Die österreichischen Polizeischulen laufen derzeit auf absoluten Hochtouren. Für das Jahr 2026 sind bundesweit 1.415 Neuaufnahmen geplant. Damit sollen alle Abgänge bei der Exekutive ausgeglichen und der Personalstand von rund 32.500 Beamten gesichert werden, wie das Innenministerium mitteilt. Doch die hohe Zahl der Rekruten verdeckt ein massives Problem: Ein gewaltiger Teil der Auszubildenden bricht die Polizeischule vorzeitig ab.
Besonders in Wien zeigt sich ein dramatisches Bild. Rund 30 Prozent der Polizeischüler scheitern während der Ausbildung oder werfen freiwillig das Handtuch, wie der Kurier berichtet. Ein drastisches Beispiel macht die Lage deutlich: Von 415 Männern und Frauen, die vor drei Jahren ihre Ausbildung begannen, landeten am Ende nur 285 im echten Streifendienst auf der Straße. Ganze 130 Personen beendeten ihre Ausbildung vorzeitig.
Harte Realität schreckt viele Bewerber ab
Bundespolizeidirektor Michael Takacs nennt klare Gründe für diese massive Abbrecherquote. Viele junge Menschen stellen sich den harten Alltag in Uniform völlig falsch vor. Spätestens in der Praxisphase trifft sie die Realität: Belastende Nachtdienste und ständige Konfrontationen bringen viele an ihre Grenzen. Andere kehren rasch in ihre alten Berufe zurück. Die Konkurrenz schläft nicht, denn die Privatwirtschaft lockt mit weit besseren Arbeitszeiten und höheren Gehältern. Besonders im Großraum Wien verliert die Exekutive dringend benötigte Talente an den IT-Sektor.
Mehr Geld und gelockerte Regeln
Um gegenzusteuern und neue Bewerber anzulocken, greift der Staat nun tief in die Tasche. Das Einstiegsgehalt für die Schüler wurde auf 2.400 Euro brutto erhöht. Zudem hat man die strengen Zugangshürden spürbar gelockert. Tätowierungen sind nun weniger problematisch, und auch bei den sportlichen Aufnahmetests drückt man öfter ein Auge zu.
Das Innenministerium feiert erste Erfolge. Innenminister Gerhard Karner betont, es sei das klare Ziel, den aktuellen Höchststand an Polizisten auch weiterhin zu sichern. Die Zahl der Aufnahmen ist dank der neuen Maßnahmen deutlich gestiegen. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Mit der Masse an neuen Bewerbern schnellt auch die absolute Zahl der Abbrecher weiter in die Höhe. Kritiker und Gewerkschafter fordern deshalb mittlerweile strengere Auswahlverfahren im Vorfeld. Sie wollen ungeeignete Kandidaten frühzeitig herausfiltern, bevor teure Ausbildungsplätze blockiert werden.
Quellen: Exxpress, Kurier, Bundesministerium für Inneres
Credits: APA
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