Es war ein Abgang, der Wellen durch die politische Landschaft Österreichs schlug. Nach acht Jahren hielt die NEOS-Abgeordnete Stephanie Krisper ihre letzte, feurige Rede im Nationalrat und ließ niemanden im Unklaren über ihre Gefühle. Ihr Abschied war nicht nur ein einfaches Lebewohl, sondern eine kraftvolle Abrechnung, die spitze Danksagungen und eine sehr auffällige Auslassung beinhaltete.
Eine klare Botschaft an die Regierung
In ihrer Rede am Mittwochabend appellierte Krisper leidenschaftlich an das Selbstbewusstsein der Abgeordneten. Sie erinnerte ihre Kollegen daran, dass das Parlament „nicht der verlängerte Arm der Regierung“ sei, wie oe24.at berichtet. Dies war ein direkter Hieb gegen die aktuellen Machtverhältnisse und unterstrich ihren Ruf als akribische und oft kritische Stimme. Krisper, die nach dem Eintritt ihrer eigenen Partei NEOS in die Regierungskoalition den Sinn ihrer Rolle infrage gestellt hatte, nutzte ihre letzten Momente am Rednerpult, um einige Rechnungen zu begleichen.
Dank an (fast) alle
Krispers Rede war eine Meisterklasse in politischer Kommunikation, besonders als es um ihre Danksagungen ging. Sie würdigte ausdrücklich Vertreter von fast allen Parteien für die Zusammenarbeit in den diversen Untersuchungsausschüssen, die ihr Hauptfokus gewesen waren.
Sie dankte Christian Hafenecker von der FPÖ und merkte an, dass mit ihm ein konstruktiver Austausch möglich gewesen sei. Gleichzeitig äußerte sie die Hoffnung, dass eine solche Kooperation auch in Zukunft wieder möglich sein sollte. Besondere Erwähnung fanden auch SPÖ-Budgetsprecher Jan Krainer und die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures, ebenfalls von der SPÖ.
Eine Partei wurde bei ihren Danksagungen jedoch auffällig ausgelassen: die ÖVP. Das Schweigen war ohrenbetäubend und sprach Bände über die angespannten Beziehungen, die in der Hitze politischer Kämpfe und Untersuchungsausschüsse entstanden waren.
Ein Gruß an die „alte Garde“
Auch innerhalb ihrer eigenen Partei machte Krisper ihre Vorlieben deutlich. Sie betonte ihre Verbundenheit zur „altgedienten Garde aus der Opposition“ und grüßte namentlich den ehemaligen NEOS-Abgeordneten Gerald Loacker sowie die aktiven Mandatare Fiona Fiedler, Nikolaus Scherak und Douglas „Dougsie“ Hoyos.
Abschließend verteidigte sie ihre rigorose Arbeitsweise und erklärte, dass sie nicht „lästig“ sei, wenn sie sich Gesetzesvorhaben genau ansehe, sondern lediglich ihr Mandat wahrnehme. Sie sei keine „naive Idealistin“, sondern jemand, der seine Verantwortung ernst nehme.
Nach ihrer Rede erhielt Krisper Standing Ovations. Grünen-Klubobfrau Leonore Gewessler überreichte ihr einen Blumenstrauß, und auch von NEOS-Klubchef Yannick Shetty gab es ein Geschenk – das Ende einer Ära für eine der hartnäckigsten Abgeordneten des Parlaments.
Credits: APA
Neueste Kommentare