Am Montag brachte ihn die Rettung ins Spital, am Dienstagmorgen war sein Bett leer: Ein 13-Jähriger, der in der Wiener “Auszeit-WG” für strafunmündige Kinder untergebracht war, ist aus der Klinik Donaustadt verschwunden. Die Polizei sucht nach ihm, die ÖVP fordert Aufklärung von der zuständigen NEOS-Stadträtin.
“Am Morgen war er dann nicht mehr da”
Eine Sprecherin der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) bestätigte der APA einen Bericht der “Kronen Zeitung”, wie exxpress berichtet. Der Bub wurde demnach am Montag von der Rettung in die Klinik Donaustadt gebracht, stationär aufgenommen und behandelt. “Am Morgen war er dann nicht mehr da”, sagte MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann. Welche gesundheitlichen Probleme er hatte, wollte sie mit Verweis auf seine Persönlichkeitsrechte nicht sagen. Wie er unbemerkt das Spital verlassen konnte, wird derzeit erhoben. “Es gibt eine Abgängigkeitsanzeige”, bestätigte Markus Dittrich von der Landespolizeidirektion Wien.
Mehrere Raubüberfälle vorgemerkt
Laut “Krone” war der 13-Jährige wegen mehrerer Raubüberfälle vorgemerkt. Strafrechtlich verantworten musste er sich dafür nicht: In Österreich sind Kinder unter 14 Jahren strafunmündig. Gerichte können sie nicht verurteilen, zuständig ist in solchen Fällen die Kinder- und Jugendhilfe. Für Kinder, die wiederholt straffällig werden, hat Wien deshalb die sogenannte “Auszeit-WG” eingerichtet, eine betreute Wohngemeinschaft, die sie aus ihrem bisherigen Umfeld herausholen soll.
ÖVP: “Eine Panne nach der anderen”
Die Wiener ÖVP nimmt den Fall zum Anlass für scharfe Kritik. “Bei einem derart sensiblen Projekt darf es nicht zu einer Panne nach der anderen kommen”, erklärte Familiensprecherin Sabine Keri in einer Aussendung. “NEOS-Stadträtin Bettina Emmerling muss endlich ihr Ressort in den Griff bekommen.” Sie fordert eine “lückenlose Aufklärung” und Konsequenzen. Welche früheren Vorfälle sie mit “einer Panne nach der anderen” meint, geht aus der Aussendung laut exxpress nicht hervor. Eine Stellungnahme Emmerlings lag zunächst nicht vor.
Debatte um die Strafmündigkeit
Der Fall dürfte eine bekannte Debatte neu befeuern. Die ÖVP fordert seit Längerem, die Grenze der Strafmündigkeit zu senken, damit auch Kinder unter 14 bei schweren oder wiederholten Delikten strafrechtlich belangt werden können. Kritiker halten dagegen, dass Gefängnis bei Kindern selten hilft, und setzen auf intensive sozialpädagogische Betreuung, wie sie die “Auszeit-WG” bieten soll. Dass ein Kind aus dieser Betreuung verschwinden kann, wirft allerdings Fragen auf, wie eng sie in der Praxis tatsächlich ist.
Credits: FotoGablitz
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