Außenministerium postet Tanz-Video – während Österreicher in Dubai feststecken

Außenministerium postet Tanz-Video – während Österreicher in Dubai feststecken

Während tausende Reisende wegen des Nahost-Konflikts an den Drehkreuzen Dubai und Abu Dhabi festsitzen, greift das österreichische Außenministerium einen Social-Media-Trend auf und inszeniert sich selbst als strahlender Beschützer. Die Reaktion im Netz: Shitstorm.


Trend nachgespielt – zur falschen Zeit

Der Hintergrund des viralen Formats: Dubai-Influencer feierten zu Beginn des Nahost-Kriegs Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum als „Beschützer“ seines Volkes. Das Format wurde rasch kopiert, oft mit humorvollen Zwischentönen. Das österreichische Außenministerium hielt das für eine gute Idee – und postete auf Instagram einen eigenen Clip im selben Stil. Darin wird gefragt: „Hast du keine Angst? Du bist ja Österreicher im Ausland.“ Die Antwort: „Nein, denn ich weiß wer uns beschützt“ – dazu Aufnahmen von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und ihrem Team.

Wie exxpress.at berichtet, liefen zu diesem Zeitpunkt noch Evakuierungsaktionen für gestrandete Österreicher – und nicht alle waren bereits in Sicherheit.

Kritik von allen Seiten

In den Kommentaren unter dem Posting entlud sich rasch Unmut. „Ausreichend Evakuierungsflüge für Instavideos gemacht – Aufgabe erfüllt“, schrieb eine Nutzerin. Ein weiterer Kommentar: „Ist das euer Ernst? Ich schäme mich!“ Auch die Songwahl des Videos sorgte für Kopfschütteln: Verwendet wurde „Papaoutai“ des belgischen Künstlers Stromae – ein Song, der laut exxpress.at von Stromaes persönlicher Auseinandersetzung mit dem Verlust seines Vaters handelt, der 1994 beim Völkermord in Ruanda ums Leben kam.

Gestrandete Österreicher berichten von Absagen

Gleichzeitig, so dokumentiert exxpress.at, erhielten noch in den Emiraten festsitzende Österreicher E-Mails des Außenministeriums, in denen es lapidar hieß: Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine weiteren Evakuierungsflüge geplant. Man möge sich direkt an Fluglinien oder Reiseveranstalter wenden.

Bereits zuvor hatte der österreichische Unternehmer Thomas Treml, der tagelang in Dubai festsaß, auf LinkedIn scharf reagiert. Wie exxpress.at und exxtra24.at berichten, schrieb Treml unter einen Post der Ministerin: Er könne ihrer positiven Darstellung aus eigener Erfahrung in keinster Weise zustimmen. Während Tschechien, Slowenien und andere EU-Länder ihre Bürger rasch direkt ausgeflogen hätten, sei das Hotel, in dem rund 100 gestrandete EU-Bürger untergebracht waren, von anderen Regierungen leergeräumt worden – nicht von Österreich.

Was die Evakuierung tatsächlich leistete

Ganz ohne Ergebnis blieb das Außenministerium nicht. Wie das Bundeskanzleramt und das BMEIA selbst auf bmeia.gv.at dokumentieren, wurden insgesamt mehr als 1.300 Ausreisen mit Bussen und Charterflugzeugen unterstützt, vier Rückholflüge organisiert und über 800 Personen aus dem Oman, Saudi-Arabien und den Emiraten zurückgeholt. Austrian Airlines führte im Auftrag des Ministeriums am 5. März 2026 zwei Evakuierungsflüge ab Maskat und Riad durch, wie Austrian Wings berichtet.

Wie exxpress.at weiter berichtet, verteidigte Meinl-Reisinger in der ZiB2 die Rückholaktion: Man habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die Organisation sei angesichts gesperrter Lufträume schwierig gewesen. Problematisch sei unter anderem gewesen, dass bei einem gecharterten Bus mit 200 Sitzplätzen rund 160 angemeldete Personen schlicht nicht erschienen seien. Die FPÖ bezeichnete den Empfang der ersten Heimkehrer durch die Ministerin am Flughafen als „inszenierte Airshow“ und kündigte eine parlamentarische Anfrage an.

Timing als eigentliches Problem

Das Video selbst ist letztlich ein Kommunikationsfehler – einer, der symptomatisch für das schwierige Gleichgewicht zwischen moderner Außendarstellung und ernst zu nehmender Krisenkommunikation ist. Wer in einer akuten Notlage auf Selbstbeweihräucherung setzt, riskiert genau das Gegenteil von dem, was er erreichen will: nicht Vertrauen, sondern Vertrauensverlust.


Quellen:

  • exxpress.at: „Schäme mich“ – Außenministerium erntet Shitstorm für Social-Media-Video (12.3.2026)
  • exxpress.at: Heftige Kritik – in Dubai gestrandeter Österreicher wütet gegen Meinl-Reisinger
  • exxpress.at: „Inszenierte Airshow“ – Meinl-Reisinger erklärt Rückholaktion nach FPÖ-Kritik (11.3.2026)
  • exxtra24.at: Feuerpause-Forderung und Shitstorm – Meinl-Reisinger unter Beschuss
  • BMEIA / bmeia.gv.at: Aktualisiertes Sicherheitsupdate Naher Osten (10.3.2026)
  • Austrian Wings: AUA führt zwei Evakuierungsflüge durch (5.3.2026)
  • weekend.at: Raketenangriffe und Evakuierung – mehr Flüge aus Nahost (9.3.2026)

Credits: APA

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