Die Grande Dame des deutschen Feminismus war zu Gast in der ARD-Talkshow Maischberger – und ließ es ordentlich krachen. Alice Schwarzer übte scharfe Kritik an der Influencer-Kultur, wehrte sich gegen eine Vereinnahmung durch das Weidel-Lager und erteilte militärischen Abenteuern im Nahen Osten eine klare Absage.
Feminismus in der Krise – selbstverschuldet?
Wie die Weltwoche in ihrer Zusammenfassung des Auftritts berichtet, zog Schwarzer in der ARD-Sendung vom 11. März eine ernüchternde Bilanz der Frauenbewegung. „Wir sind in einer Phase, in der es vorwärts und rückwärts zugleich geht“, sagte die EMMA-Herausgeberin im Gespräch mit Moderatorin Sandra Maischberger.
Besonders hart ins Gericht ging sie mit der Influencer-Kultur in den sozialen Medien. Viele junge Frauen würden sich heute an oberflächlichen Trends orientieren – ihr Urteil: „Die verblöden ja total.“ Als Beispiel nannte sie aufgespritzte Lippen, die sie als „entsetzlich“ bezeichnete. Doch Schwarzer richtete den Blick auch selbstkritisch auf die eigene Bewegung: Die Frauenbewegung habe womöglich „nicht genug Obacht gegeben“ und zu früh darauf vertraut, dass errungene Fortschritte dauerhaft gesichert seien.
Das Weidel-Manöver – und die Gegenwehr
Für den hitzigsten Moment der Sendung sorgte, wie Tichys Einblick berichtet, die Frage nach AfD-Politikerin Alice Weidel. Schwarzer äußerte sich anerkennend: „Ich halte Sie für eine wirklich sehr tüchtige Frau. Das darf ich doch noch, oder?“ Gleichzeitig wehrte sie sich vehement gegen den Versuch, sie durch diese Aussage in eine politische Ecke zu drängen: „Es geht doch nur darum, den Namen Schwarzer in die Nähe von Weidel zu rücken und dann zu rufen: Skandal!“
Das Debattenklima in Deutschland sei „bedrückend“, weil sofort eine „Hysterie“ ausbreche, sobald der Name Weidel oder AfD falle. Als Maischberger nachhakte – „Es war eigentlich nur eine einfache Frage, wie du zur AfD stehst“ –, antwortete Schwarzer knapp: „Ich habe doch in meinem ganzen Leben noch nichts Positives über die AfD gesagt.“
Iran-Krieg: Bomben lösen nichts
Wie die Weltwoche weiter berichtet, übertrug Schwarzer ihre Skepsis gegenüber ideologischen Grabenkämpfen auch auf die internationale Bühne. Mit Blick auf die US-Militärschläge gegen den Iran lehnte sie militärische Lösungen grundsätzlich ab. Die Vorstellung, Diplomatie durch Bomben ersetzen zu können, sei „hoffnungslos“ – ein Fehler, den Amerika „zum X-ten Mal“ begehe. „Sie werden nur wieder Tote und verbrannte Erde zurücklassen“, so Schwarzer.
Dabei warnte sie auch vor einer instrumentalisierten Logik: Oft würden Frauen in Ländern wie dem Iran als Vorwand für Militärinterventionen herangezogen – ohne dass ihnen tatsächlich geholfen werde.
Kopftuch dort, Kopftuch hier
Bemerkenswert war auch Schwarzers Blick auf das Kopftuch als politisches Symbol. Sie erinnerte an ihren Besuch im Iran 1979 und zog eine ernüchternde Linie zur Gegenwart: Es habe „eine gewisse Tragik“, wenn in westlichen Demokratien um das Recht auf das Kopftuch gekämpft werde, während Frauen im Iran unter Lebensgefahr für ihre Freiheit demonstrieren.
Den Abschluss des Gesprächs bildete eine Frage über Angela Merkel – ob sie eine Ermutigung für Frauen gewesen sei. Schwarzers Antwort war knapp und eindeutig: „Aber natürlich war sie das.“
Laut offizieller ARD-Pressemitteilung, wie presseportal.de dokumentiert, wurde die Sendung am 11. März 2026 um 22:50 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Weitere Gäste waren Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Florian Schroeder, Anna Schneider und Klaus Brinkbäumer.
Quellen:
- https://weltwoche.de/daily/frauen-sind-auch-nicht-schlauer-als-maenner-alice-schwarzer-bei-maischberger-ueber-modernen-feminismus-alice-weidel-und-den-iran-krieg/
- https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/bei-maischberger-von-rehaugen-und-aufgespritzten-lippen/
- https://www.presseportal.de/pm/6694/6232836
- https://www.youtube.com/watch?v=G1b9hCLEAiI
Credits: Von Superbass – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126113404
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