Wien – AMS-Chef Johannes Kopf sorgt mit seinen jüngsten Aussagen für Aufsehen: „Wir müssen die Potenziale jener Ausländer nützen, die wir nicht gerufen haben, die aber da sind, etwa geflüchtete Minderjährige.“ Ein Satz, der polarisiert – und die Debatte um den Arbeitsmarkt in Österreich neu entfacht.
Arbeitsmarkt in der Krise: Fachkräftemangel und demografische Probleme
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während Wien einen Anstieg des Arbeitskräfteangebots verzeichnet, kämpfen die restlichen Bundesländer mit einem Rückgang. Laut Kopf reicht die „Rot-Weiß-Rot-Karte“ allein nicht aus, um die demografischen Probleme zu lösen. Österreich sei schlichtweg nicht das Zielland Nummer eins für internationale Fachkräfte. „Wir müssen uns auf die Menschen konzentrieren, die bereits hier sind“, so der AMS-Chef im Interview mit der APA.
Flüchtlinge als Chance: „Wahnsinnig viel geschafft“
Zehn Jahre nach der großen Flüchtlingswelle zieht Kopf eine positive Bilanz: Über 60.000 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Iran sind mittlerweile in Österreich beschäftigt. Doch es gibt noch viel zu tun. „Mit der richtigen Förderung könnten auch geflüchtete Minderjährige einen Lehrabschluss schaffen und die dringend benötigten Arbeitskräfte von morgen werden“, betont Kopf. Besonders in Kärnten droht ein akuter Fachkräftemangel.
Teilzeitquote: Ein Problem für die Wirtschaft?
Ein weiteres heißes Eisen: die hohe Teilzeitquote in Österreich. Mit 27 Prozent liegt das Land EU-weit auf Platz zwei, hinter den Niederlanden. Kopf sieht hier Handlungsbedarf: „Flächendeckende Ganztagesbetreuungsangebote für Kinder könnten die Arbeitszeit der Beschäftigten erhöhen und die Wahlfreiheit stärken.“ Doch die Debatte bleibt kontrovers. Während die ÖVP die Teilzeitquote kritisiert, verweisen SPÖ und Grüne auf Betreuungs- und Pflegearbeit als Hauptgründe.
Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen?
Auch die Digitalisierung macht vor dem Arbeitsmarkt nicht halt. Kopf sieht in der Künstlichen Intelligenz eine „Disruption“, die sowohl Chancen als auch Probleme mit sich bringt. Das AMS setzt bereits auf KI, etwa beim „Kompetenzmatching“ von Stellenangeboten. Über 45 Prozent der Jobs werden mittlerweile über dieses System vermittelt.
Kritik von der FPÖ: „Verrat an den Arbeitnehmern“
Die Aussagen des AMS-Chefs stoßen nicht überall auf Zustimmung. Die FPÖ wirft Kopf vor, illegale Einwanderung über den Arbeitsmarkt zu legalisieren. Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch spricht von einem „Verrat an den österreichischen Arbeitnehmern“ und kritisiert die Forderung nach Ganztagesbetreuung als Angriff auf die traditionelle Familie.
Quelle: oe24.at
Credits: APA
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