„Amerika, wir haben ein Mathe-Problem“: Harvard-Mathematiker rechnet mit Trumps Zahlen ab

„Amerika, wir haben ein Mathe-Problem“: Harvard-Mathematiker rechnet mit Trumps Zahlen ab

Preise um 600 Prozent senken, 258 Millionen Leben retten, 100 Millionen Menschen abschieben – die Trump-Regierung arbeitet gerne mit großen Zahlen. Ein Harvard-Mathematiker hat nun nachgerechnet. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Der Mann, der die Rechnung aufmacht

Aubrey Clayton unterrichtet Mathematik, Statistik und Philosophie an der Harvard University. Ende Februar veröffentlichte er in der New York Times einen Gastbeitrag mit dem programmatischen Titel: „Amerika, wir haben ein mathematisches Problem.“ Seine These, die auch der Infosperber aufgreift: Mitglieder der Trump-Regierung stellten Behauptungen auf, die nicht nur faktisch falsch, sondern schlicht mathematisch unmöglich seien.

Medikamente billiger als gratis

Das vielleicht greifbarste Beispiel lieferte Trump selbst. In seiner Rede zur Lage der Nation am 24. Februar erklärte er laut Weltwoche: Die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente seien um bis zu 600 Prozent gesenkt worden. Das Problem: Eine Preissenkung um 100 Prozent würde ein Medikament bereits kostenlos machen. Bei minus 600 Prozent müssten Pharmafirmen den Patienten das Fünffache des ursprünglichen Preises auszahlen. Noch weiter ging Trump an anderer Stelle – er versprach laut Weltwoche Preissenkungen von bis zu 1.500 Prozent.

Fentanyl-Zahlen, die Pestjahre übertreffen

Auch US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi fiel durch mathematisch unmögliche Angaben auf. Sie erklärte laut Alternet, die Fentanyl-Beschlagnahmungen der Regierung hätten 119 Millionen Amerikanern das Leben gerettet – eine Zahl, die sie später auf 258 Millionen nach oben korrigierte. Clayton merkt dazu an, dass diese Größenordnung einer Seuche entsprechen würde, die mit dem Schwarzen Tod vergleichbar wäre. Die USA haben derzeit rund 340 Millionen Einwohner.

Billionen-Investitionen, die die Wirtschaftsgeschichte sprengen

Nicht weniger spektakulär ist Trumps Behauptung zu den Folgen seiner Zollpolitik. Er erklärte laut Weltwoche wiederholt, seine Maßnahmen hätten 18 Billionen Dollar an neuen Investitionen in die USA gebracht. Clayton hält dagegen, wie Alternet berichtet: Diese Summe würde ein Wirtschaftswachstum darstellen, das selbst die stärksten Boomphasen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Schatten stellen würde – und entspricht in etwa dem gesamten jährlichen BIP der Vereinigten Staaten.

Doppelt so viele Abschiebungen wie Einwanderer

Heimatschutzministerin Kristi Noem erklärte laut Weltwoche, das Ministerium könne bis zu 100 Millionen Menschen deportieren. Clayton verweist darauf, dass das ungefähr dem Doppelten aller tatsächlich im Land lebenden Einwanderer entspreche.

Was hinter den Zahlen steckt

Clayton deutet den Missbrauch dieser Statistiken nicht als bloße Schlampigkeit. Wie Infosperber berichtet, schrieb er: Wer absurde Zahlen verwende, gehe offenbar davon aus, dass die Bevölkerung nicht in der Lage sei, sie zu hinterfragen. Aus der Perspektive eines Mathematikers sei das kein bloßer Umgang mit Statistiken, sondern ein Versagen epistemischer Verantwortung – eines, das die Grundlage öffentlicher Debatten untergräbt.


Quellen:

Credits: APA

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