Der Iran-Krieg schlägt auf Europa zurück — nicht nur wirtschaftlich. Italiens und Dänemarks Regierungschefinnen schlagen Alarm und verlangen, dass die EU sich jetzt auf eine mögliche neue Migrationskrise vorbereitet.
Brief direkt an die EU-Kommission
Wie die Weltwoche unter Berufung auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, haben Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen einen gemeinsamen Brief an die Europäische Kommission sowie die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten gerichtet. Das Schreiben, datiert auf den Vorabend des EU-Gipfels in Brüssel vom 19. März, wurde laut Daily Sabah (dpa) in der Folge am Gipfeltag selbst im Kreise von 15 Regierungschefs erörtert — darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz.
Der Kern der Forderung ist klar: Wie t-online unter Berufung auf den Brief berichtet, verlangen Meloni und Frederiksen von der EU-Kommission die Prüfung von „Mechanismen, die als Notbremse dienen können und im Falle grossangelegter Migrationsbewegungen in Richtung der Union als Fall höherer Gewalt ausgelöst werden können.“ Als konkretes Beispiel nannte Frederiksen im dänischen Fernsehen laut werra-rundschau.de eine Regel zur Abweisung von Asylsuchenden direkt an der Grenze — ein Instrument, das Griechenland 2020 gegenüber der Türkei und Polen ab Ende 2021 gegenüber Belarus angewandt hatte.
Das Gespenst von 2015
Wie die Weltwoche berichtet, verweisen beide Regierungschefinnen in ihrem Schreiben ausdrücklich auf die Erfahrungen der Jahre 2015 und 2016. „Wir dürfen eine Wiederholung der Flüchtlings- und Migrationsbewegungen in die EU, wie wir sie in den Jahren 2015–2016 erlebt haben, nicht riskieren“, zitieren t-online und Daily Sabah aus dem Brief. Eine neue Krise dieser Art wäre „nicht nur eine humanitäre Katastrophe für die direkt betroffenen Menschen, sondern würde auch die Sicherheit und den Zusammenhalt der Union gefährden.“ Man dürfe sich nicht abermals überraschen lassen.
Neben dem Grenzschutz betonen Meloni und Frederiksen laut eunews.it auch den humanitären Aspekt: Man könne mehr Menschen effizienter helfen, wenn Unterstützung direkt in den Herkunftsregionen geleistet werde — also vor Ort und nicht erst nach einer Fluchtbewegung nach Europa.
Aktuell keine Massenflucht — aber die Sorge wächst
Wichtig für die Einordnung: Wie werra-rundschau.de und Daily Sabah berichten, sehen internationale Organisationen und die EU-Kommission derzeit noch keine Anzeichen für grössere Flüchtlingsbewegungen aus dem Nahen Osten in Richtung Europa. Innerhalb der Region gibt es allerdings bereits Millionen Vertriebener, deren humanitäre Lage sich verschlechtert.
Wie Euronews berichtet, koordiniert die EU-Kommission bereits Massnahmen für Grenzschutz und innere Sicherheit. Europol beobachte Risiken durch Terrorismus und organisierte Kriminalität, und die EU habe Finanzinstrumente für eine mögliche wirtschaftliche Destabilisierung bereit.
Politischer Kontext
Der Vorstoss fällt für Dänemark in eine innenpolitisch sensible Phase: Wie t-online berichtet, befindet sich Frederiksen mitten im Wahlkampf vor der dänischen Parlamentswahl am 24. März. Das Migrationsthema hat in der dänischen Politik seit Jahren einen hohen Stellenwert, und die Parteien überbieten sich traditionell mit strengeren Forderungen.
Quellen:
- Weltwoche (weltwoche.de): Wegen Iran-Krieg: Italien und Dänemark fordern Grenzschutz-Vorbereitungen der EU (20.3.2026)
- Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz.net): EU soll sich auf Grenzschließung vorbereiten (19.3.2026, Erstbericht)
- t-online.de: Iran-Krieg: Meloni und Frederiksen warnen EU vor neuer Flüchtlingskrise (20.3.2026)
- werra-rundschau.de: Iran-Krieg lässt Europa zittern: Meloni und Frederiksen fordern „Notbremse“ (20.3.2026)
- Daily Sabah (dpa): Italy and Denmark urge EU to brace for migration surge (19.3.2026)
- eunews.it: Iran: EU pre-summit on migration; Italy and partners prepare for potential crises (19.3.2026)
- Euronews: Iran-Krieg: Wie gut ist Europa auf die Folgen vorbereitet? (9.3.2026)
- Anadolu Agency (aa.com.tr): EU leaders meet to tackle migration risks linked to war in Middle East
Credits: APA
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