Aufstand an der Zapfsäule: Experten zerreißen die geplante Spritpreisbremse der Regierung

Aufstand an der Zapfsäule: Experten zerreißen die geplante Spritpreisbremse der Regierung

Die Bundesregierung will das Autofahren wieder billiger machen. Ein neuer Preisdeckel soll die Kosten für Benzin und Diesel um bis zu zehn Cent pro Liter drücken. Doch kaum liegen die Pläne auf dem Tisch, hagelt es heftige Kritik aus allen Richtungen. Ökonomen, Autofahrerclubs und die Wirtschaft lassen kaum ein gutes Haar an dem Vorhaben.

Wirtschaft warnt vor leeren Tankstellen

Die Mineralölwirtschaft sieht sich völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Jürgen Roth, Energiehandelsobmann der Wirtschaftskammer, kritisiert die Pläne scharf. Er sieht seine Branche zum Sündenbock degradiert. Die wahren Preistreiber seien der Konflikt im Iran und die hohen Steuern in Österreich. Roth warnt eindringlich vor massiven Folgen: Greift der Staat so drastisch in den Markt ein, drohen uns Engpässe und ernsthafte Versorgungsprobleme.

Auch Experten aus der Wirtschaftsforschung sehen rote Linien überschritten. Wie Die Presse analysiert, nennt Wifo-Ökonom Michael Böheim die Maßnahme nicht zu Ende gedacht. Er befürchtet, dass die Regierung ein wildes Bürokratieungeheuer erschafft. Wenn Raffinerien im Ausland wegen des Preisdeckels in Österreich weniger verdienen, liefern sie ihren Treibstoff schlichtweg woanders hin.

Viel Lärm um fast nichts

Für die Autofahrer selbst bringt die Maßnahme ohnehin kaum spürbare Erleichterung. Wie Der Standard berichtet, sieht Martin Grasslober vom ÖAMTC in dem Rabatt keinen großen Wurf. Angesichts der massiven Preissteigerungen der letzten Zeit fallen zehn Cent pro Liter kaum ins Gewicht. Eine durchschnittliche Tankfüllung wird gerade einmal um fünf bis sieben Euro billiger.

Die Transportwirtschaft klagt ebenfalls über die viel zu geringe Entlastung. Laut Kurier bleiben die Frächter auf enormen Mehrkosten sitzen. Die Rede ist von immer noch 9.000 Euro zusätzlicher Belastung pro Lastwagen im Jahr.

Experten rügen das Gießkannenprinzip

Besonders hart fällt das Urteil der Sozial- und Umweltökonomen aus. Monika Köppl-Turyna, Chefin von Eco Austria, kritisiert laut Die Presse die fehlende Treffsicherheit. Die Regierung schüttet das Geld mit der Gießkanne aus. Davon profitieren auch jene, die überhaupt keine finanzielle Hilfe brauchen. Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) stößt ins selbe Horn. Er bemängelt, dass gerade wohlhabende Haushalte mit großen Autos am meisten von dieser Steuersenkung profitieren.

Klimaökonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien bewertet die Steuersenkung im Standard als klimaschädliche Subvention. Anstatt den Verbrauch von fossilen Brennstoffen durch attraktive Alternativen zu senken, bremst der Staat nun den Marktmechanismus aus. Die Anreize, Sprit zu sparen und auf saubere Energie umzusteigen, verpuffen damit völlig.

Quelle: oe24.at, Der Standard, Die Presse, Kurier
Credits: APA

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