553.000 Euro Steuergeld für Babler-Doku: Industrieller Zöchling zeigt sich „sprachlos“

553.000 Euro Steuergeld für Babler-Doku: Industrieller Zöchling zeigt sich „sprachlos“

Am 24. April kommt die Dokumentation „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl in die österreichischen Kinos. Der 97-minütige Film begleitet SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler durch den Nationalratswahlkampf 2024 – mit der Kamera nahezu durchgehend dabei: im Auto, bei internen Besprechungen, auf Wahlkampftour. Medienberichten zufolge flossen für diese Produktion insgesamt rund 553.000 Euro aus öffentlichen Mitteln. Die Summe setzt sich laut exxpress.at aus rund 350.000 Euro des Österreichischen Filminstituts (ÖFI), 183.000 Euro des Filmfonds Wien sowie 20.000 Euro des Landes Niederösterreich zusammen.

Zöchling: „Ich bin einfach nur noch sprachlos“

Die Debatte zieht nun auch aus dem Wirtschaftslager Kritik auf sich. Wie exxpress.at berichtet, meldete sich Industrieller Stefan Zöchling in einem Video zu Wort und zeigte sich sichtlich aufgebracht: Er verfolge die Berichterstattung selbst aus dem Ausland und könne kaum fassen, dass ein Film über einen aktiven Spitzenpolitiker mit Hunderttausenden Euro Steuergeld finanziert werde. Zöchling bezeichnete die Förderung als „lupenreine Wahlkampf-Unterstützung“ und kritisierte, dass ein solches Projekt ausgerechnet in Zeiten laufe, in denen überall Sparmaßnahmen gefordert werden. Österreich leiste sich bereits eine der höchsten Parteienförderungen Europas – da seien zusätzliche Gelder für derartige Produktionen kaum nachvollziehbar.

SPÖ: Förderungen unter Kogler genehmigt

Bablers Team weist die schwersten Vorwürfe zurück. Wie oe24 berichtet, betont das Presseteam des Vizekanzlers, dass sämtliche Förderentscheidungen des Österreichischen Filminstituts 2024 unter der damaligen schwarz-grünen Regierung und dem damaligen Kulturminister Werner Kogler (Grüne) getroffen wurden. Babler selbst habe weder Mitspracherecht bei der Finanzierung noch beim fertigen Film gehabt. Das Filminstitut treffe Förderentscheidungen über eigenständige Jurys unabhängig vom Bundesministerium.

Dennoch bleibt ein Interessenkonflikt im Raum: Babler ist heute selbst Kulturminister – und entscheidet damit über jene Institutionen, die seinen Film mitfinanziert haben, auch wenn er an den konkreten Beschlüssen nicht beteiligt war.

FPÖ und Experten: „Indirekte Parteienfinanzierung“

Politisch ist die Debatte längst eskaliert. Wie exxtra24.at berichtet, bezeichnen Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer den Film ohne Umschweife als „Propaganda“ und sieht darin ein demokratiepolitisch problematisches Signal. FPÖ-Abgeordnete Barbara Kolm spricht von einer „fragwürdigen Vorgangsweise“, bei der Parteipolitik indirekt über Kulturförderung finanziert werde. Der Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss kündigt laut oe24 eine formelle Anfrage im Wiener Gemeinderat an und spricht von einem „Skandal ersten Ranges“ sowie „dreistem Fördergeldmissbrauch“.

Der Film kommt am 24. April in die Kinos. Die Frage, wo Kulturförderung endet und politische PR beginnt, wird bis dahin wohl noch für einigen Gesprächsstoff sorgen.


Quellen:

  • exxpress.at: „Ich bin sprachlos“ – Zöchling zu Skandal um Babler-Film, 26. März 2026
  • exxpress.at: SPÖ-Skandal enthüllt – Babler-Doku aus Steuermitteln finanziert (Erstbericht)
  • exxpress.at: Skandal um Babler-Film – so viel kostet das Festival rund um die Premiere
  • oe24.at: Babler-Doku mit hunderttausenden Euro Steuergeld finanziert
  • oe24.at: Steuergeld für Babler-Film wird Fall für Stadt-Parlament
  • exxtra24.at: „Propaganda mit Steuergeld“ – Babler-Doku spaltet Experten und Politik

Credits: APA

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