Es herrscht dicke Luft im Bildungsministerium! Was als Reform geplant war, entwickelt sich für Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) zunehmend zum Desaster. Die gesamte sechsköpfige Expertengruppe, die den neuen Latein-Lehrplan ausarbeiten sollte, hat ihre Arbeit niedergelegt. Der Grund: Unüberbrückbare Differenzen und ein Zeitplan, der laut den Fachleuten schlichtweg unrealistisch ist.
Experten werfen das Handtuch
Die Fronten sind verhärtet. Wie oe24 berichtet, begründet die Gruppe ihren drastischen Schritt mit „grundlegenden Auffassungsunterschieden“ gegenüber dem Ministerium. Bis Ende April hätten sie einen fertigen Plan vorlegen sollen, wie der Lateinunterricht in der Oberstufe künftig aussehen soll. Doch diesen Druck wollten sich die Experten nicht länger gefallen lassen. Sie kritisieren, dass die Qualität unter dem enormen Zeitdruck leiden würde. Qualitätssicherung und notwendige Evaluierungen seien in der kurzen Zeit schlicht nicht machbar – Standards, die das Ministerium ursprünglich selbst eingefordert hatte.
Latein wird radikal gekürzt
Der Kern des Streits ist die geplante „Bildungswende“. Wiederkehr will Platz für Neues schaffen: Informatik soll ausgeweitet, das Thema Künstliche Intelligenz (KI) massiv gepusht werden. Zudem soll das neue Fach „Medien und Demokratie“ in die Klassenzimmer einziehen. Doch der Preis dafür ist hoch. Das Traditionsfach Latein soll Federn lassen – von zwölf auf nur noch acht Wochenstunden in der Oberstufe.
Für die Experten ist das ein Spiel mit dem Feuer. Sie warnen davor, dass Latein seinen Status als zentrales Bildungsfach verlieren könnte.
Kritik an „Oberflächlichkeit“ statt Logik
Auch inhaltlich hagelt es Kritik an den Plänen des Ministers. Das neue Fach „Medien und Demokratie“ wirft Fragen auf. Wer bestimmt, was dort als „Wahrheit“ gelehrt wird? Kritische Stimmen sehen sogar die Gefahr einer politischen Einflussnahme, zumal völlig unklar sei, wer dieses sensible Fach überhaupt unterrichten soll.
Widerstand weitet sich aus
Der Rücktritt der Latein-Gruppe ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Der Unmut wächst auch an anderer Stelle. Wie Schule.at meldet, regt sich breiter Widerstand gegen die Kürzungen bei den lebenden Fremdsprachen, die ebenfalls der Reform zum Opfer fallen sollen. Über 320 Wissenschaftler und Lehrkräfte haben bereits einen offenen Brief unterzeichnet. Ihre Sorge: Österreich drohe im internationalen Vergleich sprachlich zurückzufallen. Der „europäische Grundgedanke der Mehrsprachigkeit“ werde durch die Pläne des Ministers mit Füßen getreten.
Für Minister Wiederkehr wird die Luft dünner. Statt einer modernen Reform steht er nun vor einem Scherbenhaufen und einer geschlossenen Front an Experten, die sich weigern, seine Pläne im Eilverfahren durchzuwinken.
Quellen: oe24.at, Schule.at
Credits: APA
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