Der Rauswurf einer Gruppe jüdischer Jugendlicher aus einem Flugzeug der spanischen Airline Vueling auf dem Flughafen von Valencia sorgt für internationale Empörung und ruft nun auch israelische und französische Politiker auf den Plan. Irritierend: Die Betreuungsperson der Jugendlichen wurde zu Boden geworfen und gefesselt.
Eine französisch-jüdische Reisegruppe, bestehend aus 47 Jugendlichen und vier Betreuerinnen, war am Mittwochnachmittag nach einem Campingurlaub auf dem Heimweg nach Paris, als sie kurz vor dem Start ohne klare Begründung des Flugzeugs verwiesen wurde. Der Vorfall entwickelt sich inzwischen zu einem möglichen diplomatischen Skandal, denn die Betroffenen erheben schwere Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Airline.
Hebräischer Gesang als Auslöser?
Laut Angaben der Gruppe sollen einige Jugendliche hebräische Lieder gesungen haben, woraufhin Flugbegleiter verärgert reagierten und schließlich die Polizei riefen. Die gesamte Gruppe wurde daraufhin aus dem Flugzeug gedrängt. Eine der Betreuerinnen wurde sogar zu Boden geworfen und gefesselt, dann über die Gangway abgeführt. In einem viralen Video ist zu sehen, wie sie von Beamten der Guardia Civil in Handschellen abgeführt wird – ohne jede erkennbare Gegenwehr.
Die Reaktion in den sozialen Netzwerken ließ nicht lange auf sich warten. Nutzer sprechen von einem „eklatanten antisemitischen Vorfall“ und bezeichnen die Fluggesellschaft als „Nazi-Airline“. Französische und israelische Medien sprechen bereits von einem neuen „Antisemitismus-Skandal“ in Europa.
Offizielle Stellen versuchen zu beschwichtigen
Die spanische Polizei und Vueling bestreiten jede Diskriminierung. Vielmehr sei die Gruppe aufgrund „wiederholten Fehlverhaltens“ aus dem Flugzeug entfernt worden. Die Jugendlichen hätten Anweisungen ignoriert und mit Notfallmaterial hantiert. Dies sei eine Gefährdung der Flugsicherheit gewesen, weshalb der Pilot das Sicherheitsprotokoll aktiviert habe. Die Fluggesellschaft betont, dass religiöse Zugehörigkeit „keine Rolle“ gespielt habe.
Diese Darstellung widerspricht allerdings Aussagen mehrerer Augenzeugen und Begleiterinnen. Eine Betreuerin spricht davon, dass der Gesang auf Hebräisch unmittelbar zur Eskalation geführt habe – begleitet von Aussagen des Kabinenpersonals, in denen angeblich Israel als „terroristischer Staat“ bezeichnet wurde.
Internationale Reaktionen
Der israelische Minister für Diaspora-Angelegenheiten, Amichai Chikli, kritisierte das Vorgehen der spanischen Behörden scharf. Auf X (ehemals Twitter) schrieb er: „Jüdische Jugendliche werden für das Singen in ihrer Muttersprache kriminalisiert – das ist unerträglich und erinnert an dunkle Kapitel europäischer Geschichte.“
Auch Caroline Yadan, Abgeordnete der französischen Nationalversammlung, forderte eine umfassende Aufklärung: „Wenn sich die in den Berichten geschilderten Fakten bestätigen, muss sich Vueling vor Gericht verantworten.“
Forderung nach Konsequenzen
Die jüdische Gemeinde in Frankreich fordert nun eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Man sehe sich mit einem wiederholten Muster konfrontiert, bei dem jüdisches Leben in Europa unter Generalverdacht gestellt werde. Eine Mutter eines der Jugendlichen berichtete im französischen Fernsehen, dass bereits beim ersten Lied mit der Polizei gedroht wurde – trotz ruhigen Verhaltens der Gruppe.
Credit: Screenshot
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