Australien hat weltweit als erstes Land Social Media für unter 16-Jährige verboten. Zwei Monate später zeigt sich: Viele Teenager sind noch immer online – und lachen über das Gesetz.
Das Verbot in der Praxis
Seit dem 10. Dezember 2025 ist es offiziell: Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook und X dürfen Jugendlichen unter 16 Jahren in Australien keine eigenen Konten mehr erlauben. Bei Verstößen drohen den Betreibern laut WKO Österreich Bußgelder von bis zu 28 Millionen Euro. Premierminister Anthony Albanese präsentierte die ersten Ergebnisse optimistisch: 4,7 Millionen Konten von Minderjährigen seien gesperrt oder gelöscht worden, Kinder würden wieder mehr Fahrrad fahren, Bücher lesen und Zeit mit der Familie verbringen.
Der Alltag sieht anders aus.
Schminke, Geschwister und VPN
Wie die FAZ und das Deutsche Schulportal berichten, haben viele 13- bis 15-Jährige nie wirklich aufgehört. Die Methoden sind kreativ: Gesichtserkennung als Altersverifikation wird durch Tricks wie viel Schminke, künstliche Wimpern oder gerunzelte Stirn umgangen – oder Geschwister schauen einfach in die Kamera. Legal Tribune Online Viele Jugendliche hatten das Problem gar nicht erst: Sie mussten sich nicht mal mit einer Altersverifikation auseinandersetzen, weil sie ihr Geburtsdatum bereits bei der Anmeldung vor Jahren gefälscht hatten. Deutsches Schulportal
Für den Rest gibt es VPNs. Chris Bush, ein australischer Lehrer, berichtet gegenüber dem Deutschen Schulportal: „Ein paar Jungen haben mir erst heute ganz beiläufig gesagt: Wir haben uns einfach ein Virtual Private Network geholt.“ Sein Fazit nach Befragung der eigenen Schüler: „Die Social-Media-Gewohnheiten haben sich größtenteils nicht verändert.“
Eine Mutter aus New South Wales bringt es auf den Punkt: „Alle ihre Freunde haben es geschafft, sich als Sechzehnjährige auszugeben oder ein neues Konto zu eröffnen. Keiner von ihnen ist tatsächlich 16 Jahre alt.“
Neue Probleme entstehen
Neben der Umgehung des Verbots tauchen unerwartete Nebenwirkungen auf, wie die Weltwoche berichtet. Wo Konten tatsächlich gesperrt wurden, verlieren Eltern den Überblick: Ohne personalisierte Filter rufen Kinder Inhalte nun auf anderen Wegen ab, die Eltern kaum kennen. Denise Klinge von der Universität Frankfurt warnt: Nutzungspraktiken würden sich in Räume verlagern, die Eltern und Schulen noch weniger begleiten können.
Zusätzlich entstehen soziale Ungleichheiten, wenn einzelne Jugendliche aus dem Klassenchat ausgesperrt werden, während ihre Mitschüler weiter online sind.
Langfristig sinnvoll – kurzfristig wirkungslos?
Lehrer Chris Bush gibt dem Verbot trotzdem eine Chance – aber mit einem langen Zeithorizont: Für Kinder, die heute neun oder zehn Jahre alt sind, werde Social Media keinen automatischen Einstieg mit 13 bedeuten. Bei den heutigen Teenagern erwartet er keine großen Veränderungen mehr.
Das Verbot hat eine globale Debatte ausgelöst. Frankreich hat in der Nationalversammlung bereits für ein Nutzungsverbot für unter 15-Jährige gestimmt, Spanien plant ebenfalls einen Gesetzentwurf für 2026. Mares Media Auch in Deutschland diskutieren CDU und SPD intensiv über ähnliche Regelungen – das australische Experiment gilt als Blaupause. Wie wirksam diese Blaupause wirklich ist, zeigt sich allerdings gerade in Schulhöfen von Sydney bis Melbourne.
Quellen: Weltwoche (22.02.2026), FAZ, Deutsches Schulportal (Februar 2026), WKO Österreich, LTO.de (16.02.2026), maresmedia.se
Credits: APA
Neueste Kommentare