgermeister Bernhard Auinger für ihre öffentlichen Äußerungen entschuldigen.

Bablers klares Statement

Kulturminister Andreas Babler hat sich nun gegenüber der APA positioniert. Sein Ton ist diplomatisch, seine Botschaft aber eindeutig: Er stehe hinter dem Kuratorium. „Fairness und ein respektvoller Umgang sind für mich ein wichtiges Element im Kunst- und Kulturbetrieb. Das ist auch als Bedingung für die Vertragsverlängerung von Intendant Hinterhäuser formuliert. Das Kuratorium sieht das offenbar nicht als gegeben an“, sagte Babler. Er ergänzte: „Zuvorderst geht es um das Wohl der Festspiele, eine unserer herausragenden Kulturinstitutionen.“

Bemerkenswert: In dem Kuratorium sitzt auch Bablers eigene Sektionschefin Theresia Niedermüller – seine Rückendeckung ist also nicht nur politisches Signal, sondern hat auch institutionelles Gewicht.

Der Ball liegt bei Hinterhäuser

Das Kuratorium hat dem Intendanten laut Puls24 ein konkretes Angebot auf den Tisch gelegt: eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bis September 2027, verbunden mit der Möglichkeit, seine Favoritin Karin Bergmann als Schauspielchefin zu installieren. Eine Antwort wird bis zum 20. März erwartet – dann trifft sich das Kuratorium erneut zur Fortsetzung der unterbrochenen Sitzung.

Wie Salzburg24 berichtet, droht der Rechtsstreit nun sogar vor dem Arbeitsgericht zu landen. Für das Kuratorium ist die Situation laut eigenen Aussagen „fatal“ – nicht nur wegen des laufenden Planungsprozesses für den großen Umbau des Festspielbezirks, sondern auch wegen der Außenwirkung: Hier geht es nicht um Kunst, sondern um Macht und Umgangsformen.

Prominente Kulturschaffende halten dagegen

Nicht alle stehen auf der Seite des Kuratoriums. Wie oe24 zuvor berichtete, hatten sich namhafte Persönlichkeiten aus der Kulturszene in einem Memorandum hinter Hinterhäuser gestellt – darunter Literaturnobelpreisträger Elfriede Jelinek und Peter Handke, Hubert von Goisern und André Heller. Sie fordern das Kuratorium auf, sich aus künstlerischen Entscheidungen herauszuhalten.

Was jetzt kommt

Die Entscheidung fällt am 20. März. Bis dahin liegt der Ball, wie Edtstadler es formulierte, bei Hinterhäuser. Nimmt er das Angebot an, bleibt er – zumindest vorübergehend. Lehnt er ab, könnte es für beide Seiten auf ein Arbeitsgericht hinauslaufen. Die Salzburger Festspiele, eines der renommiertesten Kulturfestivals der Welt, stehen damit mitten in einem Führungsstreit, der alles andere als festlich ist.


Quellen: APA (via ORF Salzburg, Puls24, oe24), Salzburg24, Nachrichten.at, Stellungnahme Kulturministerium
Credits: APA

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