Die Alternative für Deutschland will bei der nächsten Bundespräsidentenwahl nicht länger zuschauen. AfD-Chefin Alice Weidel macht klar: Die Partei plant einen eigenen Kandidaten – und das mit mehr Gewicht denn je.
Weidel legt die Karten auf den Tisch
AfD-Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel hat gegenüber dem Tagesspiegel angekündigt, dass ihre Partei für die Bundespräsidentenwahl am 30. Januar 2027 einen eigenen Kandidaten aufstellen will. Wörtlich sagte sie: „Die Alternative für Deutschland tritt grundsätzlich dafür ein, den Bundespräsidenten direkt durch das Volk wählen zu lassen. Da eine Mehrheit für eine entsprechende Grundgesetzänderung derzeit nicht absehbar ist, werden wir uns sicherlich wieder Gedanken über einen geeigneten Kandidaten machen, der das Land zusammenführen kann, statt es zu spalten.“
Ein klares Anforderungsprofil lieferte Weidel gleich mit: Der Bundespräsident müsse „eine über allen Parteien und Lagern stehende und in der gesamten Nation angesehene Respektsperson sein“ – und dürfe das höchste Staatsamt nicht missbrauchen, um weiterhin Parteipolitik zu betreiben.
Mehr Macht, mehr Einfluss: Die AfD wächst in der Bundesversammlung
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Laut Berechnungen der Plattform wahlrecht.de kann die AfD in der Bundesversammlung 2027 mit rund 258 der insgesamt 1.260 Sitze rechnen – also mehr als einem Fünftel aller Wahlleute. Zum Vergleich: Bei der Bundespräsidentenwahl 2022 stellte die AfD lediglich 151 der damals 1.472 Wahlleute.
Damit ergibt sich eine historische Konstellation: Die AfD könnte erstmals die SPD als zweitstärkste Kraft in der Bundesversammlung ablösen. CDU/CSU käme demnach auf rund 435 Wahlleute, die SPD auf 252 bis 253, die Grünen auf etwa 193 Sitze.
Seitenhieb auf Steinmeier
Zwischen den Zeilen schwang in Weidels Aussagen auch deutliche Kritik am amtierenden Bundespräsidenten mit. Frank-Walter Steinmeier war zuletzt mit scharfer Rhetorik gegen die AfD aufgefallen – er hatte sich klar für die Beibehaltung der Brandmauer gegenüber der Partei ausgesprochen und gegenüber der Zeit erklärt: „Der Versuch, Extremisten zu zähmen, indem man ihnen Macht gewährt, ist nicht nur in der Weimarer Republik gescheitert.“
Steinmeier kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Als mögliche Kandidaten für seine Nachfolge wurden zuletzt Namen wie Ursula von der Leyen, Familienministerin Karin Prien oder Markus Söder ins Gespräch gebracht.
Otte, Glaser – und wer kommt als Nächstes?
Einen konkreten Namen hat die AfD bislang noch nicht genannt. Bei der Wahl 2022 nominierte sie den Ökonomen Max Otte, der mit 140 Stimmen zwar Platz zwei erreichte, gegen Steinmeier mit 1.045 Stimmen jedoch deutlich unterlag. 2017 trat Albrecht Glaser an und erhielt lediglich 42 Stimmen.
Ob 2027 ein parteiinterner Kandidat oder eine überparteiliche Persönlichkeit ins Rennen gehen soll, ließ Weidel offen. Klar ist: Mit einem Fünftel der Wahlleute im Rücken ist die AfD diesmal eine Stimme, die man nicht einfach ignorieren kann.
Quellen:
- Der Tagesspiegel, Sonntagsausgabe, 15. März 2026
- t-online.de, 15. März 2026
- apollo-news.net, 15. März 2026
- kreisbote.de, 15. März 2026
- wahlrecht.de (Hochrechnungen zur Bundesversammlung 2027)
- dts Nachrichtenagentur, 15. März 2026
Credits: APA
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