Washington hat gesprochen – und Europa muss zuhören. Die neue nationale Verteidigungsstrategie der USA macht unmissverständlich klar: Die Zeiten unbegrenzter amerikanischer Schutzversprechen sind vorbei.
Europa soll selbst für Verteidigung sorgen
Wie das Pentagon in seinem 34-seitigen Strategiepapier festhält, bleiben die USA zwar NATO-Partner, sehen ihre Priorität aber woanders. Der Tenor ist eindeutig: Die konventionelle Verteidigung Europas obliegt in erster Linie den Europäern selbst. „Verbündete sollten in Europa die Führung gegen Bedrohungen übernehmen, die für sie schwerwiegender sind als für die USA – mit entscheidender, aber begrenzter Unterstützung der Vereinigten Staaten“, heißt es im Dokument.
Wie t-online.de berichtet, will die US-Regierung ihre Präsenz in Europa „neu justieren“. Konkret bedeutet das: weniger amerikanische Soldaten auf europäischem Boden. Allerdings hat der US-Kongress Ende 2025 ein Gesetz verabschiedet, das eine Untergrenze festlegt: Die Gesamtzahl der dauerhaft in Europa stationierten US-Streitkräfte darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Derzeit sind Schätzungen zufolge mehr als 80.000 US-Soldaten in Europa stationiert.
3,5 Prozent des BIP als Pflicht
Zentral für die neue Strategie ist die Forderung an die NATO-Partner: Sie müssen ihre Verteidigungsausgaben massiv erhöhen. Unter dem Eindruck von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und auf Drängen Trumps hatte die NATO im Juni 2025 vereinbart, künftig mindestens 3,5 Prozent des nationalen BIP in Verteidigung zu investieren. Dazu sollen weitere 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben wie Infrastruktur kommen.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer amerikanische Unterstützung will, muss zahlen.
„Westliche Hemisphäre“ als Hauptfokus
Im Sinne von Trumps Leitsatz „America First“ liegt der Verteidigungsfokus der USA künftig auf dem eigenen Land und der westlichen Hemisphäre. Damit ist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint. Grenzen sollen gesichert und der Luftraum durch das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ geschützt werden, das Trump auf Grönland errichten will.
„Gleichzeitig werden wir die Interessen Amerikas in der gesamten westlichen Hemisphäre aktiv und furchtlos verteidigen“, zitiert oe24.at aus dem Strategiepapier. Man werde sich militärischen und wirtschaftlichen Zugang zu wichtigen Gebieten sichern, insbesondere zum Panamakanal, zu Grönland und zum Golf von Mexiko – den das Pentagon bezeichnenderweise als „Golf von Amerika“ bezeichnet.
China: Abschreckung statt Konfrontation
Gegenüber China verfolgen die USA einen nüchternen Kurs. Man wolle die aufstrebende Weltmacht im Indo-Pazifik durch Stärke abschrecken, nicht durch Konfrontation. Die USA sehen China als zweitmächtigstes Land der Welt – nach sich selbst. Die Beschreibung ist sachlich: Man wolle China nicht dominieren, wolle aber auch nicht dominiert werden.
Wie puls24.at berichtet, hatte bereits das Treffen zwischen Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping Ende Oktober 2025 in Südkorea mildere Töne im Handelskonflikt angedeutet.
Russland: „Beherrschbare Bedrohung“
Anders als China stufen die USA Russland lediglich als „beherrschbare Bedrohung“ für die östlichen NATO-Mitglieder ein. Moskau sei nicht in der Lage, die Vorherrschaft in Europa zu erlangen, heißt es. Die europäischen NATO-Mitglieder seien mächtiger als Russland – allein die deutsche Wirtschaft stelle die russische in den Schatten.
Allerdings: Der Ukraine-Krieg zeige, dass Russland über große militärische und industrielle Reserven verfüge. Zudem verfüge das Land über das weltweit größte Nuklear-Arsenal.
Die Hauptverantwortung für die Unterstützung der ukrainischen Verteidigung sehen die USA bei den Europäern. Der Krieg müsse enden, so die Strategie – aber Europa müsse die Führung übernehmen.
Zweiter Schock nach Dezember
Die Verteidigungsstrategie folgt auf die im Dezember 2025 veröffentlichte nationale Sicherheitsstrategie, die bereits als Bruch mit der Tradition enger transatlantischer Kooperation gewertet wurde. Frühere Strategien hätten die nationalen Kerninteressen der USA nicht berücksichtigt und die Verteidigung anderer Länder zulasten der US-Bevölkerung priorisiert, hieß es damals.
Wie t-online.de anmerkt, klingt die Verteidigungsstrategie im Ton etwas nüchterner und sachlicher – inhaltlich geht es aber in die gleiche Richtung. Sie folgt nur wenige Tage auf Trumps Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die von Feindseligkeiten gegenüber Europa gespickt war.
Was Europa jetzt erwartet
Die Konsequenzen für Europa sind klar: Die EU muss ihre militärische Eigenständigkeit massiv ausbauen. Die Zeit, in der sich europäische Staaten auf den amerikanischen Schutzschirm verlassen konnten, neigt sich dem Ende zu. Washington sendet ein unmissverständliches Signal: Wer Sicherheit will, muss selbst dafür zahlen – und kämpfen.
Quellen:
- US-Pentagon (Nationale Verteidigungsstrategie 2026)
- t-online.de
- oe24.at
- puls24.at
- nw.de
Credits: APA
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