Gastbeitrag von Gernot Rohrhofer
Bei einem Treffen im niederösterreichischen Gumpoldskirchen will SPÖ-Chef Andreas Babler morgen, Samstag, das Ruder noch einmal herumreißen. Seitdem die „Kronen Zeitung“ am Dienstag eine niederschmetternde Umfrage veröffentlicht hat, steht der Parteivorsitzende schwer in der Kritik. Laut Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) von Christoph Haselmayer würde die SPÖ unter der Führung von Christian Kern im Falle einer Nationalratswahl am kommenden Sonntag nicht nur von 24 Prozent der Bevölkerung gewählt werden, sondern auch die ÖVP überholen und auf den dritten Platz verdrängen. Unter Babler wären es 18 Prozent, während die ÖVP Platz zwei verteidigen könnte.
Ob Christian Kern, der von 2016 bis 2017 Bundeskanzler und von 2016 bis 2018 Parteichef der SPÖ war, überhaupt für ein Comeback zur Verfügung steht, ist offen. Ein öffentliches Dementi gibt es nicht. In einigen Landesorganisationen wäre die Freude groß, würde sich der 60-jährige ehemalige ÖBB-Manager wieder aufs politische Parkett begeben und bei einem Parteitag am 7. März mit Andreas Babler in eine Kampfabstimmung gehen.
Pleiten, Pech, Hilflosigkeit: Babler und das SPÖ-Chaos
Wie ein hochrangiger SPÖ-Funktionär gegenüber exxtra24.at sagt, bestehe „flügelübergreifend Einigkeit, dass er (Andreas Babler, Anm.) es nicht kann“, womit es diesem zumindest gelungen sei, „die Partei zu einen, denn unter Werner Faymann oder Pamela Rendi-Wagner haben die unterschiedlichen Flügel in dieser Frage noch gestritten.“
Parteiintern steht Babler vor allem wegen der Wahl-Misere in der Kritik: „Bei allen zehn Wahlen, die unter ihm stattgefunden haben, hat es zehn Mal ein Minus gegeben. Und wir reden hier nicht von kleinen Lokalwahlen, sondern von EU-Wahlen, Nationalratswahlen, Landtagswahlen und landesweiten Gemeinderatswahlen.“ Das Kuriose an dieser Situation wiederum sei, dass sämtliche Niederlagen Babler gestärkt hätten, „weil niemand ein Plus vorzuweisen hat und gegen ihn aufstehen kann. Damit hat Babler den Niedergang der SPÖ eigentlich stabilisiert“, sagt der Parteiinsider und bezeichnet die Situation als „stilles Sterben“, wogegen sich große Teile der Partei jedoch wehren wollen.
Rücktritt Babler´s nach Neujahrstreffen am Wochenende in Gumpoldskirchen?
Zu dem morgigen Treffen in Gumpoldskirchen wurde bereits im Vorjahr eingeladen, laut einer Sprecher der SPÖ handle es sich um ein „traditionelles Neujahrstreffen“. Doch angesichts der Unzufriedenheit mit dem Parteivorsitzenden dürfe die als Klausur geplante Veranstaltung auch eine Art Krisengipfel werden. „Zu sagen, die derzeitige Situation hätte nichts mit dem Vorsitzenden zu tun, ist ein naiver Zugang. Fakt ist: Wir verlieren mit ihm, egal, ob wir in Opposition oder in der Regierung sind.“
Zurückhaltendere Stimmen hört man aus Parteikreisen in Wien. Dort sehe man „das strategische Szenario für Christian Kern derzeit nicht.“ Demnach hätte er zwei Möglichkeiten mit einigen Untervarianten: „Er kann Vizekanzler einer unbeliebten Regierung werden und es gelingt ihm, das Regierungsprogramm nachzuverhandeln oder er geht in Neuwahlen und er öffnet sich in Richtung FPÖ, denn eine Neuwahl würde man auf jeden Fall verlieren.“ Und dennoch: Auch in Wien will man eine Gegenkandidatur von Christian Kern nicht ausschließen.
Neue Website sorgt für weiteren Wirbel – www.7-3-2026.at online
Für zusätzlichen Wirbel sorgt seit Mittwoch ein Sujet, auf dem ein Foto des Ex-Kanzlers unter Verweis auf den Parteitag am 7. März zu sehen ist. exxtra24.at und auch der „Kronen Zeitung“ liegen mittlerweile weitere Sujets vor – unter anderem wird darauf auf die seit längerem registrierte Domain www.7-3-2026.at verwiesen, womit das Datum des Parteitages gemeint sein dürfte. Mehr als zwei rote Nelken und der SPÖ-Slogan „Freundschaft“ sind auf der Webseite vorerst aber nicht zu finden.
Das Comeback von Christian Kern?
So oder so – die Vorbereitungen für ein mögliches Comeback von Christian Kern werfen Fragen auf. Gestaltung, Timing und Streuung der Sujets könnten bedeuten, dass hinter der Kampagne mehr als eine bloß engagierte Parteibasis oder einzelne Fans des Altkanzlers stecken. Innerhalb der Partei schließt man nicht aus, dass gewichtige Entscheidungsträger gemeinsam mit Strategen, Grafikern und Medienkontakten an einer koordinierten Aktion arbeiten könnten – mit dem Ziel, beim Parteitag einen offenen Machtkampf zu provozieren. Zwar bestreitet der sozialdemokratische Klubobmann im burgenländischen Landtag, Roland Fürst, gegenüber exxtra24.at, in die Aktion involviert zu sein, dafür ist aus einigen anderen Bundesländern fast gleichlautend zu hören: „Würde Christian Kern kandidieren, hätte er eine Mehrheit.“
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