Kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara haben beide Seiten ihre schwersten Angriffe seit Wochen geflogen. Die Ukraine fordert mehr Luftabwehr – und bekommt auf dem Gipfel Gehör.
Russland greift Kiew mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern an
In der Nacht auf Montag traf Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew mit einer Kombination aus Drohnen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern – einem der schwersten Angriffe der vergangenen Monate. Laut ukrainischen Behörden kamen dabei allein in Kiew 15 Menschen ums Leben, insgesamt wurden landesweit 21 Tote gemeldet, wie ORF und APA berichten. Selenskyj sprach von Dutzenden Verletzten. Mehrere Wohnhäuser wurden schwer beschädigt, einige teilweise zum Einsturz gebracht.
Ukraines Antwort: 430 Drohnen auf Moskau, 2.400 Kilometer entfernte Raffinerie getroffen
Die Reaktion der Ukraine kam schnell und in rekordverdächtigem Ausmaß. Laut Kreml-Angaben griff die Ukraine 17 russische Regionen mit mehr als 450 Drohnen an, wie ORF berichtet. Allein auf den Großraum Moskau flogen über 430 Drohnen zu. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, die meisten seien „neutralisiert“ worden – 36 seien über der Stadt zerstört worden, Schäden meldete er nicht. Die Flughäfen der Hauptstadt waren jedoch stundenlang gesperrt. In der Oblast Kaluga lösten sechs Drohnen einen Brand in einer Industrieanlage aus, die Medienberichten zufolge eine Ölanlage war.
Bereits am Montag hatte die Ukraine die größte Ölraffinerie Russlands in Omsk getroffen – mehr als 2.400 Kilometer von ukrainisch kontrolliertem Gebiet entfernt, wie ORF berichtet. Die Anlage verarbeitet mehr als 20 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Seit Wochen greift die Ukraine systematisch russische Raffinerien an – mit spürbaren Konsequenzen: In den meisten russischen Regionen ist Treibstoff knapp, Tankstellen geben Benzin und Diesel nur noch rationiert ab.
Selenskyjs Botschaft vor dem Gipfel: Patriot jetzt
Selenskyj nutzte die Nacht der Angriffe für eine direkte Botschaft an den NATO-Gipfel. Ballistische Raketen könne die Ukraine nur mit westlichen Flugabwehrsystemen – insbesondere dem US-Raketensystem Patriot – abwehren, schrieb er laut ORF. Wenn Patriot-Raketen in den Lagern der Verbündeten verstaubten, „ermutigt das Russland nur, seinen Krieg gegen Wohnhäuser fortzusetzen.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte, das Thema werde beim Gipfel in Ankara behandelt: „Die Ukraine braucht dringend mehr Luftabwehr. Wir werden dies diese Woche in Ankara beim NATO-Gipfel besprechen“, schrieb sie laut ORF. NATO-Generalsekretär Mark Rutte forderte im Vorfeld: „Alle Bündnispartner müssen ihren Beitrag leisten, damit unsere Unterstützung für die Ukraine weiterhin fließt.“
140 Milliarden Euro Militärhilfe soll beschlossen werden
Über weitere Militärhilfe für die Ukraine besteht in der NATO laut ORF bereits eine Grundsatzeinigung. Auf dem Gipfel sollen abschließend 70 Milliarden Euro pro Jahr über zwei Jahre beschlossen werden – also insgesamt 140 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung. Dabei wird ein EU-Hilfspaket von rund 60 Milliarden Euro bis Ende 2027 mitgerechnet. Unter dem Strich müssten NATO-Staaten aus nationalen Budgets rund 80 Milliarden Euro aufbringen.
Credits: European Union, 2026, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128375033
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