Innenminister Gerhard Karner zieht Bilanz: Seit 2023 wurden über 500 Iraker aus Österreich abgeschoben. Doch wie beeindruckend ist diese Zahl wirklich? Und was ist mit den angekündigten Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan? Ein genauer Blick auf die Statistiken wirft Fragen auf.
Abschiebungen in den Irak: Ein Erfolg?
Laut dem Innenministerium wurden seit Mitte 2023 insgesamt 254 Personen zwangsweise in den Irak zurückgeführt, während 257 freiwillig ausreisten. Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick hoch erscheinen, doch im Vergleich zur Gesamtzahl der Asylsuchenden in Österreich relativieren sie sich schnell. Allein im Jahr 2025 wurden bis Ende Juni 11.622 Asylanträge gestellt, wie das Bundesministerium für Inneres (BMI) berichtet. Abschiebungen machen also nur einen Bruchteil der Gesamtbewegungen aus.
Syrien und Afghanistan: Große Ankündigungen, wenig Taten
Die Abschiebung von Syrern und Afghanen bleibt ein heikles Thema. Laut einer parlamentarischen Anfrage wurden 2023 lediglich 140 Personen aus diesen beiden Ländern freiwillig zurückgeführt – 101 nach Syrien und 39 nach Afghanistan. Zwangsweise Abschiebungen in diese Länder sind bisher kaum dokumentiert. Bis Ende August 2025 wurden lediglich 75 Afghanen und 69 Syrer im Rahmen von Dublin-Überstellungen in andere EU-Staaten gebracht. Eine direkte Rückführung in die Herkunftsländer scheint die Ausnahme zu sein.
Kosten und Nutzen: Ein teures Unterfangen
Abschiebungen sind nicht nur politisch umstritten, sondern auch teuer. Laut ORF.at kostete die Rückführung von 22 Personen in den Irak im Jahr 2023 insgesamt 303.000 Euro. Das entspricht durchschnittlich 13.772 Euro pro Person. Freiwillige Rückkehrprogramme sind deutlich günstiger, doch auch hier bleibt die Frage, ob die eingesetzten Mittel im Verhältnis zum Ergebnis stehen.
Ein Tropfen auf den heißen Stein?
Im ersten Halbjahr 2025 wurden insgesamt 2.702 Abschiebungen aus Österreich durchgeführt, davon betrafen nur 750 Drittstaatsangehörige. Die meisten Abschiebungen erfolgten in Nachbarländer wie die Slowakei und Ungarn. Rückführungen in Krisenregionen wie Syrien oder Afghanistan bleiben die Ausnahme. Angesichts der hohen Zahl an Asylanträgen und der geringen Zahl an Abschiebungen stellt sich die Frage, ob die Maßnahmen des Innenministeriums tatsächlich effektiv sind oder eher symbolischen Charakter haben.
Mehr Schein als Sein?
Die Bilanz des Innenministeriums mag auf den ersten Blick beeindruckend wirken, doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Realität komplexer ist. Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan sind bisher kaum umgesetzt, und die Kosten für Rückführungen werfen Fragen nach der Effizienz der Maßnahmen auf. Es bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Pläne tatsächlich umgesetzt werden – oder ob sie lediglich politisches Kalkül sind.
Credits: APA
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