553.000 Euro Steuergeld für Babler-Doku — und die Beteiligten schweigen

553.000 Euro Steuergeld für Babler-Doku — und die Beteiligten schweigen

Ein Dokumentarfilm über SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler wird mit über einer halben Million Euro öffentlicher Mittel gefördert. Die Debatte darüber nimmt immer mehr Fahrt auf — und das Schweigen der Verantwortlichen macht die Sache nicht kleiner.

Der Film und seine Finanzierung

Die 97-minütige Dokumentation „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl feierte Ende März 2026 bei der Diagonale in Graz Premiere. Kinostart ist der 24. April. Wie die Diagonale auf ihrer Website beschreibt, begleitet der Film SPÖ-Chef Babler und sein Wahlkampfteam durch das Nationalratswahljahr 2024 — von internen Besprechungen über TV-Auftritte bis zur Tournee quer durch Österreich.

Was die Debatte ausgelöst hat: Der Film wurde aus mehreren öffentlichen Töpfen finanziert. Wie exxpress unter Berufung auf Daten des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) und weiterer Förderstellen berichtete, flossen 190.000 Euro als ÖFI-Herstellungsförderung sowie weitere 158.000 Euro über die Schiene ÖFI+. Dazu kommen laut exxpress 160.000 Euro Herstellungsförderung und 23.000 Euro für den Kinostart vom Filmfonds Wien sowie 20.000 Euro vom Land Niederösterreich — in Summe 553.000 Euro an öffentlichen Mitteln, wie exxtra24.at unter Berufung auf die ÖFI-Website und exxpress-Recherchen ausweist.

SPÖ verweist auf Vorgängerregierung

Bablers Team hat auf die Kritik reagiert: Laut oe24 erklärte die SPÖ, unter Vizekanzler Babler seien keine Förderungen für die Produktion genehmigt worden. Das Österreichische Filminstitut treffe Förderentscheidungen über eigenständige Jurys, unabhängig vom Bundesministerium. Die entscheidenden Förderungen seien unter dem damaligen Kulturminister Werner Kogler (Grüne) im Jahr 2024 freigegeben worden.

Das ist sachlich relevant: Babler ist erst seit Anfang 2025 Kulturminister. Die Förderentscheidungen für den Film fielen damit tatsächlich unter seiner Vorgängerregierung — er hat sie nicht selbst genehmigt.

Der Kernvorwurf der Kritiker lautet dennoch: Babler ist jetzt als Kulturminister selbst für die Vergabe von Filmförderungen zuständig — und gleichzeitig Hauptdarsteller eines damit geförderten Films. Dieser Interessenkonflikt in der Optik sei das eigentliche Problem, argumentiert etwa freilich-magazin.com.

Opposition schlägt Alarm

Die FPÖ spricht von einem „politischen Skandal ersten Ranges“ und hat laut oe24 eine Anfrage im Wiener Gemeinderat angekündigt, um zu klären, wie die städtischen Mittel des Filmfonds Wien vergeben wurden. Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss bezeichnete das Projekt als „Werbevideo für SPÖ-Chef Babler“ und sprach von „dreistem Fördergeldmissbrauch für Eigen-PR“.

Die niederösterreichische ÖVP-Kultursprecherin Anja Scherzer stellte laut freilich-magazin.com die Prioritätensetzung grundsätzlich infrage, während in der Politik diskutiert wird, ob öffentliche Filmförderinstitutionen Projekte dieser Art überhaupt unterstützen sollten.

Keine Antworten auf Nachfragen

Die eigentliche neue Wendung in der Causa: Wie exxpress berichtet, haben sowohl SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die SPÖ-Bundespartei als auch Produzent Johannes Rosenberger von Navigator Films sowie Mitglieder des Filmteams trotz mehrmaliger Anfragen keine Stellungnahme abgegeben. Konkret wollte exxpress wissen, wie die Förderentscheidungen zustande kamen und ob politische Einflussnahme ausgeschlossen werden kann.

Auf diese Fragen gibt es bislang keine Antworten — bei einem Projekt, das mit über einer halben Million Euro aus Steuermitteln finanziert wurde.


Quellen:

  • exxpress.at: SPÖ-Skandal enthüllt: Babler-Doku aus Steuermitteln finanziert (23.03.2026) — exxpress.at
  • exxpress.at: Steuergeld für Babler-Film: Jetzt kommt die ganze Summe ans Licht (25.03.2026) — exxpress.at
  • oe24.at: Babler-Doku mit hunderttausenden Euro Steuergeld finanziert (24.03.2026) — oe24.at
  • oe24.at: Steuergeld für Babler-Film wird Fall für Stadt-Parlament (24.03.2026) — oe24.at
  • exxtra24.at: Steuergelder für Babler-Doku: FPÖ schaltet sich ein und fordert Aufklärung (24.03.2026) — exxtra24.at
  • freilich-magazin.com: PR-Film auf Staatskosten? Streit um 350.000 Euro Förderung für Babler-Film (25.03.2026) — freilich-magazin.com
  • Österreichisches Filminstitut: Filmseite „Wahlkampf“ — filminstitut.at

Credits: APA

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