Der Iran-Krieg dominiert die Schlagzeilen. Österreichs Vizekanzler Andreas Babler meldet sich – mit einem Bluesky-Post. Mehr nicht. Eine Momentaufnahme eines Politikers, dessen Relevanz gefährlich schwindet.
Krieg im Nahen Osten – Babler postet auf Bluesky
Als US-amerikanische und israelische Streitkräfte am 28. Februar mit der „Operation Epic Fury“ den Iran angriffen, war Österreich im Krisenmodus. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) berief den Nationalen Sicherheitsrat ein, trat vor die Kameras, forderte Waffenruhe und Diplomatie – und schlug Österreich als Gastgeber für Verhandlungen über das iranische Atomprogramm vor, wie der ORF berichtete.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sagte: „Jetzt ist wirklich Zeit für Frieden und den Weg zu ebnen für Diplomatie.“
Und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ)? Er verurteilte laut ORF auf Bluesky „jede Form militärischer Gewalt, die zu weiteren Eskalationen in der Region führt.“ In der gemeinsamen Pressekonferenz schloss er sich Stocker an: „Das Wichtigste ist, dass jetzt die Waffen schweigen.“ Das war es. Kein eigenständiges Statement, keine außenpolitische Initiative, keine SPÖ-Linie, die über das Allgemeinste hinausgeht.
7 Prozent – eine Zahl, die alles sagt
Dass Babler in Krisen kaum auffällt, ist kein Zufall – es ist Symptom einer tiefer liegenden Krise. Wie oe24 auf Basis einer Lazarsfeld-Erhebung (23.–24. Februar 2026, 1.000 Befragte) berichtet, kommt Babler in der fiktiven Kanzlerdirektfrage auf magere 7 Prozent. Damit liegt er hinter Grünen-Chefin Leonore Gewessler – und wird sogar von NEOS-Außenministerin Meinl-Reisinger mit 8 Prozent überholt. Ein Vizekanzler, der in der Kanzlerfrage hinter Oppositionsführerinnen rangiert: Das ist in der österreichischen Nachkriegsgeschichte ohne Beispiel.
Die SPÖ selbst dümpelt laut Lazarsfeld-Umfrage bei 16 Prozent – historisches Allzeittief. Das sind mehr als fünf Prozentpunkte weniger als beim Nationalratswahlergebnis 2024. Im Herbst 2025 galten 18 Prozent bereits als desaströs. Jetzt ist man noch tiefer.
Der Parteitag am 7. März: Triumph oder Abrechnung?
Am 7. März stellt sich Babler beim 47. ordentlichen SPÖ-Bundesparteitag in der Messe Wien der Wiederwahl als Parteichef. Eine ernsthafte Gegenkandidatur gibt es nicht – Ex-Kanzler Christian Kern zog Mitte Februar zurück. Doch der fehlende Gegner schützt Babler nicht vor einem blamablen Ergebnis.
Wie das Politmagazin trend berichtet, arbeiten Funktionäre aus der Steiermark, dem Burgenland, Kärnten und Niederösterreich aktiv daran, das Ergebnis so niedrig wie möglich zu halten. Die intern gesetzte Messlatte: 75 Prozent – jener historisch schlechte Wert, den Pamela Rendi-Wagner 2021 unter Dauerbeschuss einfuhr. 2023 hatte Babler noch 89 Prozent geholt.
Kurswechsel kurz vor Schluss
Wenige Tage vor dem Parteitag präsentierte Babler plötzlich eine verschärfte Migrationslinie: Rückführungen, Deutschförderung ab dem ersten Tag, elektronische Fußfesseln für Gefährder – Motto des Parteitags: „Ordnen statt Spalten“. Das Interessante daran: In Bablers Aussendungen findet sich in den vergangenen zwölf Monate kein einziger inhaltlicher Treffer zum Thema Migration. Das Timing wirft Fragen auf: Überzeugung oder reiner Überlebenstrieb?
Vizekanzler im Warteraum der Geschichte
Während die Welt mit dem Iran-Krieg, dem Ukraine-Konflikt und dem Aufstieg Trumps vor tektonischen Verschiebungen steht, ringt Österreichs Vizekanzler um Parteitagsprozente. Babler ist formal Vizekanzler, Wohnminister, Kulturminister, Medienminister und Parteichef – und dennoch gelingt es ihm kaum, in einem dieser Bereiche öffentlich zu dominieren.
Das größte Problem: Nicht die Gegner schwächen ihn am stärksten. Es ist die schleichende Unsichtbarkeit.
Quellen: ORF, oe24/Lazarsfeld Gesellschaft (Umfragen Februar 2026), exxtra24.at, trend, profil, SPÖ-Bundesorganisation, Parlament Österreich (01.03.2026)
Credits: APA
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